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EZB-Direktor Panetta plädiert für Fortsetzung der Krisenpolitik

Panettas Bemerkungen widersprechen Überlegungen seiner deutschen Direktoriumskollegin Isabel Schnabel. Die sieht es kritisch, die im PEPP-Programm angelegte Flexibilität auch in andere EZB-Kaufprogramme einzubauen.

Fabio Panetto, EZB-Direktoriumsmitglied | Foto: picture alliance / ANSA | Riccardo Antimiani

EZB-Direktor Fabio Panetta spricht sich dafür aus, wesentliche Elemente der geldpolitischen Krisenpolitik auch nach Überwindung der Pandemie beizubehalten.

Wir sollten danach streben, die unkonventionelle Flexibilität zu bewahren, die uns während der Pandemie gute Dienste geleistet hat.

Fabio Panetto, EZB-Direktoriumsmitglied

"Wir sollten danach streben, die unkonventionelle Flexibilität zu bewahren, die uns während der Pandemie gute Dienste geleistet hat", sagte Panetta am Montag auf einer Konferenz der Zentralbanken des Mittelmeerraums laut Redetext.

Panetta hat insbesondere das auf 1,85 Billionen Euro angelegte Anleihen-Kaufprogramm PEPP im Blick. Das Krisen-Programm ist so gestaltet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Kaufvolumina gezielt auf bestimmte Märkte konzentrieren und damit einzelnen Staaten besonders unter die Arme greifen kann.

PEPP-Restlaufzeit bis mindestens Ende März 2022

Das PEPP soll noch bis mindestens Ende März 2022 laufen und in jedem Fall so lange, bis die Krisenphase vorüber ist. Mehr als eine Milliarde Euro des Kaufrahmens wurden bereits genutzt. Das PEPP-Programm habe die Vorteile flexibler geldpolitischer Schritte gezeigt, wenn unterschiedliche Finanzierungsbedingungen in einzelnen Ländern zum Hindernis werden für die EZB, sagte Panetta.

Die Notfall-Käufe sind derzeit eine ihrer wichtigsten Waffen gegen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie. Auf der jüngsten Zinssitzung hatten die Währungshüter beschlossen, dass die Käufe auch im nächsten Quartal deutlich umfangreicher ausfallen sollen als zum Jahresstart.

EZB will Geldschleusen weiterhin weit offen halten 

Panettas Bemerkungen widersprechen Überlegungen seiner deutschen Direktoriumskollegin Isabel Schnabel. Denn sie sieht es kritisch, die im PEPP-Programm angelegte Flexibilität auch in andere EZB-Kaufprogramme einzubauen.

Wir können nicht einfach die volle Flexibilität des PEPP auf andere Programme übertragen

Isabel Schnabel, EZB-Direktoriumsmitglied

"Wir können nicht einfach die volle Flexibilität des PEPP auf andere Programme übertragen", hatte sie vergangene Woche angemerkt. Einige Währungshüter hatten argumentiert, es könnten Gestaltungselemente des PEPP in das ältere Kaufprogramm APP, das bereits seit Frühjahr 2015 läuft, aufgenommen werden.

Panetta und Schnabel sitzen beide im sechsköpfigen Führungsgremium der Notenbank. Panetta ist dort unter anderem für internationale und europäische Beziehungen zuständig, Schnabel für die konkrete Umsetzung der Geldpolitik.

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