Wirecard-Prozess: Brauns Verteidiger legt sein Mandat nieder

Das Budget für die Rechtsanwaltshonorare bei der zuständigen Manager-Haftpflichtversicherung sei aufgebraucht, erklärte Brauns Verteidiger Alfred Dierlamm.
Markus Braun (rechts) und sein bisheriger Verteidiger Alfred Dierlamm, hier an einem Verhandlungstag im März 2023. | Foto: picture alliance / SVEN SIMON | Frank Hoermann / SVEN SIMON
Markus Braun (rechts) und sein bisheriger Verteidiger Alfred Dierlamm, hier an einem Verhandlungstag im März 2023. | Foto: picture alliance / SVEN SIMON | Frank Hoermann / SVEN SIMON
Reuters

Mitten im Betrugsprozess um die milliardenschwere Pleite des Finanzkonzerns Wirecard verliert Ex-Vorstandschef Markus Braun seinen Hauptverteidiger. Rechtsanwalt Alfred Dierlamm sagte der Nachrichtenagentur ”Reuters”, er habe sein Mandat in dem Prozess vor dem Landgericht München aus finanziellen Gründen niedergelegt. Denn das Honorarbudget der zuständigen Manager-Haftpflichtversicherung (D&O-Versicherung) sei aufgebraucht. ”Der Topf ist leer”, sagte Dierlamm.

”Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass der Mandatsbeendigung ausschließlich wirtschaftliche Erwägungen und keine Gründe in der Sache selbst zugrunde liegen”, erklärten Dierlamm und seine Kanzleikollegin Elena-Sabella Meier in einem der Agentur Reuters vorliegenden Schreiben an das Gericht. Dierlamm gilt als einer der prominentesten deutschen Strafverteidiger in zahlreichen Wirtschaftsverfahren wie im VW-Dieselskandal oder im Cum-Ex-Skandal.

Jetzt übernehmen Pflichtverteidiger

Der einstige Millionär Braun wird in diesem Verfahren nun von Pflichtverteidigern vertreten, die aus der Staatskasse bezahlt werden. Die Federführung übernahm nach eigenen Angaben die Rechtsanwältin Theres Kraußlach, die bereits vor Prozessbeginn im Dezember 2022 zu Brauns Verteidigerteam gestoßen war. Wer letztlich für die Prozesskosten aufkommen muss, wird das Gericht in seinem Urteil entscheiden, das im kommenden Jahr erwartet wird.

Braun und zahlreiche weitere Ex-Manager von Wirecard sind wegen des Bilanzskandals in etliche Straf- und Zivilprozesse verwickelt. Einen Großteil der Kosten trug der Versicherer Chubb, bei dem Wirecard wie viele andere Unternehmen auch eine Haftpflichtversicherung für seine Topmanager (D&O-Versicherung) abgeschlossen hatte. 

Der Topf bei Chubb für diverse Verfahren belief sich nach Angaben aus Anwaltskreisen auf rund 17 Mio. Euro. Auch darüber wie auch über Honorarforderungen gegen weitere D&O-Versicherer wie Swiss Re hatte es Prozesse vor mehreren Gerichten gegeben. Dierlamm verwies in seinem Schreiben an das Landgericht München darauf, dass Brauns Anwälte Ende März in Frankfurt in einem Rechtsstreit mit Chubb unterlegen waren.

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