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Das Sparbuch als letzte Waffe gegen Verwahrentgelte stumpft ab

In Zeiten von Negativzinsen entdecken Kunden das gute alte Sparkonto. Aber auch hier schieben immer mehr Sparkassen und Volksbanken einen Riegel vor. Doch Schlupflöcher bleiben, denn die Regeln der Institute unterscheiden sich stark, ergibt eine Nachfrage von FinanzBusiness.

Einige Banken und Sparkassen führen Höchstgrenzen für Sparbücher ein. (Symbolbild) | Foto: picture alliance / Fotostand / K. Schmitt

In Zeiten von Verwahrentgelten auf Tagesgeld- und Girokonten entdecken immer mehr Kunden das gute alte Sparbuch, um Liquidität zu parken. Volksbanken und Sparkassen beginnen jetzt, auch dem einen Riegel vorzuschieben. Doch die Regeln unterscheiden sich von Institut zu Institut stark. So bleiben Schlupflöcher.

Verwahrentgelte auf höhere Einlagen auf Giro- und/oder Tagesgeldkonten sind mittlerweile eher die Regel als die Ausnahme. Zugleich sinken die Grenzen, bis zu denen Banken und Sparkassen keine Negativzinsen berechnen, kontinuierlich.

Genossenschaftsbanken sind bei Strafzinsen ganz weit vorne

Bereits im April vergangenen Jahres führte beispielsweise die Sparkasse Hannover ein Limit von 100.000 Euro ein, sagte Sprecher Stefan Becker FinanzBusiness auf Nachfrage. Seit Anfang diesen Jahres greift das Limit auch für Sparkonten von Bestandskunden.

"Wir haben bemerkt, dass Neukunden zu uns kamen. Es war keine Schwemme, aber spürbar. Mit dem Limit handelten wir sowohl reaktiv als auch präventiv", sagte Becker zu FinanzBusiness.

Allerdings ist die Obergrenze von 100.000 Euro bei dem Institut aus der niedersächsischen Landeshauptstadt so auch nicht in Stein gemeißelt. Denn für Ehepaare beträgt es 200.000 Euro, bei Gemeinschaftskunden, also Sparkonten von mehreren Personen, 300.000 Euro.

Keine Begrenzung auf ein Sparkonto

Ein Schlupfloch bieten auch die genossenschaftlichen Kollegen von der Hannoverschen Volksbank. Dort wurde im Februar 2021 eine Spargrenze von 100.000 Euro eingeführt. Sie gilt für Neu- wie Bestandskunden gleichermaßen, erläutert Volksbank-Sprecher Marko Volck FinanzBusiness.

Das heißt in der Praxis: Hat ein Bestandskunde schon 80.000 Euro angespart, kann er sein Sparkonto mit nur noch 20.000 Euro befüllen. Allerdings: Die Grenze gilt pro Sparkonto. Ein Kunde kann von ihnen - zumindest derzeit noch - mehrere unterhalten. Eine Begrenzung auf ein Sparkonto pro Kunde gebe es nicht, so Volck auf Nachfrage.

Wie die Sparkasse in der niedersächsischen Landeshauptstadt auch hat die Hannoversche Volksbank die Sparobergrenze "präventiv" festgelegt, so Volck, da zunehmend Kunden mit einer anderen Hausbankverbindung Sparkonten bei dem genossenschaftlichen Institut eröffnet hätten.

Bestandsschutz für Haspa-Altkunden

100.000 Euro als Obergrenze für Sparkonten: Dies gilt seit März auch bei der Haspa, Deutschlands größter Sparkasse. Allerdings für Neukunden. Für Bestandskunden ändere sich zunächst nichts, so ein Sprecher der Hamburger Sparkasse auf Nachfrage von FinanzBusiness.

Die Haspa hatte im März die Freigrenze bei Girokonten von Privatkunden drastisch reduziert. Nur bis zu einer Einlage von maximal 50.000 Euro fallen keine Verwahrentgelte an.

Haspa senkt Freibeträge beim Verwahrentgelt

Auch die Stadtsparkasse Düsseldorf geht rigoros gegen Kunden mit hohen Einlagen auf Giro- und Tagesgeldkonten vor. Einer Handvoll hat sie sogar das Konto gekündigt, weil die Inhaber weder ein Verwahrentgelt akzeptierten noch die Einlagen umschichten wollten.

Bei weiteren Kunden der Stadtsparkasse Düsseldorf steht die Kontokündigung als Ultima Ratio im Raum

Bei Sparkonten geht das öffentlich-rechtliche Institut nicht so rigiros vor. Obergrenzen für Bestandskunden gibt es nicht, sagte Sprecher Fabian Haag FinanzBusiness. Für Neukunden allerdings schon: Hier gelten 100.000 Euro als Maximum. Und anders als bei der Hannoverschen Volksbank gewährt die Stadtsparkasse Düsseldorf auch nur ein Sparkonto pro Kunde.

Negativzinsen auf Sparkonten sind rechtliche Grauzone

Noch mehr als bei Tagesgeld- oder Girokonten gelten Negativzinsen auf Sparkonten als rechtlich höchst umstritten. Denn gemeinhin werden sie als Darlehen des Kunden an die Bank erachtet. "Ein Sparbuch mit Negativzinsen wäre kein Sparbuch mehr", sagte Sandra Kluge von der Verbraucherzentrale Hamburg dem "Hamburger Abendblatt" und droht, Institute, die solche Gebühren verlangen, abzumahnen.

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