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2021 wird das Jahr der strategischen Entscheidungen bei der Commerzbank

Deutschlands zweitgrößte Geschäftsbank braucht eine neue Strategie, Tausende Arbeitsplätze stehen auf der Kippe. Dem neuen Vorstandsvorsitzenden Manfred Knof bleiben allenfalls ein paar Monate: Dann muss er liefern - und das will er auch.

Commerzbank-Chef Manfred Knof wird 2021 häufiger im Scheinwerferlicht stehen. | Foto: picture alliance / Tobias Hase/dpa | Tobias Hase

Einige Wochen konnte sich Manfred Knof bereits auf seine neue Führungsaufgabe vorbereiten. Jetzt liegt es am ehemaligen Privatkundenvorstand des Konkurrenten Deutsche Bank, wie sich die Commerzbank in Zukunft aufstellen wird. Das erfordert gute, aber auch zügige Entscheidungen.

Knof muss das gelingen, woran Martin Zielke, sein Vorgänger an der Spitze der Commerzbank, gescheitert ist. Gerade mal sechs Wochen wird Knof im Amt sein, wenn er dem Aufsichtsrat unter Führung von Hans-Jörg Vetter das erste Mal gegenüber tritt. Am 10. Februar, so der Plan, tagt das Gremium 2021 erstmals.

Rote Zahlen in 2020

Tags darauf am 11. Februar wird Knof dann der Öffentlichkeit die Zahlen der Bank für das Geschäftsjahr 2020 präsentieren. Sie werden, so viel Erwartungsmanagement hatte Finanzvorständin Bettina Orlopp bereits im November bei Vorlage des Drittquartalsberichts betrieben, rot sein.

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Das ist ungewöhnlich für die zweitgrößte deutsche Geschäftsbank. In den vergangenen Jahren schrieb sie stets einen Gewinn – auch unterm Strich. Der letzte Konzernverlust liegt nunmehr acht Jahre zurück.

Weniger ungewöhnlich ist für die Commerzbank indes, dass sie als ertragsarm gilt. Die Aufwandquote liegt seit Jahren deutlich nördlich der 70 Prozent, höher als bei den meisten europäischen Peers. Derweil dümpelt die Eigenkapitalrendite im niedrigen einstelligen Bereich - das ist schon seit Jahren so.

Es gilt, den Weg der Unicredit zu gehen

Die Commerzbank muss jetzt den Weg einschlagen, den beispielsweise die italienische Unicredit schon vor Jahren gegangen ist und den die Deutsche Bank im vergangenen Jahr begonnen hat.

Das alte Sanierungskonzept von Zielke sah den Abbau von Stellen in niedriger fünfstelliger Größenordnung und einen Kahlschlag im  bundesweiten Filialnetz vor. Von den vor der Pandemie noch 1000 Geschäftsstellen soll die Hälfte komplett schließen, weitere in Betreuungspunkte umgewandelt werden, in denen nur noch wenige Mitarbeiter tätig sind. Übrig blieben gerade mal 200 Vollfilialen.

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Selbst den Gewerkschaften ist klar, dass sich nicht alle Jobs bei der Commerzbank erhalten lassen. Aber wird mehr bei den Filialen gespart oder doch mehr in der Frankfurter Zentrale? Wie stellt sich die Commerzbank, die sich als Partner des exportorientierten deutschen Mittelstands sieht, international auf? Um diese Fragen wird gerungen werden und es liegt an Knof, ein schlüssiges Gesamtkonzept zu liefern, das sowohl am Kapitalmarkt als auch auf der Arbeitnehmerseite akzeptiert wird.

Noch im ersten Quartal soll es so weit sein. Zeit verschwendet Knof zumindest nicht. Bereits an seinem ersten Arbeitstag schrieb er den noch rund 48.000 Mitarbeitern und bereitete sie auf harte Einschnitte vor, "je schneller wir damit beginnen, desto besser!"

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Und auch die Vorstandsaufgaben sortierte sich der neue CEO gleich zu Arbeitsbeginn neu und versäumte es nicht, Schlüsselbereiche unter seine Verantwortung zu stellen.

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Die Geschwindigkeit, mit der der 55-jährige gebürtige Kölner vorgeht, zeigt deutlich: Was Knof nicht hat, ist Zeit. Die hat die Commerzbank mit ihrem Führungsvakuum schon im vergangenen Jahr vertan.

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