FinanzBusiness

Verbände: Betrüger haben bei N26 die besten Karten

Sowohl der bayrische Genossenschaftsverband als auch der dortige Sparkassenverband machen der Neobank heftige Vorwürfe. Im Gespräch mit FinanzBusiness ist von mehreren Tausend Betrugsfällen die Rede, die über N26 laufen sollen. Die Neobank selbst sei für die Banken kaum zu erreichen, so die Kritik.

Ulrich Reuter, Präsident des Sparkassenverbands Bayern und Jürgen Gros, Präsident des bayerischen Genossenschaftsverbands | Foto: Sonja Ingerl

Betrüger, die bei N26 ein Konto führen, werden für den bayrischen Genossenschaftsverband und den Sparkassenverband Bayern zum großen Problem. Ist das Geld ersteinmal bei N26, sei es in der Regel weg, heißt es aus dem Verband.

Brandbrief an die BaFin

In dieser Woche hatte sich der Bayerischen Genossenschaftsverband mit einem Brandbrief an die BaFin gewandt, denn Betrüger, die Kunden bayerischer Volks- und Raiffeisenbanken geprellt haben, besitzen laut dem Schreiben überproportional häufig Konten bei N26. Es schlechten Strukturen und Sicherheitsstandarts dort seien nicht länger hinnehmbar. Der Schaden soll in die Millionen gehen.

Geld kaum wiederzubekommen

Wie sich die Kunden fühlen, kann Jürgen Gros, Präsident des bayerischen Genossenschaftsverbands aus eigener Erfahrung nachvollziehen: "Ich erinnere mich vor vielen Jahrzehnten, da war ich selbst einmal Opfer eines Betrugfalls, als hier in München mal reihenweise Überweisungsträger aus den Briefkästen gefischt wurden." Mitten in der Bauphase seines Hauses habe er dann gesehen, dass das Geld für die Handwerker nicht mehr auf dem Konto war.

"Dann wird Ihnen mulmig", erzählt er im Gespräch mit FinanzBusiness. "Ich habe damals Glück gehabt, ich habe das Geld wiederbekommen. Aber hier sind wir in einer Situation, wo wir noch nicht mal einen Ansprechpartner haben. Es gab Fälle, wo Geld zurückgeholt werden konnte, aber das sind die sehr geringen Fälle und auch betrugsmäßig Fälle, die in keinem Verhältnis zum Gesamtvolumen stehen."

Selbst wenn Sie oldschool versuchen per Fax zu agieren läuft das ins Leere.

Jürgen Gros, Präsident des bayerischen Genossenschaftsverbands

Das Hauptproblem: Die N26 Bank stelle sich tot. Ansprechpartner bei N26 zu bekommen, ist laut Gros extrem schwierig. "Idealerweise bekommen Sie in so einem Fall gleich jemanden ans Telefon über die einschlägigen Telefonnummern. Das gestaltet sich bei N26 aber als extrem schwierig, dass dort überhaupt jemand den Telefonhörer abhebt", sagt er.

"Dabei ist das für eine Bank ja eigentlich der Kern des Geschäftsmodells. Das ist schon mal bezeichnend." Auch auf Mails gebe es keine Antwort. "Selbst wenn Sie oldschool versuchen, per Fax zu agieren, läuft das ins Leere."

Flächendeckendes Phänomen

Dann wird Gros konkret: "In 40 Prozent unserer Banken sind Schadensfälle aufgetreten". Der Schaden reiche im Einzelfall bis ins Sechsstellige. Auf die Zahl, wie viele Einzelkunden betroffen sind, geht Gros nicht ein, spricht aber von einem flächendeckenden Phänomen, das auch die Sparkassen betreffe.

Vor zwei Wochen hatte der Genossenschaftsverband eine Erhebung für Bayern durchgeführt, in der 400 Fälle ans Licht kamen. "Ich würde aber sagen, das ist die Spitze des Eisbergs", berichtet Gros. Denn bei Umfragen würden sich nicht immer alle melden, somit sei das jetzt keine repräsentative Erhebung gewesen, zeige aber, "dass wir da ein gewaltiges Problem haben." Und weiter: "Ich würde mal sagen, aus dem Handgelenk hochgerechnet haben wir auf jeden Fall über die vergangenen Monate eine Betrugsdichte von wahrscheinlich mehreren Tausend Fällen."

Je nach Konstellation bleiben wir oder die Kunden auf dem Schaden sitzen.

Jürgen Gros, Präsident des bayerischen Genossenschaftsverbands

Reuter, Präsident des Sparkassenverbands Bayern, spricht ebenfalls von mehreren Tausend Fällen. Der Sparkassenverband habe eine Erhebung auf Bundesebene durchgeführt. "90 Prozent der Institute haben auffällige Zahlen gemeldet", sagt er.

"Das ist für Kunden natürlich dramatisch, wenn sie auf ihr Konto gucken und Beträge von mehreren tausend Euro nicht mehr auf dem Konto haben", sagt Gros. "Es geht dann um Stunden." Sobald das Geld auf dem Zielkonto sei, sei der Zugriff des Kontoinhabers dort möglich. Werde das Konto dann nicht schnell gesperrt, sei das Geld weg. "Und da das meistens fingierte Konten sind, ist es schwer, den Tätern auf die Spur zu kommen. "Je nach Konstellation bleiben wir oder die Kunden auf dem Schaden sitzen."

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