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Der Mann, der die Greensill Bank abwickelt

FinanzBusiness Profil: Michael Frege wurde gestern zum Insolvenzverwalter der Greensill Bank bestellt. Spätestens seit der Lehman-Pleite, mit deren Abwicklung Frege hierzulande betraut war, hat er sich einen Namen als Aufräumer im Finanzsektor gemacht.

Insolvenzverwalter Michael Frege | Foto: picture alliance / dpa | Cms Hasche Sigle

Die Wahl ist für Kenner der Insolvenz-Szene keine große Überraschung: Gestern wurde Michael Frege zum Insolvenzverwalter über die Bremer Greensill Bank bestellt, nachdem die BaFin einen entsprechenden Antrag gestellt hatte.

BaFin stellt Insolvenzanztrag für Bremer Greensill Bank 

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Muttergesellschaft der Greensill Bank mit Sitz in London Insolvenz angemeldet; die Greensill-Holding mit Sitz in Australien befindet sich seit circa zwei Wochen ebenfalls in der Insolvenz.

Banken-Pleiten sind Freges Metier

Die Schieflage des Bremer Instituts rückte vor rund zwei Wochen schlagartig ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit, als die Finanzaufsicht ein Moratorium über Greensill verhängte. Seitdem wurde auch schon darüber spekuliert, wer den Zuschlag als Insolvenzverwalter bekommen würde. Neben Frege galt auch Michael Jaffé als aussichtsreicher Kandidat, da auch er über Erfahrung im Finanzsektor verfügt. Allerdings ist mit der derzeit "prominentesten" deutschen Insolvenz, die des Bezahldienstleisters Wirecard, wohl gut ausgelastet.

Michael Jaffé - ein Insolvenzverwalter für besondere Fälle: zum Beispiel Wirecard 

Mit dem Frankfurter Anwalt Frege übernimmt in Deutschland nun ein Verwalter den Job, der über viel Erfahrung bei Banken verfügt und bekannt dafür ist, mit möglichen Opponenten nicht zimperlich umzugehen. Dabei sind - wie immer in solchen Fällen - Schadensersatzprozesse gegen ehemalige Berater und Partner ein probates Mittel für den Insolvenzverwalter, um den Gläubigern wenigstens einen Teil ihres Geldes zu sichern.

Effizienter Apparat im Rücken

Dazu hat der Frankfurter Anwalt mit der Kanzlei CMS auch eine sogenannte Full-Service-Kanzlei im Rücken, die neben Sanierungsexperten auch ganze Teams von spezialisierten Anwälten an Bord hat, die für so einen Fall nötig sind.

CMS arbeitet bereits mit Hochdruck an dem Verfahren und hat ein versiertes Restrukturierungsteam aufgestellt.

Pressemitteilung von CMS

"CMS arbeitet bereits mit Hochdruck an dem Verfahren und hat ein versiertes Restrukturierungsteam aufgestellt", heißt es seitens der Kanzlei in einer Mitteilung. Neben Michael Frege werden sich dort Dr. Charlotte Schildt und Joachim Kühne federführend um die Greensill Bank kümmern. Zur Sache selbst könne man frühestens in vierzehn Tagen Stellung nehmen.

Frege, seit 1997 Partner bei CMS, wickelt Großinsolvenz wie etwa beim Versandhändler Neckermann und dem börsennotierten WCM-Konzern ab und ist bei der deutschen Lehman Brothers Bank und der wegen ihrer Cum-Ex-Geschäfte äußerst komplexen Maple Bank-Insolvenz aktiv. Der Anwalt geht bei Greensill davon aus, dass das "Verfahren zwischen fünf und zehn Jahren andauern wird", wie er es heute im Interview mit der Wirtschaftswoche sagte. Bereits am heutigen Mittwoch will Frege mit dem Vorstand und den Mitarbeitern der Bank sprechen und "erste Rundschreiben an die geschädigten Gläubiger versenden".

Cum-Ex-Fall Maple Bank

Gerade im Fall Maple, den Frege im Frühjahr 2016 übernahm, geht der Insolvenzverwalter auch robust gegen ehemalige Berater der Bank vor. So fordert er etwa vor dem Landgericht Stuttgart 195 Millionen Euro, die dort Jahresabschlüsse fehlerhaft testiert haben soll. Mit der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer, die als Beraterin in Sachen Cum-Ex auftrat, einigte sich Frege auf eine Zahlung von 50 Millionen Euro, eine entsprechende Klage zog Frege dann zurück. Die Gesellschafter der Maple Bank haben bereits einen zweistelligen Millionenbetrag zur Insolvenzmasse beigetragen, die am Ende unter den Gläubigern verteilt wird.

Lehman Brothers: Mehr als ein Achtungserfolg

Besonders prominent war das Mandat, dass er im September 2008 übernahm, als die US-Investmentbank Lehman Brothers in die Pleite stürzte und so eine weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise auslöste.

Frege übernahm die Insolvenz der deutschen Tochter und ging in dem Fall ebenfalls mit zahlreichen Klagen vor, unter anderem gegen den britischen Lehman-Verwalter der US-Bank. Allerdings geriet er dabei auch aufgrund der Höhe seiner Honorare selbst in die Kritik. Ein Hedgefonds machte Druck, weil er und seine Kanzlei rund 500 Mio Euro kassiert haben sollen.

Bei CMS sollen in den neun Jahren, in denen man an der Lehman-Insolvenz arbeitete, allerdings nach Angaben der Kanzlei auch im Schnitt 100 Berufsträger wie Anwälte und Wirtschaftsprüfer samt ihrer Mitarbeiter mit der Sache befasst gewesen sein.

Letztlich akzeptierten aber alle Gläubiger die Entlohnung des Insolvenzverwalters. Sie dürften mit seiner Arbeit recht zufrieden gewesen sein: Frege bekam eine Insolvenzmasse rund 17 Mrd. Euro zusammen - nachdem er bei ursprünglich 100 Mio. Euro gestartet war. So konnten die Ansprüche aller 750 von Pleite Betroffenen vollständig entschädigt werden - unter ihnen die Bundesbank und die Einlagensicherung der Privatbanken, die bei der Lehman Pleite zunächst eingesprungen waren und damit die größten Außenstände hatten.

Die Presse findet zudem meist auch die Verwandschaft des Insolvenzverwalters interessant: Frege ist der Bruder von Campino, dem Sänger der 1982 gegründeten Düsseldorfer Rockband "Die Toten Hosen".

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