FinanzBusiness

EZB behält Negativzinsen im Blick

Wie aus Dokumenten des Deutschen Bundestages hervorgeht, beäugt die EZB recht engmaschig die Entwicklung des Negativzinsumfelds. Doch Chef-Aufseher Andrea Enria sieht auch andere Gründe für die schwindende Rentabilität von Banken.

Andrea Enria, Vorsitzender des Aufsichtsgremiums der Europäischen Zentralbank Foto: picture alliance / dpa | Fredrik von Erichsen

In einem jüngst vom Deutschen Bundestag veröffentlichten Dokument beantworten Dr. Elke König, Vorsitzende des Einheitlichen Abwicklungsausschusses und Andrea Enria, Vorsitzender des Aufsichtsgremiums der Europäischen Zentralbank, unter anderem Fragen des Abgeordneten Frank Schäffler zum Niedrigzinsumfeld.

Dabei zeichnen beide ein differenziertes Bild der Lage. Zwar entstünde durch niedrige Zinsen Abwärtsdruck auf die Zinsmargen der Banken. Allerdings könnten Kreditnehmer ihre Kredite unter Umständen einfacher zurückzahlen, wodurch sich die Kreditqualität verbessert und geringere Wertminderungen finanzieller Vermögenswerte eintrete.

Kreditvolumen stieg in den ersten beiden Quartalen

Zudem könnte ein günstiges gesamtwirtschaftliches Umfeld auch zu einem Abbau notleidender Kredite beitragen und im Gleichschritt mit dem geldpolitische Kurs zu einem Anstieg des Kreditvolumens führen. "In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass das Kreditvolumen in den ersten zwei Quartalen 2020 gestiegen ist, was insbesondere darauf zurückzuführen ist, dass Kunden vereinbarte Kreditlinien in Anspruch genommen haben. Gleichzeitig haben sich die Kreditvergabestandards nur leicht verschärft, was auch den staatlichen Garantien für Neukredite zu verdanken ist", antworten König und Enria laut dem Schreiben.

In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass das Kreditvolumen in den ersten zwei Quartalen 2020 gestiegen ist, was insbesondere darauf zurückzuführen ist, dass Kunden vereinbarte Kreditlinien in Anspruch genommen haben.

Andrea Enria, Vorsitzender des Aufsichtsgremiums der Europäischen Zentralbank

Insgesamt würden diese positiven Effekte die negativen Folgen sinkender Nettozinsmargen ausgleichen oder sogar übertreffen. "Dennoch muss die Gesamtwirkung niedriger Zinsen auf den Bankensektor aufmerksam beobachtet werden", so König und Enria. Banken sollten das Zinsumfeld als gegeben voraussetzen und versuchen, ihre Geschäftstätigkeit "so gut wie unter den derzeitigen Umständen möglich" auszuführen.

Auch andere Faktoren schmälern die Rentabilität

Die Aufseher beschäftigen sich derzeit eingehend mit der geringen Rentabilität von Banken. So hatte die EZB auch geplant, sich an dem EU-weiten Stresstest der EBA 2020 zu beteiligen, der die Risiken für Banken in einem Szenario erfassen sollte, in dem die Zinsen für einen längeren Zeitraum im niedrigen Bereich bleiben - allerdings wurde dieser wegen der Covid19-Pandemie verschoben.

Die unverändert niedrige Rentabilität bedeutender Institute im Euroraum kann auch auf verschiedene strukturelle und bankspezifische Faktoren zurückzuführen sein, die in keinem Zusammenhang zu niedrigen Zinssätzen stehen, wie z. B. starker Wettbewerb aufgrund von Overbanking in bestimmten Regionen

Andrea Enria, Vorsitzender des Aufsichtsgremiums der Europäischen Zentralbank

Allerdings zeige auch die kürzlich veröffentlichte Covid19-Vulnerabilitätsanalyse der EZB ein anhaltendes Niedrigzinsumfeld aus. "Die unverändert niedrige Rentabilität bedeutender Institute im Euroraum kann auch auf verschiedene strukturelle und bankspezifische Faktoren zurückzuführen sein, die in keinem Zusammenhang zu niedrigen Zinssätzen stehen, wie z. B. starker Wettbewerb aufgrund von Overbanking in bestimmten Regionen", so Enria und König in dem Schreiben.

In der Rentabilitätsanalyse wurde darauf hingewiesen, dass die Fähigkeiten der Banken zur strategischen Steuerung ein wichtiger Faktor für die Rentabilität sind.

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