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LBBW verdient wegen Corona und Wirecard im ersten Halbjahr weniger

Die Landesbank Baden-Württemberg hat trotz einiger positiver Entwicklungen das erste Halbjahr schwächer abgeschlossen als 2019. Schuld sind Corona und Wirecard. Für das Gesamtjahr ist man optimistisch.

LBBW-Vorstandsvorsitzender Rainer Neske bei der Jahreszahlen-Pressekonferenz im März 2017 | Foto: picture alliance/Marijan Murat/dpa

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hat das erste Halbjahr 2020 positiv abgeschlossen, wenn auch nicht so positiv wie den Vergleichszeitraum 2019. Das Konzernergebnis reduzierte sich um 76,8 Prozent auf 52 Mio. Euro, wie die Bank am Freitag (28. August) mitteilte, und soll auch für das Gesamtjahr positiv ausfallen. Der Gewinn vor Steuern bracht um 69 Prozent auf 103 Mio. Euro ein.

"Wir zeigen in diesem außergewöhnlichen Umfeld, dass unser Geschäftsmodell auch in sehr schwierigen Zeiten stabil und profitabel ist", zeigte Rainer Neske, Vorstandsvorsitzender der LBBW, sich aber zufrieden. Und weiter: "Wir profitieren jetzt stark von der Arbeit der vergangenen Jahre, in denen wir auf einträgliches Wachstum gesetzt, die Kosten im Griff behalten und zugleich die Digitalisierung der Bank vorangetrieben haben."

Wir profitieren jetzt stark von der Arbeit der vergangenen Jahre.

Rainer Neske, Vorstandsvorsitzender der LBBW

Ins Kontor schlugen vor allem die ausgeweitete Risikovorsorge, die sich von 63 auf 281 Mio. Euro vervielfachte, aber auch ein negativ verlaufenes "Einzelengagement", das der Bank 160 Mio. Euro Verlust einbrachte, aber nichts mit Corona zu tun hatte und vollständig im Halbjahr verarbeitet wurde, wie es hieß.

Dabei handelte es sich offensichtlich um den Wirecard-Kredit. Denn die LBBW hat rund 200 Mio. Euro an den mittlerweile insolventen Zahlungsdienstleister vergeben.

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Zinsergebnis steigt

Im Unternehmenskunden- und im Kapitalmarktgeschäft seien die Zins- und Provisionserträge aber spürbar gestiegen, betonte die Bank - unter dem Strich konnte sie damit allerdings nur das Zinsergebnis von 811 auf 872 Mio. Euro steigern, während das Provisionsergebnis leicht von 279 auf 274 Mio. Euro sank.

Bei den Verwaltungsaufwendungen sparte die LBBW 3,5 Prozent ein, sie sanken von 864 auf 834 Mio. Euro. Die Aufwendungen für Bankenabgabe und Einlagensicherung erhöhten sich um 15,5 Prozent von 102 auf 118 Mio. Euro.

Die Bilanzsumme kletterte von 257 (31.12.2019) auf 290 Mrd. Euro. Die harte Kernkapitalquote (CRR/CRD IV "fully loaded") ging im Vergleich zu Ende Dezember leicht von 14,6 auf 14,2 Prozent zurück.

LBBW baut Personal auf

Die Eigenkapitalrendite lag aber nur noch bei 1,5 Prozent, verglichen mit 5,1 Prozent im ersten Halbjahr 2019. Die Cost-Income-Ratio veränderte sich dagegen nicht und beträgt 71,2 Prozent. Bei der Zahl der Mitarbeiter legte die Bank seit Jahresbeginn um 106 Personen zu, sodass sie nun 10.111 Menschen beschäftigt.

Coronahilfen verhelfen zu Plus im Kreditvolumen

Die LBBW war im ersten Halbjahr stark mit Liquiditätshilfen und Förderkrediten beschäftigt. Das Volumen an Finanzierungen für mittelständische und große Unternehmen sei seit Jahresbeginn um 4 Prozent auf 53 Mrd. Euro gestiegen, hieß es.

Außerdem leitete die Bank 8300 Anträge auf Corona-Darlehen über 4,2 Mrd. Euro an KfW und Landesförderbanken weiter. Davon entfielen 1,7 Mrd. auf die Kunden der LBBW und 2,5 Mrd. Euro auf die Kunden der Sparkassen, für die die LBBW das Fördergeschäft abwickelt.

"Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben in der Corona-Pandemie eindrucksvoll bewiesen, dass sie sich sehr schnell und zuverlässig auf veränderte Kundenerwartungen, ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld und externe Schocks einstellen können", sagte Neske dazu.

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