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Für die Commerzbank war 2020 das Jahr des Höllenhundes

Investoren-Sperrfeuer, Machtvakuum, Aderlass: Drei Worte, die das zurückliegende Jahr bei der Commerzbank beschreiben. Ob das alles zu etwas gut war, muss sich erst noch zeigen.

Herkules kämpft mit Cerberus. Eine Zeichnung des deutschen Künstlers Hans Sebald Beham (1500-1550). | Foto: picture alliance / Heritage-Images | Heritage Art/Heritage Images

Es waren einige wenige Briefe, adressiert an Herrn Stefan Schmittmann, Aufsichtsratsvorsitzender der Commerzbank AG; Absender Cerberus, nach dem Bund zweitgrößter Aktionär Deutschlands zweitgrößter Privatbank. Doch die Briefe hatten Sprengkraft: Sie hoben weite Teile des Managements aus den Angeln und verzögern den dringend erforderlichen Umbau des ertragsarmen Instituts.

Damit hat der aktivistische US-Investor das Gegenteil von dem erreicht, was er wohl beabsichtigt hatte.

Ein Hund mit drei Köpfen vor dem Hades

Das Jahr des Cerberus, in der griechischen Mythologie der dreiköpfige Höllenhund, der den Hades, die griechische Unterwelt, bewachte, begann für die Commerzbank im Juni.

Der seit Sommer 2017 an der Bank beteiligte US-Finanzinvestor Cerberus sei mit der Führung des Geldhauses sehr unzufrieden und dränge deshalb auf zwei Sitze im Aufsichtsrat, hieß es in Medienberichten. Das Anliegen des Investors: Die Commerzbank habe keine bedeutenden Initiativen mit Blick auf Geschäftsabläufe, Technologie oder Management ergriffen. Vorschläge von Investoren habe die Bank abgelehnt. Die Zeit, die Probleme anzugehen, gehe aber schnell zu Ende.

US-Finanzinvestor Cerberus setzt Commerzbank-Spitze unter Druck 

Zu Ende ging zunächst die Zeit des Vorstandsvorsitzenden Martin Zielke und des Aufsichtsratsvorsitzenden Stefan Schmittmann. Beide kündigten Anfang Juli ihre Rücktritte an. Während Schmittmann bereits einen Monat später seinen Stuhl räumte, blieb Zielke noch bis zum Jahresende im Amt – in der Öffentlichkeit trat er freilich nicht mehr auf und räumte auch mehr oder weniger zügig seinen Ehrenamtsposten als Präsident des Bundesverbands deutscher Banken.

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Bei der Commerzbank beginnt eine Hängepartie

Im August begann dann die Ära des Hans-Jörg Vetter bei der Commerzbank, der sich in der zweiten Jahreshälfte zum Machtzentrum innerhalb der Commerzbank entwickeln sollte.

Vetter wird neuer Commerzbank-Aufsichtsratschef 

Am Anfang hatte Cerberus auch Vorbehalte gegen den 68-jährigen ehemaligen Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Zwar gilt Vetter als erfahrener Sanierer, doch sei er zu alt und habe zudem zu wenig Erfahrung mit Geschäftsbanken, monierte der US-Fonds wiederum öffentlich.

Cerberus verschärft Führungskrise bei der Commerzbank

Aber seit Vetter Chefaufseher ist, ist es auch um den Höllenhund ruhig geworden.

Im Turm am Frankfurter Kaiserplatz ging das Stühlerücken aber munter weiter.

Im September warf Michael Mandel, im Vorstand zuständig für das Segment Privat- und Unternehmerkunden und Zielke-Vertrauter, das Handtuch und hat dem Aufsichtsrat eine einvernehmliche Beendigung seines Vertrages angeboten.

Vorstandsmitglied Michael Mandel verlässt die Commerzbank 

Erst vor wenigen Wochen wurde dann der fürs Firmenkundengeschäft zuständige Vorstand Roland Boekhout, der einst als Zielke-Nachfolger gehandelt wurde, vom Aufsichtsrat von seinen Pflichten entbunden. Unterschiedliche strategische Auffassungen, hieß es ganz offiziell zur Begründung. Der Niederländer ist offenbar mit Chefaufseher Vetter aneinandergeraten. Die Episode des langjährigen Chefs der ING Diba hierzulande im Commerzbank-Turm währte nicht einmal ein Jahr.

Roland Boekhout verlässt die Commerzbank 

Und zum Höllenhund-Jahr der Commerzbank gehört auch, dass Frauke Hegemann nach zwei Jahrzehnten beim Institut den Chefposten bei Comdirect niederlegte, ohne die Rückkehroption zur Commerzbank zu ziehen und dass Kommunikationschef Richard Lips, in seiner Position auch Bereichsvorstand der Bank, nach 15 Jahren das Institut verlässt.

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Ob das Jahr 2020 ein verlorenes für Deutschlands zweitgrößte Geschäftsbank war, oder eher ein von Cerberus angefachtes reinigendes Gewitter, wird sich erst 2021 entscheiden. Dann muss im Turm am Frankfurter Kaiserplatz klar sein, wohin die Reise geht. Auf den desiginierten Commerzbank-Chef Manfred Knof und Chefaufseher Vetter wartet nicht weniger als eine Herkules-Aufgabe.

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