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Jens Weidmann sieht derzeit keinen Handlungsbedarf für die EZB

Der Bundesbankpräsident sagt in einem Interview, dass er eine weitere Lockerung der Geldpolitik ablehnt.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann. | Foto: picture alliance/Kay Nietfeld/dpa

Bundesbankpräsident Jens Weidmann sieht derzeit keinen Handlungsbedarf für die Europäischen Zentralbank (EZB). "Der geldpolitische Kurs ist zurzeit angemessen", sagt Weidmann der "Börsen-Zeitung" (Donnerstagausgabe) laut einer Vorabmeldung vom Mittwoch.

Die wirtschaftliche Erholung setze sich fort und auch der neuerliche Anstieg der Corona-Infektionszahlen stelle das EZB-Basisszenario bislang nicht infrage. Der EZB-Rat solle sich auch "nicht vorfestlegen oder Erwartungen schüren, von denen wir dann meinen, sie erfüllen oder gar übertreffen zu müssen".

Mit seinen Aussagen schaltet sich Weidmann in die zunehmende und kontroverse Debatte über eine weitere Lockerung der ohnehin bereits ultraexpansiven Geldpolitik ein. Am Dienstagabend hatte EZB-Chefvolkswirt Philip Lane gesagt, dass es der "umsichtigere Ansatz" sein könnte, durch zusätzliche geldpolitische Vorkehrungen die Inflationsdynamik anzukurbeln. Einige andere Euro-Notenbanker dagegen mahnen zur Vorsicht.

Angesichts steigender Infektionszahlen in vielen Ländern der Eurozone haben zuletzt Konjunktursorgen wieder zugenommen. Weidmann zeigt sich hingegen zuversichtlicher und stemmt sich gegen die Markterwartungen. Die Euro-Wirtschaft habe sich zuletzt sogar rascher als erwartet erholt und die Erholung gehe trotz der jüngsten Abschwächung weiter.

Das Vertrauen in unser Basisszenario hat zugenommen

"Das Vertrauen in unser Basisszenario hat zugenommen", sagt er. Daran ändere auch das jüngste Infektionsgeschehen nichts: "Ein gewisses Wiederaufflackern des Infektionsgeschehens wäre durchaus im Einklang mit unserer Prognose." Am Dienstag hatte sich EZB-Präsidentin Christine Lagarde vor allem mit Blick auf Frankreich und Spanien besorgt gezeigt.

Weidmann sorgt sich aktuell auch nicht sonderlich wegen der jüngsten Aufwertung des Euro, von der Gefahren für die Preisstabilität ausgehen könnten. "Das würde ich nicht überbewerten", sagt er. Die Aufwertung habe auch mit der besseren konjunkturellen Entwicklung im Euroraum und dem positiven Signal zu tun, das von den EU-Maßnahmen gegen die Krise ausgegangen sei: "Wir sollten die Entwicklung des Euro nicht isoliert von den treibenden Faktoren betrachten."

Der Euro war seit Mai deutlich gestiegen. Nachdem er Anfang September kurzzeitig bis auf 1,20 Dollar gestiegen war, stabilisierte sich der Wechselkurs und notierte zuletzt in der Nähe von 1,18 Dollar.

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