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Trend zu Negativzinsen für hohe Spareinlagen beschleunigt sich

Immer mehr Banken erheben sogenannte Strafzinsen auf hohe Geldeinlagen. Das Vergleichsportal Verivox hat die Kosten für Tagesgeldkonten bei Banken und Sparkassen analysiert.

Negativzinsen bei Banken (Symbolbild) | Foto: colourbox.com

Die Zahl der Banken und Sparkassen, die Kunden für hohe Spareinlagen Negativzinsen berechnen, hat sich einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox zufolge innerhalb von zwölf Monaten nahezu verzehnfacht.

126 Institute verlangen aktuell Strafzinsen

Demnach verlangen inzwischen 126 Geldhäuser Strafzinsen für größere Guthaben, vor allem auf dem Tagesgeldkonto. Vor einem Jahr waren es 13 Institute. Mittlerweile werden zudem häufiger bereits niedrigere Summen belastet. Den Angaben zufolge räumen aktuell 27 Institute weniger als 100.000 Euro als Freibetrag ein. Bei drei Banken müssen Sparer hierzulande bereits ab dem ersten Euro Negativzinsen zahlen.

Für viele Banken war die Zinssenkung der EZB im September 2019 die Initialzündung, um Negativzinsen im Privatkundengeschäft durchzusetzen.

Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH

"Für viele Banken war die Zinssenkung der EZB im September 2019 die Initialzündung, um Negativzinsen im Privatkundengeschäft durchzusetzen", analysiert Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. "Damals waren Negativzinsen für Privatkunden noch die absolute Ausnahme. Seitdem beobachten wir eine anhaltende Dynamik." Der Trend zu Negativzinsen sei ungebrochen.

Drei Kreditinstitute gehen den Angaben zufolge noch über den Strafzins der Europäischen Zentralbank (EZB) hinaus. Diese Häuser belasten Guthaben oberhalb des jeweiligen Freibetrags mit minus 0,6 Prozent. Europas Währungshüter hatten den Strafzins für Bankeinlagen vor einem Jahr von 0,4 auf 0,5 Prozent verschärft. Den Zins müssen Geschäftsbanken zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank parken. Auch wenn es inzwischen Freibeträge für bestimmte Summen gibt, bleibt dies aus Sicht der Branche eine Milliardenbelastung. Die Kosten geben daher immer mehr Geldhäuser weiter.

Auch Europas größte Direktbank ING denkt zwar über Strafzinsen für Neukunden nach, hat derzeit aber keine konkreten Pläne. ING-Deutschland-Vorstandschef Nick Jue hatte auf dem Handelsblatt BankenGipfel Anfang September bekräftigt: "Wir müssen uns auf alles vorbereiten, wenn es mal notwendig ist von der Geschäftslage, dass wir es machen müssen."

ING Deutschland erhebt vorerst keine Strafzinsen 

Verbraucherschützer halten Negativzinsen grundsätzlich für verboten. Sie seien bei Bestands- und Neukunden nur zulässig, wenn das Verwahrentgelt explizit mit den Kunden vereinbart worden sei. Es reiche nicht, lediglich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zu ändern. Betroffene sollten bei Zweifelsfragen die Verbraucherzentralen kontaktieren.

Verivox zufolge erheben darüber hinaus 13 Banken eine Gebühr für das üblicherweise kostenlose Tagesgeldkonto. Dadurch entstünden faktisch Negativzinsen, auch wenn sie nicht als solche ausgewiesen würden. Das Vergleichsportal wertet die im Internet veröffentlichten Preisaushänge von etwa 800 Banken und Sparkassen aus. Der Deutschen Bundesbank zufolge gab es im vergangenen Jahr 1717 Kreditinstitute in Deutschland.

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