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Fed bleibt bei Nullzins und warnt vor Corona

Die Erholung der Wirtschaft wird in hohem Maß davon abhängen, wie sich die Pandemie entwickelt, sagt Fed-Chef Powell. Die Notprogramme der Notenbank bleiben solange aktiv.

Jerome Powell (Archivbild vom März 2020) | Foto: picture alliance/AP Photo

Die US-Notenbank Federal Reserve behält ihre Nullzinspolitik bei. Der Leitzins bleibt in einer Spanne von null bis 0,25 Prozent. Dies teilte die Fed, wie von Volkswirten erwartet, am Mittwoch (29. Juli) nach ihrer Zinssitzung in Washington mit.

Die Notenbank wolle die Zinsen so lange niedrig lassen, bis die US-Wirtschaft die aktuelle Corona-Krise überwunden habe, hieß es. Man werde bis dahin alle Instrumente nutzen um die Wirtschaft zu stützen.

Der Verlauf der Wirtschaft wird in sehr großem Ausmaß vom Verlauf des Virus abhängen.

Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Fed

Fed-Chef Powell wenig optimistisch

Die Fed hatte den Leitzins nach dem Übergreifen der Corona-Krise auf die USA im März in zwei großen Schritten auf fast 0 Prozent gesenkt. Anfang März hatte er noch zwischen 1,50 und 1,75 Prozent gelegen.

"Der Verlauf der Wirtschaft wird in sehr großem Ausmaß vom Verlauf des Virus abhängen", sagte Notenbankchef Jerome Powell. Die Corona-Krise belaste das Wirtschaftswachstum, die Inflation und den Arbeitsmarkt auf mittlere Sicht schwer. Die Wirtschaft habe sich in den vergangenen Monaten zwar etwas erholt. Die Aktivität liege aber immer noch unter dem Niveau vom Jahresbeginn.

Notprogramme so lange wie nötig

Powell warnte, ohne eine Eindämmung des Virus sei eine vollständige wirtschaftliche Erholung "unwahrscheinlich". Die gegenwärtige Wirtschaftskrise sei die schwerste seit Jahrzehnten, sagte er. Die Fed werde ihre Notprogramme daher für die Dauer der Krise weiterführen, um sicherzustellen, dass sich die Wirtschaft "so bald wie möglich" wieder erholen werde.

Es brauche womöglich auch weitere fiskalische Unterstützung, sagte Powell - ganz offenbar in Anspielung auf die laufenden Verhandlungen im US-Kongress für ein weiteres Konjunkturpaket.

Die bisherige Reaktion der Fed auf die Corona-Krise sind beispiellos und stellt selbst ihr Eingreifen in der Finanzkrise in den Schatten. Neben Zinssenkungen wurden Wertpapierkäufe in bisher ungekanntem Ausmaß getätigt und zahlreiche Kreditprogramme zur Stützung der Wirtschaft aufgelegt.

Deutsche Stimmen zur US-Zinsentscheidung

Deutsche Ökonomen reagierten auf die Zinsentscheidung der Fed mit Zustimmung. So schrieb Christian Scherrmann, Volkswirt bei der DWS: "Die Fed befindet sich in einer sehr komfortablen Position. Die Märkte haben verstanden, dass der geldpolitische Kurs akkommodierend bleiben wird, um die eben begonnene Erholung nach Kräften zu unterstützen. Auch ist es nicht an der Zeit, die Märkte mit kryptischen Hinweisen zu verwirren, wann und wie die Geldpolitik sich ändern wird. Wir haben sehr wohl verstanden, dass solide finanzielle Rahmenbedingungen von höchster Bedeutung sind und dass die Fed das Tempo ihrer Ankäufe anpassen wird, sollten sich weitere Risiken abzeichnen."

Die Märkte haben verstanden, dass der geldpolitische Kurs akkommodierend bleiben wird, um die eben begonnene Erholung nach Kräften zu unterstützen.

Christian Scherrmann, Volkswirt bei der DWS

Uwe Burkert, Chefvolkswirt und Leiter von LBBW Research bei der Landesbank Baden-Württemberg erklärte: "Ein Nachlassen in der Unterstützung für die US-Konjunktur kommt auf absehbare Zeit nicht in Frage, auch wenn sich die wirtschaftlichen Rahmendaten in den vergangenen Wochen verbessert haben, denn die jüngste Zuspitzung der Corona-Lage verdeutlicht die Gratwanderung bei der Wiederbelebung der Konjunktur. Zugleich sind die US-Währungshüter wohl auch noch nicht so weit, konkretere oder verschärfte Leitplanken für den mittelfristigen Kurs der Geldpolitik via einer Anpassung ihrer Forward Guidance zu setzen."

USA vom Virus stark betroffen

Derzeit werden in den USA täglich rund 60.000 Neuinfektionen gemeldet. Insgesamt gibt es Daten der Universität Johns Hopkins zufolge inzwischen knapp 4,4 Millionen bestätigte Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 und fast 150.000 damit verbundene Todesfälle.

Die Arbeitslosenquote in den USA lag im Juni bei 11,1 Prozent. Vor der Pandemie hatte sie noch niedrige 3,5 Prozent betragen.

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