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Deutsche stehen Digitalem Euro eher skeptisch gegenüber

Laut einer Umfrage der Bundesbank sind die Bundesbürger nicht vom Mehrwert eines Digitalen Euros überzeugt. In der Pandemie war laut EZB Bargeld das Sicherheitspolster der Wahl für viele.

Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann | Foto: picture alliance/dpa | Arne Dedert

Eine Mehrheit der Deutschen steht einem digitalen Euro eher skeptisch gegenüber. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Bundesbank. Rund 56 Prozent aller befragten Haushalte hätten sich in ihrer ersten Einschätzung zur möglichen Einführung eines digitalen Euro entsprechend geäußert, teilte Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann am Dienstag in einer Rede zu einer Bargeld-Konferenz der deutschen Notenbank mit.

"Viele davon seien nicht überzeugt, dass dieser einen ausreichenden zusätzlichen Wert bieten würde, verglichen mit der bestehenden Bandbreite an Bezahloptionen." Beermann ist im Vorstand der Bundesbank unter anderem für das Thema Bargeld zuständig.

Viele davon seien nicht überzeugt, dass dieser einen ausreichenden zusätzlichen Wert bieten würde, verglichen mit der bestehenden Bandbreite an Bezahloptionen.

Johannes Beermann, Bundesbank-Vorstand

Während die Diskussion um einen digitalen Euro in der Finanzwirtschaft auf Hochtouren läuft, scheint sie in der breiten Bevölkerung noch nicht richtig angekommen zu sein.

Digitaler Euro für drei Viertel "unbekannt"

Den Umfrage-Ergebnissen zufolge haben 77 Prozent aller Befragten zuvor noch nicht von einem digitalen Euro gehört oder darüber gelesen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat noch nicht entschieden, ob sie dem Projekt grünes Licht geben soll. Das soll nach früheren Angaben der EZB um die Jahresmitte herum geschehen.

EZB-Direktor Panetta nennt 2026 als frühesten Start für einen Digitalen Euro  

Bargeld war Sicherheitspolster während der Pandemie

EZB-Direktor Fabio Panetta stellte auf der Bundesbank-Konferenz überraschende Zahlen zur Bargeld-Nutzung während der Corona-Krise vor. Demnach verwendeten die Menschen in der Euro-Zone während der Pandemie verstärkt Bargeld als Sicherheitspolster, obgleich sie beim Einkauf bargeldlose Bezahlformen stärker nutzten. Panetta zufolge nahm die Nachfrage nach Euro-Banknoten zwischen März 2020 und Mai 2021 um 190 Milliarden Euro zu. Im Vergleich der Ausgabemengen im Frühjahr 2020 mit den Durchschnittsvolumina der letzten fünf Jahre sei das ein Zuwachs von vier Prozent.

Dieses scheinbare Paradoxon – eine steigende Nachfrage nach Banknoten trotz eines Rückgangs der Barzahlungen – lässt sich möglicherweise damit erklären, dass die Menschen Bargeld während der Krise als Mittel zur Bewältigung der Unsicherheit nutzten"

Fabio Panetta, EZB-Direktor

Zugleich wurde während der Pandemie aber bei Einkauf deutlich weniger mit Scheinen und Münzen gezahlt. "Dieses scheinbare Paradoxon – eine steigende Nachfrage nach Banknoten trotz eines Rückgangs der Barzahlungen – lässt sich möglicherweise damit erklären, dass die Menschen Bargeld während der Krise als Mittel zur Bewältigung der Unsicherheit nutzten", sagte Panetta.

Vier Fünftel des umlaufenden Euro-Bargelds 'unter der Matratze'

Jüngste Schätzungen ließen darauf schließen, dass selbst vor der Pandemie nur rund 20 Prozent des Gesamtbetrags der umlaufenden Euro-Banknoten im Euro-Raum aktiv für das Bezahlen verwendet worden sei. Panetta geht daher davon aus, dass Euro-Scheine und -Münzen die digitale Revolution überstehen werden.

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