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Börsen sollen Kursdaten für EU-weites Register zur verbesserten Transparenz liefern

Durch das sogenannte "Consolidated Tape" will die EU Transparenz schaffen - insbesondere hinsichtlich des vieldiskutierten Payment-for-Orderflow-Modells.

Handelsraum der Deutschen Börse (Symbolbild) | Foto: picture alliance / Klaus Ohlenschläger

Börsen in der EU sollen nach einem EU-Entwurf künftig Daten zu Handelstransaktionen für ein europaweites Vergleichsregister bereitstellen. Ein solches "Consolidated Tape" genanntes System würde unter anderem Investoren in die Lage versetzen, die für sie günstigsten Deals zu erkennen und generell zu mehr Transparenz im Börsenhandel führen, wie aus einem Entwurfspapier hervorgeht, das die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte.

Das System wurde so konzipiert, dass es europaweit Handelsdaten erfasst. Der Vorschlag ist Teil eines für die kommende Woche erwarteten Reformpakets der EU-Kommission, mit dem Ziel, die Kapitalmärkte in der EU nach dem Brexit zu stärken. Tilman Lüder, Referatsleiter DG Fisma bei der EU-Kommission, hatte im September auf dem Deutschen Derivate Tag bereits dafür geworben.

"Die Retail-Trader haben die Hedgefonds wunderbar in die Enge getrieben", sagt Tilman Lüder 

Banken, Vermögensverwalter und andere Investoren haben bislang keine klaren Vergleichsmöglichkeiten, wenn ein und dasselbe Wertpapier auf den verschiedensten Handelsplätzen in der Ländergemeinschaft gehandelt wird. Das Dokument sieht laut Reuters eine Verpflichtung der Börsen vor, zu einem EU-weiten Register für Aktien und Anleihen gegen eine angemessene Vergütung beizutragen.

Alle Quellen von Marktdaten müssten standardisierte Kerndaten für Sammelstellen verfügbar machen, heißt es in dem Dokument. Börsen würden dabei Mindesteinnahmen für die Bereitstellung von Kursdaten garantiert.

Mehr Transparenz auch beim PFOF-Modell

Das Thema spielt auch in der Diskussion um umstrittene Vergütungssysteme bei Online-Brokern - das sogenannte 'Payment for Orderflow' (PFOF) - eine wichtige Rolle. Bei dieser Praxis werden Kundenaufträge an bestimmte Handelsplätze vermittelt, die Broker erhalten dafür eine Vergütung.

Am PFOF-Modell wird unter anderem kritisiert, dass die Aufträge womöglich dahin gehen, wo den Brokern die höchsten Zahlungen garantiert werden und nicht dorthin, wo es die besten Kurse für die Kunden gibt. Die Schaffung eines "Consolidated Tape" würde hier womöglich zu mehr Transparenz und Vergleichbarkeit führen.

Trade-Republic-CEO Christian Hecker hatte die Einführung des "Consolidated Tape" in einem Interview ausdrücklich begrüßt. Gleichzeitig verteidigte er aber das PFOF-Modell.

Trade-Republic CEO Hecker verteidigt Vorteile seines Gebührenmodells 

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