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Volksbank Mittweida finanziert den Anbau von Cannabis

Das Institut hat dem Berliner Unternehmen Demecan ein Darlehen in Millionenhöhe gewährt. Auch andere deutsche Investoren nehmen den Markt für die medizinische Nutzung des Rauschmittels in den Blick. Das Marktpotenzial liegt trotz strenger Regulierung im Milliardenbereich, ergaben Recherchen von FinanzBusiness.

Die Gründer und Geschäftsführer des Cannabis-Start-ups Demecan (v.l.): Adrian Fischer, Cornelius Maurer, Constantin von der Groeben | Foto: Demecan

Die Volksbank Mittweida hat dem Berliner Cannabis-Start-up Demecan ein Darlehen in Millionenhöhe gewährt, wie das Unternehmen und die Volksbank FinanzBusiness bestätigten. Die Freie Presse hatte zuvor berichtet, dass die Fremdkapitalfinanzierung ein Volumen von 1,35 Mio. Euro umfasse.

Beide Parteien wollten die genaue Summe auf Nachfrage von FinanzBusiness allerdings nicht offenlegen.

Das Darlehen diene der Finanzierung des bereits im Sommer 2020 vollzogenen Erwerbs einer Produktionsstätte für medizinisches Cannabis, worauf das Unternehmen spezialisiert ist. Das etwa 100.000 Quadratmeter große Areal liegt in Ebersbach in der Nähe von Dresden und biete ausreichend Platz, um den Anbau von medizinischem Cannabis in Deutschland dauerhaft zu etablieren, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung.

Wir freuen uns über die Unterstützung und das Vertrauen der Volksbank Mittweida. Es spricht für die Region und bestärkt uns in der Entscheidung, Sachsen als Standort für unsere Produktion gewählt zu haben.

Constantin von der Groeben, Geschäftsführer und Mitgründer, Demecan

"Wir freuen uns über die Unterstützung und das Vertrauen der Volksbank Mittweida. Es spricht für die Region und bestärkt uns in der Entscheidung, Sachsen als Standort für unsere Produktion gewählt zu haben", sagt Constantin von der Groeben, Geschäftsführer und Mitgründer von Demecan, in der Mitteilung. Demecan hatte als eines von drei Unternehmen die Ausschreibung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zur Produktionserlaubnis hierzulande gewonnen.

Produktion im Auftrag der nationalen Regulierungsstelle

Die Produktion sehe ein Volumen von zunächst einer Tonne getrockneter Cannabisblüten pro Jahr vor und erfolgt zum Teil im Auftrag des BfArM, das den Markt hierzulande reguliert.

Demecan - der Name steht für "Deutsches-Medizinal-Cannabis" - wurde 2017 von dem Arzt Adrian Fischer, dem Ökonomen Cornelius Maurer und dem Rechtsanwalt Constantin von der Groeben gegründet, die auch heute noch das Management-Team bilden. Die Gründung Demecans schließt sich an eine regulatorische Weichenstellung an: Medizinisches Cannabis wurde in Deutschland im März 2017 mit dem "Cannabis-Gesetz" als verschreibungspflichtig legalisiert.

Enormes Wachstumspotenzial für den deutschen Markt

Die Nachfrage nach medizinischem Cannabis in Deutschland sei ungebrochen - der Markt ist der größte und am stärksten wachsende in Europa, könne aber derzeit durch heimische Produktion nicht versorgt werden, sagen die Demecan-Gründer. Der "Germany Cannabis Report" von der auf Cannabis spezialisierten Research-Gruppe Prohibiton Partners schätzt das Marktpotenzial in Deutschland bis 2028 auf 7,7 Mrd. Euro.

Die deutsche Venture-Capital-Szene scheint das schlummernde Potenzial zu erkennen; immer mehr bekannte Investoren springen auf den Zug auf: So hat Star-Investor Christian Angermayer die börsengelistete Mangelgesellschaft "Synbiotic" gegründet und will damit laut einem Bericht der Wirtschaftswoche zu einem internationalen "Cannabis-Riesen" heranwachsen.

Die 2018 gegründete Berliner Sanity Group hat sich ebenfalls dem Ausbau von medizinischem Cannabis in Deutschland verschrieben, wie sie im Mai 2019 mitteilte. Dafür konnte sie bereits namhafte Investoren gewinnen - darunter den VC-Fonds HV Holtzbrinck Ventures, den US-Cannabis-Fonds Casa Verde, oder auch Einzelinvestoren wie Fußballer Mario Götze oder der amerikanische Musikproduzent Will.i.am.

Finn Hänsel, Gründer und Geschäftsführer der Sanity Group | Foto: Sanity Group
Finn Hänsel, Gründer und Geschäftsführer der Sanity Group | Foto: Sanity Group
"Unser Ziel ist es, mit Sanity eine umfassende und professionelle Cannabis-Plattform für Europa zu schaffen, und dadurch vor allem natürliche Alternativen zu klassischen Pharmazeutika anzubieten”, erklärte Mitgründer und Co-Geschäftsführer Finn Age Hänsel in der Mitteilung. Der erste Schritt sei, eine Infrastruktur aufzubauen, um den Zugang und die Verfügbarkeit von Cannabis als Arzneimittel zu gewährleisten.

In den kommenden Wochen sei die offizielle Markteinführung von Medizinalcannabis-Produkten des pharmazeutischen Tochterunternehmens Vayamed zu erwarten, wie ein Sprecher der Sanity Group FinanzBusiness bestätigte. "Zum Start wird es verschreibungspflichtige Blüten und Cannabis-Extrakte in zwei Wirkstärken geben", so der Sprecher. Das Produktsortiment würde dann nach und nach in den nächsten Monaten ausgebaut.

Demecan sammelte bisher über sieben Mio. Euro ein

Auch Demecan konnte bereits eine breite Investorenbasis von seinem Geschäftsmodell überzeugen. "Wir konnten in bislang zwei Finanzierungsrunden Investoren aus dem klassischen deutschen Mittelstand für uns gewinnen. 2019 haben wir eine Serie-A-Finanzierungsrunde in Höhe von sieben Mio. Euro abgeschlossen. Das Investment wird je zur Hälfte vom Private-Investor-Network von btov Partners und einem deutschen Single Family Office getragen", so der Vorstand auf FinanzBusiness-Nachfrage.

"Zuletzt haben wir im Mai 2020 ein weiteres Millionen-Funding eingeworben. Auch dabei unterstützen uns Investoren mit eigener unternehmerischer Erfahrung aus dem Mittelstand und Personen, die uns als junges Unternehmen voran bringen", heißt es weiter. Zu den Investoren zähle auch Bernhard Schadeberg, Chef und Miteigentümer der Krombacher-Brauerei.

Vorurteile und administrative Hürden

Innovationsgeist sei für das Wachstum des hiesigen Cannabismarktes essenziell, ist Demecan-Gründer von der Groeben überzeugt. "Medizinisches Cannabis ist für uns ein Zukunftsmarkt, jedoch ist das Thema immer noch mit Vorurteilen behaftet. Aufklärung ist deshalb besonders wichtig. Hinzu kommt, dass aufgrund der Vorurteile lange Zeit auf diesem Gebiet nicht geforscht wurde und die Studienlage folglich schwach ist. Um diesen Rückstand aufzuholen ist es wichtig, die nationale und internationale Forschung weiter voranzutreiben, um den Zugang für weitere Therapiefelder zu ebnen und die Verschreibungshürden für Patienten und Patientinnen weiter abzubauen", resümiert er.

Medizinisches Cannabis hat nach aktuellem Wissenschaftsstand vielfältige Einsatzmöglichkeiten. "Es ist für Patienten zum Beispiel mit chronischen Schmerzen eine echte Alternative. Schon jetzt ist dies mit getrockneten Cannabisblüten und Extrakten möglich", so von der Groeben zu FinanzBusiness.

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) hat im Rahmen ihrer Leitlinien evidenzbasierte Empfehlungsgrade für die Verordnung von medizinischem Cannabis festgelegt.

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