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Konto-Kündigungen bei der Commerzbank steigen um das Zehnfache

Nach dem BGH-Urteil zu Banken-AGBs haben offenbar viele Commerzbank-Kunden die Chance zur Kontokündigung ergriffen. Einige Wochen zuvor hatte das Institut angekündigt, bislang kostenlose Girokonten standardmässig in gebührenpflichtige umwandeln zu wollen.

Schriftzug der Commerzbank | Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Viele Kunden der Commerzbank haben in der vergangenen Woche ihr Konto gekündigt. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Kündigungsdienstes Aboalarm.

Demnach ist die Zahl der Kunden, die der Bank den Rücken kehrten, sprunghaft gestiegen: Um mehr als das Zehnfache (1.039 Prozent) gegenüber der Vorwoche. Im Vergleich zur gleichen Kalenderwoche des Vorjahres liegt das Plus sogar bei 1.966 Prozent.

Hintergrund ist offenbar die Ankündigung der Bank, ab Juli Kontogebühren für Bestandskunden einführen zu wollen. Die Commerzbank selbst wollte sich auf Nachfrage von FinanzBusiness nicht dazu äußern, ob es in der vergangenen Woche ungewöhnlich viele Kündigungen gab.

Es ist kein Zufall, dass gerade jetzt so viele Kunden ihr Konto bei der Commerzbank kündigen.

Felix Riesenberg, Pressesprecher von Aboalarm

"Es ist kein Zufall, dass gerade jetzt so viele Kunden ihr Konto bei der Commerzbank kündigen", sagt Felix Riesenberg, Pressesprecher von Aboalarm in einer Mitteilung. "Unsere Zahlen sind dafür ein gutes Stimmungsbarometer – bereits im letzten Jahr haben wir massive Ausschläge festgestellt, nachdem damals die ING Gebühren angekündigt hatte." Den Anstieg der Kündigungen errechnet Aboalarm anhand der bei ihr eingehenden Kündigungsaufträge. Nach eigenen Angaben bearbeitet der Dienst pro Jahr mehr als 1,5 Mio. Vertragskündigungen.

Commerzbank streicht das kostenlose Girokonto

Ende April wurde bekannt, dass die Commerzbank ab Juli Gebühren für bislang bedingungslos kostenlose Girokonten einführen will. Bestandskunden, die darauf nicht reagieren, sollten automatisch auf kostenpflichtige Varianten umgestellt werden und künftig 4,90 Euro monatlich bezahlen. Nur wer sich aktiv darum bemüht, sollte das kostenlose Girokonto behalten können.

Commerzbank bietet auch weiterhin ein kostenloses Girokonto an

Zuletzt hatte der Bundesgerichtshof zudem in einem vielbeachteten Urteil zuletzt der Bankenpraxis einen Riegel vorgeschoben, das Schweigen ihrer Kunden auf Konto- und Gebührenänderungen als Zustimmung zu werten. Ob und wie genau Kontogebühren künftig erhoben werden, ist derzeit daher unklar.

Bundesgerichtshof begrenzt Spielraum der Banken bei AGB-Änderungen deutlich

Zwar ging es in dem Urteil um die Postbank, doch auch die Commerzbank-Tochter Comdirect hat darauf bereits reagiert: Die für den 1. Mai 2021 geplanten neuen Bedingungen wurden für Bestandskunden ausgesetzt – die Gebührenerhebung ist damit zunächst vom Tisch.

Comdirect setzt nach BGH-Urteil ihre Gebührenpläne vorerst aus 

"Das BGH-Urteil birgt die Chance für Bankkunden, unzulässig erhobene Gebühren zurückzufordern", sagt Riesenberg. Durch das Zahlungskontengesetz (ZKG) sind Banken verpflichtet, ihren Kunden eine sogenannte "vorvertragliche Entgeltinformation" auszuhändigen sowie einmal im Jahr in einer "Entgeltaufstellung" aufzuschlüsseln, was das Konto gekostet hat.

Verbraucherschützer wie die Stiftung Warentest raten Bankkunden daher nach dem BGH-Urteil bereits dazu, die Informationen zu verwenden, um auszurechnen, ob und wie viel sie möglicherweise zu viel bezahlt haben. Allerdings sind die konkreten Rechtsfolgen des Urteils derzeit noch nicht geklärt.

Allgemein mehr Kündigungen bei Banken

Weil auch andere Banken in den vergangenen Jahren Kontogebühren eingeführt hatten, verzeichnete Aboalarm zwischen 2018 und 2020 bei den Girokonten einen Kündigungsanstieg von 60 Prozent. Dieser Trend ist nicht nur in absoluten Zahlen messbar, sondern bestätigt sich auch darin, dass sich der Anteil der Kontokündigungen am Gesamtkündigungsvolumen in den letzten zwei Jahren fast verdoppelt hat.

Immer mehr Bankkunden kündigen ihr Girokonto 

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