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Meinungen zum weiteren Kurs der EZB gehen auseinander

Vor der EZB-Sitzung am heutigen Donnerstag sind sich die Fachleute verschiedener Banken uneins über den Ausgang der nächsten EZB-Sitzung. Zusätzliche Wertpapierkäufe scheinen ähnlich wahrscheinlich wie die Möglichkeit, erstmal Ruhe zu bewahren

EZB-Präsidentin Christine Lagarde | Foto: picture alliance / Sven Simon

Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte ihre massive Krisenintervention schon auf der geldpolitischen Sitzung an diesem Donnerstag ausweiten. Das halten zumindest einige Bankökonomen für denkbar, wobei es sich jedoch um eine Minderheitsmeinung handeln dürfte.

Demnach könnte die Zentralbank ihre auf die Corona-Krise zielenden Wertpapierkäufe erhöhen. Denn beim jetzigen Tempo der Käufe sehen einige Fachleute das Volumen als nicht ausreichend an.

Geschätztes monatliches Kaufvolumen von 100 Mrd. Euro

Mitte März hatte die EZB neue Wertpapierkäufe für 750 Mrd. Euro angekündigt, um damit die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abzufedern. Mit dem Programm namens PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme), das bis Jahresende laufen soll, sollen unter anderem Staats- und Unternehmensanleihen gekauft werden. Das Programm ergänzt bereits bestehende Kaufprogramme der Notenbank.

Fachleute schätzen das monatliche Kaufvolumen der EZB derzeit auf deutlich über 100 Mrd. Euro. Das Frankfurter Bankhaus Metzler hält daher eine Erhöhung des PEPP-Volumens um 500 Milliarden auf 1,25 Billionen Euro schon jetzt für denkbar. Die DekaBank hält darüber hinaus eine zeitliche Ausweitung über das Jahresende hinaus für möglich.

Experten uneins

Ausgemacht sind derartige Schritte aber nicht. Ebenso gut ist es durchaus möglich, dass die Zentralbank - bis auf kleinere Änderungen - erstmal still hält. Denn die Notenbank hat ihre Geldpolitik infolge der Corona-Krise bereits extrem stark gelockert. Neben neuen Geldspritzen für die Geschäftsbanken sind insbesondere Lockerungen in ihrer Sicherheitenpolitik zu nennen.

Unter anderem nimmt die EZB jetzt Wertpapiere als Sicherheiten entgegen, deren Rating infolge der Corona-Pandemie in den Ramschbereich fällt und somit eigentlich nicht mehr den Mindeststandards der Notenbank genügt. An den Märkten gibt es daher Spekulationen, dass die EZB derartige Wertpapiere auch im Rahmen ihres Kaufprogramms für Unternehmensanleihen erwerben könnte - was sie bisher nicht tut.

EZB-Experte Carsten Brzeski von der Bank ING schließt geldpolitische Änderungen an diesem Donnerstag zwar nicht aus, erwartet diese aber eher nicht. Der kurzfristige Wirtschaftseinbruch wird von Analysten im zweistelligen Prozentbereich gesehen. Selbst auf das ganze Jahr betrachtet, wird eine ähnlich starke wirtschaftliche Schrumpfung für möglich gehalten.

Fehltritte vermeiden

Was viele EZB-Beobachter erwarten, sind sehr klare Ansagen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Nicht nur dürfte sie abermals für fiskalischen Zusammenhalt in der Eurozone und der Europäischen Union werben.

Auch dürfte sie kommunikative Fehltritte wie bei der Pressekonferenz im März zu vermeiden suchen. Damals hatte sie auf Rückfrage erklärt, die EZB sei nicht dafür zuständig, Zinsunterschiede im Währungsraum einzuebnen. Italienische Staatsanleihen waren in der Folge erheblich unter Druck geraten.

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