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Sparkassenpräsident erwartet höhere Strafzinsen für Sparer

Helmut Schleweis erklärt im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung, warum Negativzinsen für die Sparkassen fast unausweichlich sind. Eine große Insolvenzwelle erwarten die Institute aber nicht.

Helmut Schleweis | Foto: picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka

Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes verteidigt die Geldhäuser gegen Kritik an Negativzinsen für Spareinlagen auch unterhalb einer Marke von 100.000 Euro. "Niemand kann auf Dauer betriebswirtschaftlich gegen die Marktbedingungen handeln. Deshalb müssen auch Sparkassen handeln", sagte Helmut Schleweis im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ).

Niemand kann auf Dauer betriebswirtschaftlich gegen die Marktbedingungen handeln. Deshalb müssen auch Sparkassen handeln.

Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes

"Die Verwahrung von Geld kostet, und auf jeden Euro fallen Bankenabgabe und die Sicherungskosten an. Es ist für uns immer mehr eine Herausforderung, mit diesen Einlagen betriebswirtschaftlich sinnvoll umzugehen." Auch deshalb würden die Preise für Girokonten steigen. "Sie sind im europäischen Vergleich aber noch sehr moderat."

Durch mehr Zusammenarbeit in unserem Verbund versuchen wir, Kostenvorteile zu erzielen.

Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes

Fehlende Einnahmen infolge der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank erhöhten den Spardruck für die Geldhäuser: "Durch mehr Zusammenarbeit in unserem Verbund versuchen wir, Kostenvorteile zu erzielen. Und natürlich nutzen wir die Digitalisierung, um unsere Prozesse schneller und kostengünstiger zu machen", so Schleweis. Die Sparkassen-Filiale müsse sich dabei wandeln, "dann dient sie nicht mehr dem täglichen Service, sondern mehr der umfassenden Beratung". Deshalb sinke die Zahl der Filialen.

Keine größere Insolvenzwelle

In Hinblick auf die durch die Corona-Krise von vielen erwartete Pleitewelle sagt Schleweis: "Es wird Insolvenzen geben, eine größere Insolvenzwelle erwarte ich aber nicht. Ich denke, dass Deutschland besser aus der Krise kommt, als viele erwarten." Die Sparkassen selbst hätten gut vorgesorgt, trotz der hohen Kreditvergabe gebe es bislang keine erhöhten Ausfallraten.

Sparkassen wieder im "Normalbetrieb"

2020 haben die Sparkassen laut Schleweis 393.000 privaten und gewerblichen Kunden Kredite gestundet - das betreffe ein Kreditvolumen im Milliardenbereich. 289.000 davon würden bereits wieder planmäßig bedient, erklärte der Sparkassen-Präsident. "Wir sind wieder im Normalbetrieb", sagte Schleweis. Insgesamt hätten die Sparkassen neue Kredite in Höhe von 106,4 Mrd. Euro an Unternehmen und Selbstständige vergeben, 14,1 Prozent mehr als im Vorjahr.

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