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Anti-Geldwäsche-Einheit des Zolls gab im Fall Wirecard nur wenige Hinweise weiter

Die Zollbehörde FIU gerät im Zusammenhang mit dem Wirecard-Skandal unter Druck. Nach Recherchen von NDR und SZ erhielt die Einheit zahlreiche Hinweise, gab aber nur wenige Verdachtsmeldungen weiter.

Wirecard-Logo an der Fassade des Firmensitzes in Aschheim bei München Foto: picture alliance / Sven Simon

Die Anti-Geldwäsche-Einheit des Zolls hat nach Recherchen von Süddeutscher Zeitung und NDR schon vor dem Bekanntwerden des Wirecard-Skandals zahlreiche Verdachtshinweise im Zusammenhang mit Wirecard bekommen. Davon sei aber nur ein Bruchteil an die zuständigen Strafverfolgungsbehörden weitergegeben worden.

Das Bundesfinanzministerium war am Dienstagabend (11. August) zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Die bei dem Ministerium angesiedelte so genannte Financial Intelligence Unit (FIU) prüft bei Verdacht auf Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung und leitet Fälle gegebenenfalls an Strafverfolgungsbehörden weiter. Zur Meldung an die FIU sind zum Beispiel Banken verpflichtet, wenn sie Hinweise auf solche illegalen Geschäfte haben.

FIU prüft früher eingegangene Meldungen erneut

Die FIU prüft den Berichten zufolge nun früher eingegangene Meldungen im Lichte neuer Erkenntnisse erneut. Es gehe um Hinweise auf Straftaten wie Bilanzfälschung, Betrug, Untreue, Marktmanipulation und Insiderhandel. Hierbei seien 97 Meldungen identifiziert worden, "die in möglichem Zusammenhang mit den derzeit erhobenen Vorwürfen" gegen Wirecard-Mitarbeiter stehen könnten, zitierte der NDR die FIU.

Ein FIU-Sprecher bestätigte den beiden Medien demnach, dass die Behörde inzwischen zwar 50 Meldungen zu verdächtigen Handlungen an die zuständigen Behörden weitergereicht habe - den Großteil davon allerdings erst nach Bekanntwerden des Skandals.

Die nun erhobenen Vorwürfe gegen die Wirecard AG stünden nicht im Zusammenhang mit dem Kernauftrag der FIU, der darin bestehe, Verdachtsmeldungen im Zusammenhang mit Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung entgegenzunehmen und zu analysieren, erklärte ein Sprecher laut NDR.

Luftbuchungen in Milliardenhöhe

Der inzwischen insolvente Zahlungsdienstleister hatte im Juni Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Der Skandal hatte auch die Bundesregierung in Erklärungsnot gebracht. Zentrale Fragen sind, wann genau die Regierung von Unregelmäßigkeiten wusste und ob sie zu wenig dagegen unternommen hat. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat als Konsequenz aus dem Skandal einen Aktionsplan vorgelegt, der unter anderem eine stärkere Rolle der Finanzaufsicht BaFin vorsieht.

Scholz reagiert mit Aktionsplan auf Wirecard-Skandal

Die FIU ermittelt inzwischen in einer gemeinsamen Task Force mit der BaFin zum Verdacht der Geldwäsche bei Wirecard. Ende August wird sich der Finanzausschuss des Bundestags in einer Sondersitzung erneut mit der Causa Wirecard befassen.

Politik beugt sich in zweitägiger Sondersitzung über die Causa Wirecard

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