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Greensill Capital verlieh noch im Juli 110 Millionen Euro an Schwesterbank

Mit der vergebenen Kreditlinie wurde möglicherweise gegen Aufsichtsregeln verstoßen. Derweil sind erste Verkaufsgespräche wohl gescheitert.

Ein Schild mit dem Firmennamen "Greensill Bank" hängt am Eingang der Bremer Privatbank. | Foto: picture alliance/dpa | Sina Schuldt

Die Finanzgruppe Greensill Capital hat im Juli einen revolvierenden Kredit in Höhe von 110 Mio. Euro bei der Greensill Bank in Bremen aufgenommen.

Das geht aus einer Zeugenaussage des Gründers Lex Greensill hervor, die dem High Court in London diese Woche vorgelegt wurde. Bis Februar dieses Jahres waren davon noch 90 Mio. Euro ausstehend, wie die Financial Times berichtet.

Strenge regulatorische Anforderungen

Das könnte möglicherweise gegen Aufsichtsregeln verstoßen. Denn Kredite an nahestehende Personen, unterliegen strengen regulatorischen Anforderungen.

Sie müssen zu marktüblichen Konditionen und mit einstimmiger Unterstützung des Vorstands und des Aufsichtsrats des Kreditgebers vergeben werden. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat das Recht, die Höhe von Krediten an nahestehende Unternehmen zu begrenzen.

Es ist unklar, ob sich die Greensill Bank an diese Regeln gehalten hat. Auf Anfrage der Financial Times lehnte die BaFin eine Stellungnahme ab, von Greensill Capital gab es auf die Bitte um Stellungnahme keine Reaktion.

Greensill berichtete wohl Credit Suisse von Problemen

Wie Bloomberg berichtet, ging aus den veröffentlichten Gerichtsakten zudem hervor, dass Gründer Lex Greensill der Credit Suisse wochenlang berichtete, dass er Schwierigkeiten habe, neue Kreditversicherungen für seine Lieferketten-Finanzierungen zu finden.

Greensills Zeugenaussagen zufolge habe er Credit-Suisse-Führungskräften wie Chief Risk Officer Lara Warner "regelmäßig" über seine Probleme berichtet, die für ihn entstanden sind, nachdem der australische Versicherer The Bond and Credit Company (TBCC) beschlossen hatte, die Policen für Kredite über 4,6 Mrd. Dollar nicht zu verlängern.

Statement auf Website

Die Credit Suisse lehnte eine Stellungnahme ab, schreibt Bloomberg. In einer Erklärung auf ihrer Website sagte die Bank, dass sie erst "vor kurzem" über die Versicherungslücke informiert wurde, die der Grund für den Untergang von Greensill war.

Die Schweizer Bank hat damit begonnen, das Kapital an Anleger zurückzuzahlen. Es ist noch unklar, wie hoch die Verluste ausfallen. Credit Suisse hatte mehrere Lieferketten-Fonds aufgelegt, die die von Greensill verpackten Forderungen kauften.

Resteverkauf gescheitert

Zuletzt hatte Greensill Capital versucht, operative Sparten über 60 Mio. Dollar an den US-Finanzinvestor zu verkaufen.

Doch Insidern zufolge wurden die Gespräche am Freitag beendet, wie Reuters berichtet. "Seit heute heißt es game over", sagte einer der Insider. Apollo und Greensill gaben auf Anfrage von Reuters keinen Kommentar ab.

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