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Gelockerte Regularien für Banken verschleiern tatsächliche Risiken in Bankbilanzen, warnen Leibniz-Ökonomen

In den zwei für die Studie analysierten Szenarien sinkt jeweils die Kernkapitalquote massiv, sodass die Forscher sich um die Finanzstabilität sorgen. Sie treten dafür ein, die Lockerungen der EZB zurückzunehmen, damit diese am Ende nicht das Gegenteil bewirken.

Bankenskyline von Frankfurt am Main | Foto: picture alliance/dpa | Boris Roessler

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat in der Corona-Krise den Kapitalpuffer der Banken freigegeben und Freiräume bei der Anwendung der Rechnungslegungsstandards gewährt. Die ergriffenen Maßnahmen zielen darauf ab, eine potenzielle Bankenkrise abzuwenden und die Wirtschaft zu stabilisieren. Einer neuen Studie zufolge könnten dadurch allerdings die tatsächlichen Risiken in den Bankbilanzen verschleiert werden.

Laut dem White-Paper der Rechts- und Finanzökonomen des Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung Safe in Frankfurt gilt es deshalb, die Aufsichtsstandards von vor Corona wieder zu etablieren. Durch die Maßnahmen verzerrte Zahlen und Kennziffern, wie sie durch die EZB-Maßnahmen entstehen, würden nicht nur Investoren verunsichern, sondern auch unterkapitalisierte Banken am Leben halten.

Der Bankenstresstest 2021 sollte dazu genutzt werden, alle Banken zu prüfen und ein realistisches Bild ihrer Vermögenslage zu vermitteln.

Rainer Haselmann, Professor für Finanzökonomie und Fellow des Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung Safe

"Schlecht kapitalisierte Banken werden kaum einen Beitrag für eine schnelle wirtschaftliche Erholung von der Krise leisten können", so Rainer Haselmann, Professor für Finanzökonomie und Safe-Fellow in einer Mitteilung, "Der Bankenstresstest 2021 sollte dazu genutzt werden, alle Banken zu prüfen und ein realistisches Bild ihrer Vermögenslage zu vermitteln."

In der im Auftrag des Europäischen Parlaments vorgelegten Analyse untersuchten die Autoren Rainer Haselmann und Tobias Tröger, wie sich die Kapitalausstattung von Banken ohne aufsichtliche Lockerungen entwickelt hätte. Dafür wurden 64 deutsche Bankbilanzen herangezogen und in einer Simulation zwei Rezessionsszenarien entworfen.

Zudem geben die Wissenschafter Empfehlungen ab, wann und wie die Unterstützung eingestellt werden sollte.

Vorbild USA

Das Ergebnis: Ein Rezessionsschock, ähnlich dem von der Finanzkrise im Jahr 2009 ausgelösten Einbruch, hätte zu einer niedrigen harten Kernkapitalquote (CET1-Quote) geführt, die zirka 16 Prozent der Bankbilanzen nicht gedeckt hätte. Die CET-1-Quote würde von 17,31 Prozent auf 11,07 Prozent schrumpfen.

Beim zweiten Szenario, welches noch gravierendere ökonomische Nachwehen der Pandemie annimmt, würde die Quote auf 8,46 Prozent sinken. Die Autoren plädieren deshalb für eine "schnellstmögliche" Rückkehr zu den aufsichtsrechtlichen Standards.

Während Banken, die nach der Coronakrise die Kapitalanforderungen nicht erfüllen können, abgewickelt werden müssten, sollten alle gesunden Banken unabhängig von ihrer Größe durch einen supranationalen, Corona-spezifischen Fonds rekapitalisiert werden. Als Vorbild schwebt den Forschern das US-amerikanische "Troubled Asset Relief Program" (TARP) vor.

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