FinanzBusiness

"Am Anfang war das WLAN ein großer Stolperstein", sagt Kai Schäfer

Der Controller der Volksbank Mittelhessen muss auch nach der Pandemie nicht mehr werktäglich in die Bank. Im Interview mit FinanzBusiness schildert er die Vorteile des Home-Office und warum sie für ihn die Nachteile überwiegen.

Kai Schäfer | Foto: picture alliance / Wolfram Steinberg / Volksbank Mittelhessen

Jeden Werktag ins Büro fahren. Für Kai Schäfer gehört das der Vergangenheit an. Mindestens einmal pro Woche muss er aber auch in Zukunft noch von seinem Wohnort in das rund zehn Kilometer entfernte Gießen fahren, wo sein Arbeitgeber, die Volksbank Mittelhessen, ihren Sitz hat.

Das nach Bilanzsumme elftgrößte genossenschaftliche Institut Deutschlands hat jetzt eine Betriebsvereinbarung getroffen. Kern: Auch nach der Pandemie haben die Angestellten das Recht, von zu Hause aus zu arbeiten, bis zu vier Tage in der Woche.

Volksbank Mittelhessen lässt Angestellte auch von zu Hause arbeiten

Was Schäfer davon hat? Zumindest schon mal 45 Minuten mehr Schlaf am Morgen und deutlich mehr Lebensqualität, schildert der 48-jährige Controller im Gespräch mit FinanzBusiness.

"Früher bin ich um 6.15 Uhr aufgestanden. Für die Autofahrt in die Bank habe ich im Berufsverkehr durchaus 20 Minuten gebraucht, manchmal sogar länger", schildert er. Heute steht Schäfer an seinen Home-Office-Tagen um 7 Uhr morgens auf. 45 Minuten später klappt er seinen Rechner hoch und beginnt seinen Arbeitstag - immer, wenn er von zu Hause arbeitet.

Für mich ist es wichtig, einen strukturierten Arbeitsablauf beizubehalten.

Kai Schäfer, Controller in der Volksbank Mittelhessen

"Für mich ist es wichtig, einen strukturierten Arbeitsablauf beizubehalten", sagt er im Interview mit FinanzBusiness.

Ebensowichtig ist für Schäfer, der bereits seit 20 Jahren für die Volksbank Mittelhessen arbeitet, auch die Balance zwischen Arbeit und Freizeit. "Ich treibe zweimal die Woche Sport. Das ist einfacher, wenn ich von zu Hause starte, als wenn ich erst einmal aus der Bank nach Hause fahren muss. Dann kann es passieren, dass ich mich doch mal nicht aufraffen kann", schildert er.

Neben der Zeitersparnis sieht Schäfer weitere Vorteile: Er sei flexibler, etwa wenn an seinem Wohnort mal ein Artzttermin ansteht und nicht zuletzt: "Es ist positiv für die Umwelt, wenn unsere Mitarbeiter nicht mehr jeden Tag ins Büro fahren müssen." Der Controller arbeitet auch an Nachhaltigkeitsberichten, das Thema Umweltschutz liegt ihm persönlich am Herzen.

Natürlich gehört Selbstdisziplin dazu. Ich klappe um 16.30 Uhr meinen Rechner zu. Und ich fahre ihn auch nicht um acht Uhr abends noch mal hoch, um zu schauen, ob eine E-Mail reingekommen ist.

Kai Schäfer, Controller in der Volksbank Mittelhessen

Aber besteht im Home-Office nicht die Gefahr, sich selbst auszubeuten, länger zu arbeiten, als eigentlich vereinbart? "Davon habe ich gelesen, nachvollziehen kann ich die Bedenken nicht. Natürlich gehört Selbstdisziplin dazu. Ich klappe um 16.30 Uhr meinen Rechner zu. Und ich fahre ihn auch nicht um acht Uhr abends noch mal hoch, um zu schauen, ob eine E-Mail reingekommen ist. Das erwartet bei uns bei der Bank auch niemand", schildert er FinanzBusiness.

Also ist es im Home-Office viel schöner als im Büro? "Na ja, am Anfang war das WLAN schon ein großer Stolperstein", berichtet Fischer, mittlerweile ist der zur Seite geräumt, das Problem gelöst. Und auch negative Auswirkungen auf den Teamzusammenhalt und schwierigere Abstimmungsprozesse hat der Controller als Home-Office-Probleme identifiziert.

Virtuelle Kaffeepause

"Das haben wir gelöst. Einmal pro Woche halten wir eine Bereichssitzung per Videochat ab, in der fachliche Dinge diskutiert werden. Ebenfalls einmal pro Woche aber auch eine virtuelle Kaffeepause, in der wir Sozialkontakte pflegen", berichtet Schäfer, wie die Volksbank Mittelhessen diese Themen angeht. "Letztlich ist es aber auch eine gute Sache, dass wir alle einen Tag in der Woche in der Bank sind und uns auch persönlich austauschen können", ist er überzeugt.

Nun kann sich bei weitem nicht jeder der rund 1300 Mitarbeiter der Volksbank Mittelhessen aussuchen, von wo er arbeiten will. Wer in einer Filiale arbeitet, muss auch weiterhin dort erscheinen. Missgunst nimmt Schäfer trotzdem nicht wahr. "Im Bereich Finanzen, wo auch das Controlling angesiedelt ist, gibt es auch Mitarbeiter der Hauptkasse, die können natürlich nicht aus dem Home-Office arbeiten. Neid oder schlechte Stimmung gibt es deswegen nicht", schildert Schäfer.

Keine störenden Flurgespräche

Es habe schon während der Pandemie Mitarbeiter gegeben, die trotzdem lieber in der Bank arbeiten wollten, sagt er. Seine Entscheidung steht zumindest fest: Er nimmt das Angebot seines Arbeitgebers, von zu Hause aus zu arbeiten, gerne an. "Für mich überwiegen die Vorteile. Ich kann zu Hause auch konzentrierter arbeiten. Der Geräuschpegel ist geringer, es gibt auch keine in manchen Momenten störenden Flurgespräche. Im Home-Office bin ich produktiver", so Schäfer im Interview mit FinanzBusiness.

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