Haspa-Chef fordert Bundesregierung auf, sich für den Wegfall von Strafzinsen einzusetzen

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank trifft deutsche Sparer überproportional hart, argumentiert Harald Vogelsang - in anderen Ländern gebe es einen höheren Aktien- und Immobilienbesitz.
Haspa-Vorstandssprecher Harald Vogelsang in einer Filiale | Foto: picture alliance / Daniel Bockwoldt/dpa
Haspa-Vorstandssprecher Harald Vogelsang in einer Filiale | Foto: picture alliance / Daniel Bockwoldt/dpa

Der Vorstandssprecher der Hamburger Sparkasse (Haspa) sieht bei der Abschaffung von Negativzinsen die neue Bundesregierung in der Pflicht. Das sagte der Chef von Deutschlands größter Sparkasse in einem Interview mit der Börsen-Zeitung.

"Ich habe die Erwartung, dass die Bundesregierung sich auf europäischer Ebene dafür einsetzt, dass die Strafzinsen wegfallen", sagte Vogelsang der Börsen-Zeitung.

Deutsche Sparer seien durch die ultralockere Geldpolitik europaweit am stärksten getroffen, "weil es in anderen Euro-Ländern höhere Anteile von Immobilien- und Aktienbesitzern gibt", argumentiert der Haspa-Chef.

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Die EZB-Geldpolitik habe der Bundesregierung seit 2010 zwar 210 Mrd. Euro an Schuldendienst eingespart. Diese Summe fehle den deutschen Sparern aber jetzt bei der privaten Altervorsorge, so Vogelsang.

Effekt wegfallender Strafzinsen "wäre, dass wir wesentlich stressfreier mit den Kunden sprechen könnten. Die Kunden würden mehr aus Überzeugung bessere Vorsorgegespräche mit uns führen. Heute tun sie es in Teilen aus der Not heraus - bis hin zur irrationalen Vorgehensweise, dass sie Geld abheben und ins Schließfach legen, nur um Strafzinsen auszuweichen", sagte Vogelsang der Börsen-Zeitung.

60 Mio. Euro an Risikovorsorge für 2022

In dem Interview kündigte Vogelsang auch an, dass die Haspa im kommenden Jahr 60 Mio. für die Kreditvorsorge zurückstellen zu wollen. "Das ist etwas weniger als die Summe, die wir für das laufende Jahr eingeplant hatten, die wir aber nicht ansatzweise benötigen. Wir rechnen zum Jahresende mit etwa 20 Mio. Euro.

Die Haspa hat sich als eine der letzten deutschen Sparkassen entschlossen, künftig das Kernbanksystem des zentralen Sparkassen-IT-Dienstleisters FI zu nutzen.

Die mit Kosten von 145 Mio. Euro verbundene Migration wird sich aber noch voraussichtlich bis 2025/26 hinziehen, "länger als ursprünglich erwartet. Das liegt nicht an uns, sondern an den Rahmenbedingungen. Die überbordenden regulatorischen Anforderungen führen zu Verzögerungen", so Vogelsang im Interview.

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