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Ex-Wirecard-Chef hat 35 Mio. Euro geliehen - bei der Banktochter des Konzerns

Im Januar hat der ehemalige CEO des insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard, Markus Braun, einen Millionenkredit aufgenommen: bei der Wirecard Bank.

Markus Braun als er noch CEO von Wirecard war - im Januar 2020 auf der DLD Conference in München | Foto: picture alliance

Der mittlerweile zurückgetretene Vorstandschef Markus Braun hat in den ersten Jahresmonaten bei der Banktochter des mittlerweile insolventen DAX-Konzerns einen Kredit in Höhe von 35 Mio. Euro in Anspruch genommen. Das Darlehen sei aufgenommen worden, "um eine Verwertung von Aktien durch eine (dritte) Bank zu vermeiden", teilte eine Anwältin von Braun am Donnerstag auf Anfrage mit. Zuvor hatte die "Financial Times" ("FT") über den Millionenkredit Brauns aus dem eigenen Hause berichtet.

Rückzahlung im März, Rücktritt im Juni

Braun war mit seiner MB Beteiligungsgesellschaft lange Zeit der größte Einzelaktionär des Wirecard-Konzerns. Nachdem der Konzern wegen eines fehlenden Testats durch den Wirtschaftsprüfer EY am 18. Juni keinen Jahresabschluss für das Jahr 2019 vorlegen konnte und damit einen der größten Bilanzskandale in Deutschland auslöste, trat Braun am 19. Juni als Vorstandsvorsitzender zurück, später kündigte der Konzern seinen Anstellungsvertrag außerordentlich.

Knapp eine Million Euro an Zinsen

Nach seinem Rücktritt verkaufte Braun mit dem Kurssturz nach und nach den größten Teil seiner Aktien, laut Stimmrechtsmitteilungen auch, um Kreditverpflichtungen bei Banken nachzukommen, bei denen solche Aktien als Sicherheit hinterlegt waren.

Den in Frage stehenden Kredit bei der konzerneigenen Wirecard Bank nahm Braun im Januar in Anspruch, im März zahlte er ihn den Angaben seiner Anwältin zufolge zurück. Demnach war der Kredit mit einem Zinssatz von 12,55 Prozent versehen - Braun zahlte für den Zeitraum von zweieinhalb Monaten 963.909,72 Euro Zinsen. Aktien der Wirecard AG selbst seien für den Kredit bei der Tochter nicht hinterlegt worden.

Der "FT" zufolge hatte es mit dem Aufsichtsrat Knatsch um den Kredit gegeben, weil das Aufsichtsgremium erst im Nachhinein von dem gewährten Darlehen erfahren haben soll - dabei beruft sich die Zeitung auf direkt mit der Angelegenheit Beteiligte. Braun bestreitet über seine Anwältin, dass der Kredit wegen eines Streits mit den Kontrolleuren zurückgezahlt wurde.

"Das Darlehen wurde wie vereinbart und ohne, dass wie auch immer gearteter Druck ausgeübt wurde, im März 2020 zurückgeführt", hieß es in einer Stellungnahme.

Braun habe nicht argumentiert, dass der Aufsichtsrat der Wirecard AG nicht für die Darlehensvergabe zuständig sei. "Dr. Braun war lediglich Antragsteller; er war an der Beschlussfassung über die Gewährung des Kredits nicht beteiligt. Er geht davon aus, dass die formalen Voraussetzungen für die Kreditbewilligung eingehalten wurden."

Zur Zeit des Kredits stand das Wirecard-Management bereits stark unter Druck.

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