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EZB beschließt neue Langfristkredite, keine zusätzlichen Ankäufe

Programm startet im Mai, EZB-Präsidentin Christine Lagarde will notfalls "bis Ende des Jahres über eine Billion Euro einsetzen".

Gebäude der EZB in Frankfurt am Main | Foto: picture alliance/imageBROKER

Zur Unterstützung der Kreditvergabe in der Corona-Krise legt die Europäische Zentralbank (EZB) ein neues Programm mit besonders günstigen Langfristfinanzierungen auf. Das beschloss der EZB-Rat bei seiner Sitzung am Donnerstag in Frankfurt, wie die Notenbank mitteilte.

Zum einen legte sie ein neues Kreditprogramm auf, über das sich die Geschäftsbanken günstig bei der Notenbank refinanzieren können. Das Programm trägt den Namen PELTRO (Pandemic Emergency Longer-Term Refinancing Operations). Zum anderen wurden die Konditionen bereits beschlossener Kreditprogramme (TLTRO III) für die Banken vergünstigt.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde | Foto: picture alliance / SvenSimon
EZB-Präsidentin Christine Lagarde | Foto: picture alliance / SvenSimon

Im Extremfall erhalten die Banken sogar eine Prämie für eine hohe Kreditvergabe, weil der Refinanzierungszins dann unter dem negativen Einlagenzins der EZB liegt.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde bekräftigte die Entschlossenheit der Notenbank, notfalls etwa bei Anleihekäufen nachzulegen. "Wir können aktuell bis Ende des Jahres über eine Billion Euro einsetzen", sagte die Französin. Der EZB-Rat sei bereit, den Umfang des Notkaufprogramms PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) "so weit und so lange wie nötig anzupassen".

Die EZB hat noch eine volle Breitseite Liquidität auf die Märkte abgefeuert. Was wir jetzt haben, kommt einer weiteren Zinssenkung gleich."

Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW


"Die EZB hat noch eine volle Breitseite Liquidität auf die Märkte abgefeuert", kommentierte Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW. "Was wir jetzt haben, kommt einer weiteren Zinssenkung gleich." Die Entscheidungen würden aber etwas nach Panik aussehen.

Lockerere Bedingungen für laufende Kredite

Die Bedingungen für bereits laufende Kreditprogramme werden weiter gelockert. Das soll Banken in die Lage versetzen, angesichts der wirtschaftlichen Verwerfungen infolge der Pandemie Unternehmen mit ausreichend Geld zu versorgen.

Den Leitzins im Euroraum beließ der EZB-Rat am Donnerstag auf dem Rekordtief von null Prozent, teilte die Notenbank in Frankfurt mit. Auf diesem Niveau liegt der Zins seit nunmehr vier Jahren.

Banken müssen weiterhin 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Dieser Negativzins soll Kreditinstitute dazu bewegen, die Gelder lieber in Form von Krediten an Verbraucher und Unternehmen auszureichen, um so die Wirtschaft anzukurbeln.

Leitzins bleibt bei null Prozent

Die Währungshüter stecken über ein Notkaufprogramm unverändert 750 Milliarden Euro in Staats- und Unternehmenspapiere. Das PEPP soll solange laufen, bis der EZB-Rat die Corona-Krise für bewältigt hält - in jedem Fall mindestens bis zum Ende dieses Jahres.

Die laufenden Kaufprogramme der Notenbank für Anleihen haben mit gut 2,78 Billionen Euro bereits ein gewaltiges Volumen erreicht. Um für die Notfallkäufe in der Corona-Krise mehr Spielraum zu haben, ist die EZB bereit, ihre selbst gesetzten Grenzen aufzuweichen.

Bislang galt zum Beispiel die Obergrenze, dass die EZB maximal ein Drittel der Staatsanleihen eines Eurolandes kaufen darf. Nun ist mit einer Ausnahmeregelung zudem auch der Ankauf von Staatsschulden Griechenlands möglich.

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