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Wise kritisiert Gebühren für Auslandsüberweisungen

Das Fintech aus London hat Weltbank-Zahlen ausgewertet und mahnt Finanzinstitute, sich an das UN-Nachhaltigkeitsziel zu halten.

Die Gründer von Wise: Taavet Hinrikus und Kristo Käärmann | Foto: Wise

Laut dem zehnten der insgesamt 17 Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen gilt es, die Ungleichheit in und zwischen Ländern zu verringern. Eine der Maßnahmen ist es, bis 2030 die Transaktionskosten für Überweisungen von Migranten auf weniger als drei Prozent zu senken und die Überweisungskorridore mit Kosten von mehr als fünf Prozent zu eliminieren.

Laut einer Auswertung des Fintechs Wise (früher Transferwise), ist der Weg dafür auch in Deutschland noch weit. Laut Zahlen der Weltbank haben 2020 Menschen in Deutschland über 1,4 Mrd. Euro an Gebühren für Auslandsüberweisungen bezahlt. Die Analyse liegt FinanzBusiness vorab vor.

Wären die Gebühren an dem UN-Ziel von drei Prozent ausgerichtet, so rechnet Wise in der Analyse vor, wären 800 Mio. Euro mehr beim Empfänger angekommen. Da die Zahlungen zu einem Großteil von Expats oder Menschen mit Migrationshintergrund getätigt wurden, die ihre Angehörigen im Ausland unterstützen, hätte man so die Gleichheit fördern können.

Die meisten Länder, darunter auch Deutschland, sind nicht einmal annähernd in der Lage, das UN-Ziel von drei Prozent Überweisungskosten bis 2030 zu erreichen, wenn sie mit dem derzeitigen Tempo weitermachen.

Sandra Sequeira, Associate Professor für Entwicklungsökonomie an der London School of Economics (LSE)

"Die meisten Länder, darunter auch Deutschland, sind nicht einmal annähernd in der Lage, das UN-Ziel von drei Prozent Überweisungskosten bis 2030 zu erreichen, wenn sie mit dem derzeitigen Tempo weitermachen", heißt es von Sandra Sequeira, Associate Professor für Entwicklungsökonomie an der London School of Economics (LSE) in einer Mitteilung anlässlich der veröffentlichten Analyse. "Den Preis dafür zahlen die Menschen in den Entwicklungsländern sowie ihre Familien hier. Es wäre schön, wenn dieses wichtige Thema mit mehr Dringlichkeit behandelt würde."

Wise als internationales Zahlungsnetzwerk

Nun ist es kein Zufall, dass ausgerechnet Wise diese Analyse herausgibt. Denn das Fintech spricht aus einer komfortablen Situation. Wise, gegründet 2011 von Taavet Hinrikus und Kristo Käärmann als Überweisungs-Plattform für Privatpersonen, hat es sich zum Ziel gesetzt, Technologie anzubieten, die auf einem neuartigen, internationalen Zahlungsnetzwerk basiert, um "eines Tages" grenzenlosen Zahlungsverkehr ermöglichen wird.

Nach Angaben von Wise nutzen zehn Millionen Menschen und Unternehmen Wise und senden jeden Monat mehr als 5 Mrd. Euro über Grenzen hinweg. Die Wise-Plattform nutzen unter anderem N26 und Bunq, um für ihre Endkunden internationale Banking-Funktionen anzubieten.

Aus Transferwise wird Wise

Gerade in Zeiten von Krisen wie der Corona-Pandemie sei es wichtig, die Bedeutung von Überweisungen in die Heimatländer von Expats und Migranten nicht zu unterschätzen, unterstreicht Sequeira das Ziel von Wise: "Die überschüssigen Ersparnisse, die jetzt in vielen europäischen Ländern aufgrund der Pandemie entstanden sind, können dazu beitragen, Familien in den Entwicklungsländern zu helfen. Zu viel Geld geht jedoch auf dem Weg dorthin verloren, trotz der jüngsten technologischen Fortschritte im Bereich der Fintechs und des vermutlich erhöhten Wettbewerbs auf dem Markt."

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