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Ertragsschwäche im deutschen Bankensektor hat sich 2020 zugespitzt

Obwohl Banken mit der Einführung von Verwahrentgelten dazu übergehen, Kosten an ihre Kunden weiterzureichen, verdienen die Institute hierzulande vergleichsweise wenig, zeigt eine aktuelle Studie. In der Schweiz sieht das ganz anders aus.

Eine Frau lässt sich in einer Bankfiliale am Schalter Bargeld auszahlen. | Foto: picture alliance/dpa | Angelika Warmuth

Auf Mitarbeiter und Kunden der europäischen Banken kommt einer aktuellen Studie zufolge die bisher größte Welle von Filialschließungen zu.

Bis 2023 könnten Privatbanken bis zu 40 Prozent ihrer Geschäftsstellen schließen, prophezeien die Experten der Unternehmensberatung PWC Strategy& in einer am Dienstag erschienenen Analyse des Bankensektors. Die Einheit Strategy& von PWC besteht seit 2014, als PWC die Strategieberatung Booz & Company erwarb.

Geringere Erträge je Kunde

Demnach ist der Durchschnittsgewinn pro Kunde im Coronajahr 2020 um acht Prozent auf 193 Euro abgesackt, auch die Erträge gingen zurück. Ursachen sind demnach die gesunkene Zahl internationaler Transaktionen und Kreditkartenzahlungen sowie weniger Nachfrage bei Verbraucherkrediten.

Die Lage ist keineswegs überall gleich, doch gerade der deutsche Bankensektor steht demnach ziemlich schlecht da: In der Schweiz brachte ein Kunde im Schnitt 444 Euro Gewinn, in Österreich leicht überdurchschnittliche 208 Euro, in Deutschland dagegen unterdurchschnittliche 172 Euro.

Banken folgen Kunden in digitale Kanäle

Das traditionelle Geschäftsmodell, demzufolge die Banken in ihren Filialen auf die Kundschaft warten, wird sich laut Studie in Zukunft quasi umkehren: "Anstatt durch die besten Standorte möglichst viele Kunden in die Filialen zu locken, werden zukünftig durch gezieltes Online-Marketing Kundenkontakte gewonnen", sagte Studienautor Pratz laut Mitteilung.

Deutsche Bank setzt auf mehr Beratung - aber nicht in der Filiale 

Auch vor Corona schon Probleme

Studienautor Andreas Pratz und seine Kollegen betrachteten rund 50 Privatkundenbanken und Bankengruppen mit insgesamt 690 Millionen Kunden sowie geschätzten Privatkundeneinlagen und Kreditvolumina in Höhe von 18 Billionen Euro. Einbezogen wurden Banken aus 15 Ländern in Europa sowie zu Vergleichszwecken auch in Nordamerika und Australien.

Viele europäische Geldhäuser litten demnach auch vor Corona schon unter dem grundsätzlichen Problem schrumpfende Erträge. Allerdings gilt das nicht generell, laut Studie schafft es etwa ein Viertel der Banken, die Erträge zu steigern.

Kostendruck steigt

Die sinkenden Margen verstärken nach Einschätzung der Unternehmensberater den Kostendruck ganz erheblich. Sie verweisen auf die bereits angekündigten umfangreichen Stellenstreichungsprogramme vieler Großbanken, darunter etwa die Deutsche Bank und die französische Société Générale. Die Zahl der Bankfilialen in Europa könnte demnach bis 2023 von knapp 60.000 auf nur noch 36.000 sinken.

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Fast 40 Prozent der Deutschen verhandeln nie ihr Gehalt

Dabei zahlt sich eine Gehaltsverhandlung meistens aus - 42 Prozent der Studienteilnehmer gaben eine höhere Gehaltsabrechnung an. Die Rechnung geht auch für Bankangestellte auf. Im Gegenzug hat jeder vierte Deutsche allerdings noch nie eine Lohnsteigerung erzielt.

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