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Hamburg Commercial Bank hat im ersten Halbjahr ihren Vorsteuergewinn mehr als verdoppelt

Die privatisierte Landesbank übertrifft ihre eigenen Erwartungen und legt ein gutes Fundament für ihren Eintritt in den freiwilligen Einlagensicherungsfonds des BdB.

Stefan Ermisch, CEO der Hamburg Commercial Bank | Foto: picture alliance/dpa | Markus Scholz

Die Hamburg Commercial Bank (HCOB) hat in den ersten sechs Monaten ihres letzten Transformationsjahres ihren Gewinn deutlich gesteigert. Dies teilte die privatisierte ehemalige HSH Nordbank am Donnerstag mit.

Vor Steuern gelang es der HCOB, ihr Ergebnis auf 168 Mio. Euro mehr als zu verdoppeln, im Vorjahreszeitraum betrug es noch 71 Mio. Euro. Ursächlich dafür war den Angaben zufolge insbesondere ein rentableres operatives Geschäft und ein positives Fair-Value-Ergebnis, eine Rolle spielten zudem spürbare Kostensenkungen sowie im geringeren Umfang Auflösungen in der Risikovorsorge.

Nach Steuern verbesserte sich das Ergebnis auf 194 Mio. Euro nach 4 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum, und lag damit bereits über dem für das Gesamtjahr prognostizierten Wert, so die Bank in ihrer Mitteilung.

Fokus auf profitables Geschäft

Im Zuge ihrer Restrukturierung fokussiert sich die HCOB auf profitables und skalierbares Geschäft und nimmt dafür auch eine Verkleinerung ihrer Bilanzsumme in Kauf.

Tragende Säule des Gesamtertrages von 338 (Vj: 280) Mio. Euro ist aber nach wie vor der Zinsüberschuss, der 269 Mio. Euro beitrug. Die HCOB spricht von deutlich verbesserten Netto-Zinsmargen im Zuge gesunkener Refinanzierungskosten.

Kostenmäßig ist die HCOB weiterhin auf Sparkurs. Den Angaben zufolge ging der Verwaltungsaufwand um 15 Prozent auf 153 Mio. Euro zurück. Treiber der Kostensenkung sei die Reduzierung der Mitarbeiterzahl, erklärt das Institut. So verringerte sich die Anzahl der Vollzeitarbeitskräfte (VAK) gegenüber dem 31.12.2020 um 175 und lag mit 947 VAK erstmalig unter der Tausendermarke - die Personalkosten reduzierten sich um 22 Prozent auf 68 Mio. Euro.

Der Sachaufwand sank sich durch Einsparungen im laufenden Betrieb leicht um 8 Mio. Euro auf 82 Mio. Euro, trotz zugleich fortgesetzter hoher Investitionen in die IT und den digitalen Wandel, so das Institut.

Weitere Effizienzmaßnahmen

Die Cost-Income-Ratio belief sich auf 45 Prozent und lag damit drei Punkte höher als zum Jahresende 2020. Sie sei erheblich durch Einmaleffekte, insbesondere Veräußerungsgewinne aus Immobilien, geprägt gewesen. Um den angestrebten Zielkorridor von 40 bis 42 Prozent sicherzustellen, seien im ersten Halbjahr weitere Effizienzmaßnahmen auf den Weg gebracht worden.

Sorgen um mögliche Kreditausfälle macht sich die HCOB nicht. Die Risikovorsorge hat im ersten Halbjahr mit einer Nettoauflösung von 22 (Vj: -94) Mio. Euro positiv zum Konzernergebnis beigetragen. Im Zuge einer sich aufhellenden konjunkturellen Entwicklung und einer verbesserten Portfolioqualität reduzierten sich Wertberichtigungen für die Stufen 1 und 2, wodurch Neubildungen für die Stufe 3 überkompensiert wurden, heißt es. Die NPE-Quote (Non Performing Exposure) habe mit 1,9 Prozent nur minimal über den 1,8 Prozent zum Jahresende 2020 gelegen.

Der bis heute einmalige Umbau einer Landesbank zu einer privaten Geschäftsbank war und ist ein enormer Kraftakt. Die gesamte HCOB, alle Mitarbeiter:innen, haben hier ausgezeichnete Pionierarbeit geleistet.

Stefan Ermisch, CEO der Hamburg Commercial Bank

"Der bis heute einmalige Umbau einer Landesbank zu einer privaten Geschäftsbank war und ist ein enormer Kraftakt. Die gesamte HCOB, alle Mitarbeiter:innen, haben hier ausgezeichnete Pionierarbeit geleistet. Wir haben sämtliche, stets klar kommunizierte Meilensteine unserer strategischen Neuausrichtung entlang einer engen Zeitleiste erreicht und in allen Bereichen sichtbare Fortschritte erzielt", sagte CEO Stefan Ermisch in einer Mitteilung.

Für das Gesamtjahr rechnet die HCOB jetzt mit einem Ergebnis nach Steuern von mehr als 250 Mio. Euro - 50 Mio. Euro mehr als noch im Mai prognostiziert. Die Bank setzt aber den Vorbehalt, dass nicht vorhersehbare Effekte - beispielsweise aus der fortgesetzten Transformation, dem Verlauf der COVID-19-Pandemie oder aufgrund veränderter Beiträge zum Abwicklungsfonds oder der Einlagensicherung - einen Strich durch die Rechnung machen.

Die privatisierte Landesbank will zum Jahreswechsel in den freiwilligen Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken eintreten.

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