FinanzBusiness

Die Frankfurter Volksbank erfindet die Filiale neu

Das Angebot geht über das klassische Angebot von Bankdienstleistungen hinaus und schließt auch Bereiche wie E-Mobilität oder energetisches Sanieren ein. Mit der neuen Filiale will das genossenschaftliche Institut ihren Omnikanalansatz stärken.

Anika Bulla, stellvertretende Leiterin der Filiale Börsenstraße der Frankfurter Volksbank, am Erstberatungstisch vor der Mooswand in der umgestalteten Geschäftsstelle. umgestalteten Filiale. | Foto: Archibald Preuschat

Die Filiale ist tot. Das sagt die Frankfurter Volksbank nicht. Sehr wohl aber: Es lebe die Filiale. Die sieht freilich etwas anders aus und bietet mehr als nur Konto oder Kredit.

Wir überschreiten die Grenzen unseres Ökosystems.

Eva Wunsch-Weber, Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Volksbank

"Wir überschreiten die Grenzen unseres Ökosystems", sagte Eva Wunsch-Weber, die Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Volksbank.

Das sechstgrößte genossenschaftliche Institut der Republik ist bekanntermaßen ein Anhänger der Filiale. Um diese auch in der Fläche des Geschäftsgebiets, das tief in den Taunus vor den Toren der Mainmetropole reicht, zu erhalten, schloss die Bank einen Pakt mit der Konkurrenz.

Gemeinsam mit der Taunus Sparkasse unterhält das genossenschaftliche Institut mittlerweile 26 Finanzpunkte.

Frankfurter Volksbank zeigt sich offen für weitere Finanzpunkte 

In 17 von ihnen beraten Mitarbeiter der Sparkasse und der Volksbank abwechselnd die Kunden. Das Modell ist mittlerweile mehrfach kopiert worden.

Finanzpunkte werden zum Exportschlager

Der Erfolg der Finanzpunkte hat uns Mut gemacht bei der Entscheidung.

Eva Wunsch-Weber, Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Volksbank

"Der Erfolg der Finanzpunkte hat uns Mut gemacht bei der Entscheidung", sagte Wunsch-Weber.

In der "Filiale der Zukunft", wie die Chefin der Frankurter Volksbank sie nennt, werden Kunden an höhenverstellbaren Tischen in einem offenen Raum empfangen. Echter Moos zeigt an, ob das Klima auch stimmt. Geht es dann ans finanziell Eingemachte, stehen auch diskretere Büros zur Verfügung.

Wir freuen uns auf die neue Ansprache unserer Kunden.

Anika Bulla, stellvertretende Leiterin der Filiale Börsenstraße der Frankfurter Volksbank

Aber nicht nur die Kunden, auch die Mitarbeiter müssen sich umstellen. Feste Arbeitsplätze haben die Kundenbetreuer nicht mehr. "Kein Problem, im Gegenteil, wir freuen uns auf die neue Ansprache unserer Kunden", versichert Anika Bulla, die stellvertretende Leiterin der Frankfurter Volksbank-Filiale an der Börsenstraße.

Dabei will die Frankfurter Volksbank möglichst papierlos arbeiten, soweit die Regulierung das zulasse, wie Wunsch-Weber einschränkt. Ein neuer Internetauftritt soll dabei sowohl dem Kunden dienen, als auch dem Berater.

Und dabei geht es um nicht nur um klassische Bankgeschäfte. Auch zu ganz praktischen Fragen rund um das Thema Nachhaltigkeit, wie E-Mobilität oder energetische Sanierung der Immobilie. Hier arbeitet das Institut auch mit lokalen Partnern, etwa dem Energieversorger Mainova, zusammen.

400.000 Euro pro Standort

Wunsch-Weber stellte dann auch klar, dass sie von den neuen Filialen - drei gibt es im Stadtgebiet Frankfurt jetzt, 13 weitere sollen im Laufe des kommenden Jahres im Umland entsprechend umgebaut werden - keinen höheren Deckungsbeitrag erwartet als von den verbleibenden mehr als 50 Geschäftsstellen der Frankfurter Volksbank, die "nach und nach" umgebaut werden sollen. Sechs Mio. Euro stehen in einem ersten Schritt für die "neue Filiale" zur Verfügung - rund 400.000 Euro pro Standort.

Wir müssen die Filialwelt neu denken. Aus diesem Grund machen wir sie zur Kunden-Schnittstelle für unsere digitale Weiterentwicklung.

Eva Wunsch-Weber, Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Volksbank

"Wir müssen die Filialwelt neu denken. Aus diesem Grund machen wir die Filiale zur Kunden-Schnittstelle für unsere digitale Weiterentwicklung," sagte Wunsch-Weber. Dies decke sich auch mit der Strategie des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken, der den Plattform-Gedanken ins Zentrum der kommenden Jahre gestellt habe, sagt sie.

Denn von Online- oder Direkt-Banken ins Bockshorn jagen lassen will sich die Chefin der Frankfurter Volksbank nicht. Anhand einer "Fakten versus Marketing" überschriebenen Folie, zählt Wunsch-Weber auf: Von den 100 Mio. Konten hierzulande werden 30 Mio - also knapp ein Drittel - bei genossenschaftlichen Banken geführt. Auf Fintechs entfallen rund zwei Mio. Konten.

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