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Über die Hälfte der deutschen Sparkassen verschreiben sich Klimaneutralität bis 2035

Der DSGV-Präsident Helmut Schleweis drängt die Institute, das Nachhaltigkeitspapier nicht nur zu unterschreiben, sondern zu handeln - auch in der Geschäftsbeziehung mit dem Kunden.

DSGV-Präsident Helmut Schleweis | Foto: picture alliance / Boris Roessler/dpa | Boris Roessler

Die nächste Runde im Kampf um die Vorherrschaft der dritten Säule der deutschen Bankenlandschaft geht an die Sparkassen. Eine Mehrzahl von ihnen hat ein Nachhaltigkeitspapier unterschrieben, das der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) heute vorstellen wird. So schreibt es die Börsen-Zeitung. Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) plant etwas ähnliches erst für 2021.

Eine ganze Reihe von Sparkassen und Verbundunternehmen haben schon viele Initiativen entwickelt und für mehr Ehrgeiz geworben. Andere müssen noch überzeugt werden.

Helmut Schleweis, Präsident des DSGV

"Wir haben das im Verband vorbereitet, besprechen solche Initiativen aber natürlich immer mit den Vertretern der Institute und der Verbände. Eine ganze Reihe von Sparkassen und Verbundunternehmen haben schon viele Initiativen entwickelt und für mehr Ehrgeiz geworben. Andere müssen noch überzeugt werden", sagte dazu Helmut Schleweis, Präsident des DSGV in einem Interview mit der Zeitung. Laut Schleweis haben bereits 172 Sparkassen-Institute (also fast jedes zweite Haus bundesweit) und acht Verbundunternehmen die Nachhaltigkeitsverpflichtung unterzeichnen.

Und auch bei den Privatbanken rückt das Thema in der Priorisierung weiter nach oben: Gestern verkündete die Deutsche Bank, zukünftig die Gehälter ihrer Top-Manager an ESG-Kriterien zu koppeln. Perspektivisch könnten davon auch weitere Führungspersonen betroffen sein, erfuhr FinanzBusiness.

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Klimaneutral bis 2035

Darin versprechen sie, ihre betrieblichen Treibhausgasemissionen um jährlich drei Prozent bis fünf Prozent zu reduzieren und bis spätestens 2035 im Geschäftsbetrieb CO2-neutral zu arbeiten. Außerdem sollen Finanzierungen und Eigenanlagen auf Klimaziele ausgerichtet werden und Kunden "bei der Umstellung auf eine klimaschonende und nachhaltige Wirtschaftsweise" zu begleiten. Darüberhinaus sind ein Ausbau des Risikomanagements für klimabedingte Risiken sowie nichtfinanzielle Ziele in der Vergütung geplant.

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Ehrliches Engagement gefordert

Dabei gehe es nicht nur um die Selbstverpflichtung, sondern vor allem um die Umsetzung: "Der Ehrgeiz darf sich nicht in erster Linie auf Regulierungen, Reporting und Berichte richten. Wenn Datensammeln Selbstzweck wird, ist damit bestenfalls dem eigenen Gewissen gedient, aber nicht der Umwelt", sagte Schleweis.

Und weiter: "Entscheidend ist aber Ehrlichkeit. Welche Versprechen kann man wirklich einhalten? Ich halte es deshalb für sehr richtig, dass sich Vorstände das ganz genau überlegen und nicht vorschnell losreden. Zurückhaltung muss man heute allerdings sehr, sehr gut begründen können."

Der bessere Weg ist, die ökologischen Kosten in das ökonomische System zu internalisieren, wie dies etwa mit der CO-Bepreisung erfolgt ist.

Helmut Schleweis, Präsident des DSGV

Gleichzeitig sprach sich der Präsident des Dachverbands dagegen aus, Kreditinstituten aufzuerlegen, die Investitionen der Kunden ökologisch zu beurteilen: "Das können sie nicht, das sollten sie nicht – und dafür fehlen ihnen meist auch die erforderlichen Daten. Der bessere Weg ist, die ökologischen Kosten in das ökonomische System zu internalisieren, wie dies etwa mit der CO-Bepreisung erfolgt ist."

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In dem Interview sprach Schleweis sich außerdem dafür aus, mehr Frauen in Führungspositionen der Sparkassen zu beschäftigen, um so mittelfristig die erforderlichen Herausforderungen für Frauen in Vorständen und Verwaltungsräten zu erreichen.

Frauenquote nicht zielführend

"Frauen sind in den Sparkassen deutlich in der Mehrheit – bei den Kundinnen und bei den Mitarbeiterinnen. Bei Letzteren liegt der Frauenanteil bei rund 68 Prozent", so Schleweis. "Es liegt also nicht daran, dass Sparkassen für Frauen nicht attraktiv wären. Ich halte es deshalb für absolut nachvollziehbar und berechtigt, dass auch Frauen auch in den Vorständen breit repräsentiert sein müssen." Für eine regulatorische Quote spricht er sich nicht aus.

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