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Deutsche Banken vor Abwärtsrisiken, Standard & Poor's senkt Ratings für zahlreiche deutsche Banken und Bankengruppen

Ratingagentur sieht Branche in Deutschland und Europa "vor nie zuvor dagewesenen Herausforderungen"

Schriftzug der Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) | Foto: Picture-Alliance / ANP

Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) macht sich Sorgen um Europas Banken angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie.

Die Krise ist zu einer Zeit gekommen, in der der deutsche Bankensektor bereits unter Rentabilitätsdruck litt, insbesondere aufgrund des Niedrigzinsumfelds und der hohen Kostenbasis, begründet die Ratingagentur ihre Herabstufung in einer am am Donnerstag (23. April) veröffentlichten Einschätzung.

Verschlechterte Kapitalausstattung

Der Konjunktureinbruch werde die Banken in den kommenden Quartalen schwer in Mitleidenschaft ziehen, warnt S&P. Die Volkswirtschaften Europas stünden "vor nie zuvor da gewesenen Herausforderungen". Die Gewinne, die Qualität der Anlagen und in einzelnen Fällen auch die Kapitalausstattung von Banken dürften sich daher verschlechtern.

Wir gehen davon aus, dass nur sehr wenige dieser negativen Trends in den Ergebnissen der Banken für das erste Quartal deutlich sichtbar sein werden, gehen aber davon aus, dass sie sich bis 2020 zunehmend bemerkbar machen und bis 2021 anhalten werden. Die Qualität der Aktiva der Banken wird für dieses Ergebnis entscheidend sein.

S&P Global Ratings

"Wir gehen davon aus, dass nur sehr wenige dieser negativen Trends in den Ergebnissen der Banken für das erste Quartal deutlich sichtbar sein werden, gehen aber davon aus, dass sie sich bis 2020 zunehmend bemerkbar machen und bis 2021 anhalten werden. Die Qualität der Aktiva der Banken wird für dieses Ergebnis entscheidend sein", fassen die Analysten von S&P ihre Einschätzung zum Ausblick zusammen.

Commerzbank-Rating auf BBB+ gesenkt

Als Konsequenz senkte die Agentur für die Commerzbank die Bonitätsnote von "A-" auf "BBB+". Damit gilt das Institut als Schuldner mittlerer Güte, rangiert aber nur noch knapp über dem spekulativen Status. Der Ausblick lautet "Negativ".

Für die Deutsche Bank hielt S&P das Rating zwar noch aufrecht, senkte den Ausblick aber von "Stabil" auf "Negativ". Oftmals folgt auf einen solchen Schritt später eine Abstufung des Ratings.

Erschwerter Umbau bei der Commerzbank

Das mit der Corona-Krise verbundene erheblich verschlechterte Umfeld erschwere der Commerzbank die Umsetzung ihres mehrjährigen Umbauplans, begründete S&P die Abstufung.

Die Analysten machten "zunehmende Risiken in den wichtigen Märkten" der Bank aus. Hinzu komme, dass der beabsichtigte Verkauf der polnischen Tochter mBank schwieriger geworden sei. Mit den Einnahmen aus dem Verkauf will die Commerzbank ihren Umbau und die Digitalisierung des Geschäfts vorantreiben.

Deutsche Bank auf Kurs

Den Umbau der Deutschen Bank sieht die Agentur hingegen "auf Kurs". Das Management werde die Bankgeschäfte deutlich verbessern. Bis 2022 werde das Institut voraussichtlich wieder seine Kapitalkosten verdienen. Allerdings sagte die Agentur der Bank zugleich "erheblichen zusätzlichen Stress bei den Erträgen und der Qualität der Kapitalanlagen" voraus.

Grenke nicht mehr "stabil"

Neben den Änderungen bei den beiden größten börsennotierten deutschen Banken senkte S&P auch den Ausblick für den Finanzdienstleister Grenke AG von "Stabil" auf "Negativ". Die rapide Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in den vergangenen Wochen könne dessen Kreditwürdigkeit verschlechtern.

Helaba mit stark zyklischen Segmenten

Auch die Ertragsaussichten der Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen (SFHT) hätten sich verschlechtert. S&P erwartet, dass sich die geplanten Kostensenkungsmaßnahmen angesichts der Pandemie verzögern. Dies bedeute, dass die Effizienz der Gruppe im internationalen Vergleich nur mäßig bleiben wird. Die Helaba sei in erheblichem Umfang stärker zyklischen und konzentrierten Segmenten ausgesetzt. Obwohl die SFHT widerstandsfähig bleiben wird, revidierte S&P den Ausblick für ihre Mitglieder von "stabil" auf "negativ".

pbb mit sauberen Portfolio

Die 'A-/A-2'-Ratings der Deutschen Pfandbriefbank AG (pbb) wurden hingegen bestätigt, da S&P ein konzentriertes Geschäftsmodell erkennt, das sich auf gewerbliche Immobilien in Europa und den USA konzentriert. Ein Sektor der allerdings empfindlich auf Konjunkturzyklen reagiert.

In diese Krise gehe pbb mit einem sauberen Portfolio (NPL-Ratio von 0,9% zum Jahresende 2019) und einer starken Kapitalisierung, die sich in einem S&P Global Ratings RAC-Ratio von 11,8% zum Jahresende 2019 zeigt. Einen Puffer, um einen moderaten Anstieg der Kreditverluste aufzufangen, meint S&P. Der Ausblick bleibt "negativ".
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