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EZB-Direktorin Isabel Schnabel hält weitere Zinssenkungen für möglich

Die Notenbank beobachtet mit Sorge, dass Banken in der Corona-Krise ihre Kreditstandards verschärfen.

EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel. | Foto: picture alliance/Michael Kappeler/dpa

Den Banken und Sparkassen droht weiterer Gegenwind von der Europäischen Zentralbank (EZB). Das deutsche Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel hält weitere Zinssenkungen für denkbar. Das sagte sie in einem Interview mit dem Handelsblatt.

Schon seit geraumer Zeit zahlen Institute Strafzinsen von 0,5 Prozent, wenn sie Liquidität bei der Zentralbank parken. Diese Strafzinsen geben immer mehr Banken und Sparkassen in Form sogenannter Verwahrentgelte an die Kunden weiter.

Sorge über verschärfte Kreditstandards

Die EZB beobachte mit Sorge, dass die Banken ihre Kreditstandards in der Coronakrise wieder verschärfen – und will notfalls gegensteuern, damit der wirtschaftliche Aufschwung nicht gefährdet werde, sagte Schnabel dem Handelsblatt.

Eine Zinssenkung sei bei der nächsten Sitzung der Notenbank im Dezember durchaus eine Option, kündigte sie laut dem Handelsblatt an. "Unsere Analysen zeigen, dass eine weitere Senkung möglich wäre, ohne an den Punkt zu gelangen, an dem sie nicht mehr wirkt oder sogar schadet", zitiert die Zeitung die EZB-Direktorin.

Einlagenzins bislang unangetastet

Auf ihrer November-Sitzung hatte die EZB angekündigt, ihre geldpolitischen Mittel zu überprüfen. Bislang hat die Notenbank die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie mit dem 1,35 Billionen Euro schweren Anleihekauf-Notprogramm PEPP bekämpft, auf Zinssenkungen aber verzichtet.

Banken erwarten Aufstockung des PEPP-Volumens um 500 Milliarden Euro

Die Ertragssituation der Banken ist aufgrund der seit 2016 andauernden ultralockeren Geldpolitik der EZB ohnehin schon angespannt.

Das hat auch konkrete Auswirkungen auf die Mitarbeiter in deutschen Sparkassen. In der vor eineinhalb Wochen beendeten Lohnrunde für den öffentlichen Dienst mussten sie Einschnitte bei der Sparkassensonderzahlung hinnehmen und vollziehen Gehaltsanpassungen später als andere Berufsgruppen im öffentlichen Dienst.

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