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Datenleck in US-Finanzministerium enthüllt Defizite bei Geldwäsche-Bekämpfung

Die am Wochenende von einem Journalisten-Netzwerk veröffentlichten Informationen, zeigen nach Angaben der beteiligten Medien, dass Banken aus aller Welt über Jahre hinweg Geschäfte mit hochriskanten Kunden abgewickelt haben.

Ein Datenleck hat Geldwäsche bei Banken aufgedeckt. | Foto: picture alliance/SULUPRESS.DE

Im Kampf gegen internationale Geldwäsche gibt es nach Recherchen eines internationalen Journalisten-Netzwerks nach wie vor erhebliche Defizite. Demnach offenbaren die am Sonntagabend bekannt gemachten Informationen aus einem Datenleck des US-Finanzministeriums, dass Banken aus aller Welt über Jahre hinweg Geschäfte mit hochriskanten Kunden abgewickelt und trotz strenger Regularien mutmaßliche Kriminelle als Kunden akzeptiert und für diese Überweisungen in Milliardenhöhe ausgeführt hätten.

Gemeldet haben sie diese Vorgänge den Angaben zufolge mitunter nur sehr zögerlich und zum Teil mit jahrelanger Verspätung.

Über 2000 Verdachtsmeldungen

Insgesamt handelt es sich nach Angaben der beteiligten Medien um mehr als 2100 Geldwäsche-Verdachtsmeldungen aus den Jahren 2000 bis 2017. Die Gesamtsumme der Transaktionen liege bei etwa zwei Billionen US-Dollar (aktuell 1,69 Bill. Euro).

Dies sei das Ergebnis einer gemeinsamen Recherche mehrerer Medien-Partner, die unter dem Namen "FinCEN-Files" veröffentlicht wurde. Das US-Onlinemedium Buzzfeed News habe die Unterlagen mit dem Journalisten-Netzwerk ICIJ (International Consortium of Investigative Journalists) geteilt und so eine Recherche von 110 Medien aus 88 Ländern ermöglicht.

In Deutschland waren NDR, WDR, Süddeutsche Zeitung und Buzzfeed News beteiligt.

Grüne kritisieren Banken als unglaubwürdig

Die Grünen im Europaparlament kritisierten die aufgedeckten Defizite: "Es ist skandalös, dass internationale Großbanken auch nach der globalen Finanzkrise Geldwäsche in großem Stil zulassen", sagte der wirtschafts- und finanzpolitische Sprecher der Fraktion, Sven Giegold. Alle Versprechen der Banken, die Finger von kriminellem Geld zu lassen, seien spätestens jetzt unglaubwürdig.

Interessant dürfte vor allem sein, wann genau welche der beteiligten Banken zuletzt fragwürdige Geschäfte gemacht hat.

Sven Giegold, wirtschafts- und finanzpolitische Sprecher der Fraktion Die Grünen

Die Grünen werden Giegold zufolge im neuen Steuer-Ausschuss des Europaparlaments eine Auswertung und eine Anhörung zu dem Datenleck auf den Weg bringen.

"Interessant dürfte vor allem sein, wann genau welche der beteiligten Banken zuletzt fragwürdige Geschäfte gemacht hat", sagte der Finanzpolitiker.

Auch in Deutschland müsse die große Zahl an Geldwäscheskandalen wirksame Konsequenzen haben. Die beim Zoll angesiedelte FIU müsse schlagkräftiger werden. Das verschärfte Unternehmenssanktionsrecht müsse zügig ohne weitere Verwässerungen beschlossen werden, forderte Giegold. Alle Bundesländer müssten die zuständigen Polizeibehörden und Staatsanwaltschaften stärken: "Die strengsten Gesetze sind nichts wert, wenn die Strafverfolgungsbehörden ausgehungert werden."

Geldwäsche-Verdachtsfälle in Deutschland erreichen Rekordniveau

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