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Sparkassen suchen nach dem Bonusfaktor

S-Cashback soll den Instituten neue Reichweite bringen, doch intern hadern viele noch mit dem Bonus-System: Nur 34 Banken hat die Geld-zurück-Idee bisher überzeugt. FinanzBusiness sprach mit der Kreissparkasse Märkisch-Oderland, die seit 1. April dabei ist.

Bottom-up-Marketing, sozusagen: Mit dieser Fußmatte können Händler ihren Kunden signalisieren, dass es bei ihnen einen Bonus gibt. | Foto: Kreissparkasse Märkisch-Oderland

Payback gilt mit seinen bundesweit rund 31 Mio. Nutzern seit Jahren als Erfolgskonzept – das die Sparkassen gerne kopieren würden: Vor gut zwei Jahren stellten sie mit S-Cashback ein eigenes Bonus-System vor und hofften regional auf Reichweite, zu der es aber nie recht kam. Laut Website ziehen bislang lediglich 34 der bundesweit insgesamt knapp 380 öffentlich-rechtlichen Institute mit.

Bonus-Newcomer in Brandenburg

Die Kreissparkasse Märkisch-Oderland war da lange keine Ausnahme. Erst seit Anfang April ist sie dabei und bewirbt die neue Bonus-Option nun bei Kunden und Händlern. Trotz Corona sei der Zeitpunkt ideal, meint Tilo Braun-Wangrin, Mitarbeiter im Bereich Event-Management und Marketing, im Gespräch mit FinanzBusiness: Weil man sowieso einzelne Kontomodelle vom Zuschnitt her habe verändern wollen, sei die Gelegenheit günstig gewesen, ganz generell noch einmal neu zu denken.

"Ohne die Preise zu erhöhen, können unsere Kunden bei allen fünf Kontomodellen jetzt Mehrwertleistungen nutzen, wobei S-Cashback aber nur ein Punkt unter vielen ist", sagt er. "Kunden erhalten über die S-Vorteilswelt auch Einkaufsgutscheine im Online-Banking, außerdem können einen Reiseservice nutzen und sparen Versandkosten bei Tickets für Konzerte, Kultur-, Sportveranstaltungen oder Musicals, bei zwei Kontomodellen lässt sich für 6,95 Euro pro Monat sogar ein Schutz fürs Smartphone buchen."

Geld-zurück als Strategie in der Kundenbindung

Das Institut knüpft daran ein strategisches Ziel: die Kundenbindung. Darüber hinaus soll es speziell bei S-Cashback auch darum gehen, der lokalen Wirtschaft unter die Arme zu greifen.

Da wir die Kontopreise nicht erhöht haben, ist S-Cashback wirklich ein Geschenk. Kunden können relativ schnell zu Erfolgen kommen und damit ihre Kontoführungsgebühren refinanzieren.

Tilo Braun-Wangrin, Eventmanagement und Marketing, Kreissparkasse Märkisch-Oderland

"Das gehört zu unserem Auftrag als Sparkasse", erklärt Braun-Wangrin. Im Grunde sei es eine typische Win-Win-Win-Situation, sowohl für die teilnehmenden Kunden und Händler als auch für die Bank selbst. Braun-Wangrin findet: "Da wir die Kontopreise nicht erhöht haben, ist S-Cashback wirklich ein Geschenk. Kunden können relativ schnell zu Erfolgen kommen und damit ihre Kontoführungsgebühren refinanzieren."

Die Sparkasse vermarktet ihr Bonus-Angebot in fünf Schritten:    

  • Firmen aus der Region. Im Unterschied zu Payback setzen die Sparkassen mit S-Cashback in erster Linie auf lokale Firmen – mit ihnen steht und fällt alles: Je vielfältiger der Mix, umso wahrscheinlicher ist es, dass Käufer die Bonus-Offerte nutzen. Die Sparkasse Märkisch-Oderland spricht u.a. Bäckereien an, Supermärkte, Friseure, Fußpfleger und Autowerkstätten, bis zum Sommer will sie mindestens 50 Unternehmen an Bord haben.
  • Händler-Aquise. Die beginnt im eigenen Kundenkreis, mitmachen können allerdings auch Firmen, deren Geschäftskonten nicht über die Sparkasse laufen. Die Sparkasse erhebt für die Teilnahme an S-Cashback laut Braun-Wangrin keine Gebühren – Händler zahlen für der Service nur ihren Bonus-Anteil. Unterstützt wird das Institut bei der Akquise von S-Markt & Mehrwert, jener Dienstleistungstochter der Sparkassen-Finanzgruppe, die das S-Cashback entwickelt hat.
  • Marketing. Die Sparkasse wirbt für die teilnehmenden Händler on- und offline und stellt ihnen auch kostenlos Marketingmaterial zur Verfügung. Geplant sind u.a. kurze Videos, die sich auf Social-Media-Känälen einsetzen lassen, es gibt Plakate, Fensteraufkleber, Abreißblöcke und "Lieblingsladen"-Fußmatten.
  • Reichweite. S-Cashback ist zwar regional ausgerichtet, würde ohne zu skalieren aber kaum auf die nötige Reichweite kommen. Deshalb gilt erstens: Bonus-Einkäufe sind nicht nur lokal möglich, sondern grundsätzlich bei allen Vor-Ort-Händlern, die S-Cashback einsetzen. Und zweitens sind rund 3.500 Händler mit ihren Webshops angeschlossen, die bundesweit arbeiten, zum Beispiel, Tchibo, Otto und Media Markt.
  • Bonus für Kunden. Wie viel Händler als Bonus zahlen, entscheiden sie selbst. Braun-Wangrin zufolge gewähren lokale Firmen meist zwischen 0,5 und drei Prozent, überregional seien auch Einkaufsvergütungen von bis zu sechs Prozent drin. Los geht es damit, sobald sie sich für S-Cashback mit ihrer Girocard oder ihrer Kreditkarte, online gilt die Bankverbindung, für den Service freigeschaltet haben. Bei der Sparkasse Märkisch-Oderland wäre das für rund 100.000 Kunden möglich.    

Wettbewerber Paycentive hat 40 Institute unter Vertrag

S-Cashback ist allerdings nicht das einzige Bonus-System, das im Sparkassen-Umfeld um Relevanz ringt – und war auch nicht das erste. Wettbewerber Paycentive, 2014 gestartet, liegt aktuell eine Nasenlänge voraus: Das Unternehmen konnte, wie berichtet, bis heute 40 Sparkassen mit gut 5,5 Millionen Girocard-Kunden und 5000 Händler unter Vertrag nehmen.   

Bonus-Fintech Paycentive nimmt weitere Sparkassen unter Vertrag 

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