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Förderbanken verdoppelten Zuschüsse im Corona-Jahr 2020

Die Förderstatistik des Verbands öffentlicher Banken zeugt von den im vergangenen Jahr geleisteten Unterstützungsmaßnahmen für Wirtschaft und Kommunen. Hauptgeschäftsführerin Iris Bethge-Krauß ordnet die Zahlen für FinanzBusiness ein.

Hauptgeschäftsführerin des VÖB: Iris Bethge-Krauß | Foto: VÖB

Die 19 Förderinstitute von Bund und Ländern haben im vergangenen Jahr Zuschüsse im Gesamtvolumen von mehr als 27 Mrd. Euro ausgegeben. Das ist mehr als doppelt so viel wie 2019. So geht es aus der heute vorgelegten Förderstatistik des Verbands öffentlicher Banken (VÖB) hervor.

15 Mrd. Euro entfielen auf die gewerbliche Förderung. Mit knapp über 10 Mrd. Euro wurden Kommunen, Landwirtschaft, sowie Wohnungs- und Städtebau gefördert.

Eine besonders extreme Entwicklung zeigt sich bei den Bürgschaften und Haftungsfreistellungen: Sie stiegen über alle Fördersegmente hinweg um das 47-fache auf 34 Mrd. Euro.

"Ein Kredit – ob mit oder ohne Haftungsfreistellung – muss immer zurückgezahlt werden. Durch die Haftungsfreistellung wird die Kreditvergabe durch eine Hausbank an das Unternehmen oftmals erst ermöglicht, weil sie (teilweise) nicht das Kreditausfallrisiko tragen muss – darin besteht die eigentliche Förderung", erläutert VÖB-Hauptgeschäftsführerin Iris Bethge-Krauß im Gespräch mit FinanzBusiness auf die Frage, ob und wie die steigende Entwicklung bei Haftungsfreistellungen Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft nehmen könnte. So sei es möglich gewesen, dass Unternehmen, die durch Corona unverschuldet in Not geraten sind, weiterhin mit Liquidität unterstützt werden.

Sollte ein Darlehensnehmer ausfallen, trägt der Staat das Risiko.

Iris Bethge-Krauß, Hauptgeschäftsführerin VÖB

"Richtig ist aber auch: Sollte ein Darlehensnehmer ausfallen, trägt der Staat das Risiko. Deshalb müssen wir jetzt gemeinsam dafür sorgen, dass ein ordentlicher Wirtschaftsaufschwung nach Corona gelingt und die angeschlagenen Unternehmen wieder gesunden", so Bethge-Krauß weiter.

Landwirtschaft stark gebeutelt

Vor allem im Bereich Landwirtschaft sind die Bürgschaften und Haftungsbereitstellungen massiv gestiegen, von 0,6 auf nun 28,1 Mio. Euro.

"Die Pandemie hat das Konsumverhalten radikal verändert – im Lebensmittel-Einzelhandel werden Umsatzrekorde verbucht, gleichzeitig ist die Gastronomie geschlossen", so Bethge-Krauß. "Auch der Export von landwirtschaftlichen Produkten hat gelitten. Entsprechend waren die Auswirkungen auf landwirtschaftliche Betriebe, die hauptsächlich gastronomische Betriebe beliefern oder ihre Produkte exportieren, immens und sie haben verstärkt die Hilfe der Förderbanken in Anspruch genommen."

Aber auch die Darlehenzusagen stiegen 2020 stark um 50 Prozent auf nun 92 Mrd. Euro, wohingegen die Globaldarlehen an Geschäftsbanken von 2,09 Mrd. Euro auf 716 Mio. Euro zurückgingen.

Eine Konzentration auf das Programmgeschäft wird, und das zeigen die Zahlen im Pandemiejahr, als zielführender erachtet und kommt allen Kundengruppen über ihre Hausbanken gleichermaßen zu Gute.

Iris Bethge-Krauß, Hauptgeschäftsführerin VÖB

"Globaldarlehen sind ein Förderinstrument, das in der Vergangenheit nur ausgewählte Förderbanken umgesetzt haben", so Bethge-Krauß. Dem Rückgang lägen deshalb förderpolitische Entscheidungen zu Grunde. "Eine Konzentration auf das Programmgeschäft wird, und das zeigen die Zahlen im Pandemiejahr, als zielführender erachtet und kommt allen Kundengruppen über ihre Hausbanken gleichermaßen zu Gute."

Für 2021 erwartet Bethge-Krauß nur eine geringe Normalisierung der Lage: "Auch 2021 sind die Förderbanken immer noch sehr stark gefordert." Dies sei nicht nur mit Blick auf die Pandemie so, denn Förderbanken seien nicht bloß Krisenhelfer.

Das Dicke Ende für die Banken kommt erst noch

"Sondern sie werden auch gefordert sein, wenn es darum geht, den nötigen Wiederaufschwung zu ermöglichen und die Transformation der Wirtschaft in Richtung Digitalisierung und Nachhaltigkeit voranzutreiben. Deshalb bleibt die Rolle der Förderbanken in 2021 – und darüber hinaus – zentral. Sie sind ein echter Standortvorteil", sagt Bethge-Krauß.

Sie sieht zudem das dicke Ende vor allem für die Banken noch kommen: "Ein Anstieg der notleidenden Kredite in den kommenden Monaten ist absehbar. Hinzu kommt das anhaltende Niedrigzinsumfeld, das die Ertragssituation der Banken unter Druck setzt." Die dreifache Herausforderung, bestehend aus Kreditausfällen, Niedrigzinsniveau und Trends müssten von den Instituten parallel gemeistert werden, warnt Bethge-Krauß.

Sie plädiert dafür, die erleichterten Kapital- und Liquiditätsanforderungen beizubehalten und mit einer Übergangsfrist zu belegen. Andererseits würde die Kreditvergabe enorm belastet.

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