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Volksbank Köln Bonn senkt ihre Freigrenzen für Verwahrentgelte

Die Bilanzsumme ist 2020 gestiegen, der Jahresüberschuss blieb nahezu stabil - doch der Kundenkreis wird kleiner. Wer hohe Summen bei der Bank neu aufs Girokonto legen will, soll künftig bereits ab 50.000 Euro Strafzinsen zahlen.

Zwei von vier Vorständen der Volksbank Köln Bonn (von links): Jürgen Pütz, der Vorsitzende, und Christian Gervais | Foto: Volksbank Köln Bonn

Trotz Coronakrise und sinkender Zinseinnahmen hat die Volksbank Köln Bonn 2020 beim Ergebnis fast eine Punktlandung erreicht: Der Jahresüberschuss lag bei rund neun Mio. Euro – nach 9,1 Mio. Euro im Jahr zuvor und 9,8 Mio. Euro im Jahr 2018.

Der positive Start ins Geschäftsjahr 2021 stimmt zuversichtlich hinsichtlich des weiteren Wachstums im Kredit- und Einlagegeschäft und einem erneut stabilen Ergebnis.

Jürgen Pütz, Vorstandsvorsitzender, Volksbank Köln Bonn

"Der positive Start ins Geschäftsjahr 2021 stimmt zuversichtlich hinsichtlich des weiteren Wachstums im Kredit- und Einlagegeschäft und einem erneut stabilen Ergebnis", erklärt der Vorstandsvorsitzende Jürgen Pütz in einer Mitteilung. "Das genossenschaftliche Prinzip zahlt sich aus."

Pütz sieht sein Institut solide aufgestellt und auf mögliche Ausfälle in Folge der Corona-Pandemie vorbereitet, obwohl die Gesamtkapitalquote im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent auf 18,7 Prozent gesunken ist.

Damit liege die Volksbank Köln Bonn jedoch "deutlich über den aufsichtsrechtlichen Anforderungen", heißt es. Und mit einem Wink auf Wettbewerber: Nur Banken mit solider Substanz könnten die steigenden Anforderungen, mit denen die Branche konfrontiert werde, weiterhin erfüllen.

Wie die Geschäfte im vergangenen Jahr gelaufen sind:

  • Keine erhöhten Kreditausfälle. Der Kreditbestand erhöhte sich um 241 Mio. Euro oder 7,1 Prozent – auf 3,6 Mrd. Euro, knapp die Hälfte des Zuwachses kam aus dem Geschäft mit Firmenkunden (117 Mio Euro). "Zunächst befürchtete deutlich erhöhte Kreditausfälle aufgrund der Belastung durch die Corona-Schutzmaßnahmen, waren noch nicht zu verzeichnen", so das Institut.
  • Zweistelliger Zuwachs bei Sichteinlagen. Auf der Passivseite der Bankbilanz wuchsen die Sichteinlagen mit 10,4 Prozent besonders stark, sie erreichten per 31. Dezember 2020 ein Volumen von 3,8 Mrd. Euro. Die Bank reagiert darauf auch mit weiteren Gebührenanpassungen und senkt ihre Freigrenze beim Verwahrentgelt: Für Neukunden sinkt sie ab 1. Mai von 100.000 Euro auf 50.000 Euro, bei Bestandskunden geht es von 500.000 runter auf 350.000 Euro. Die neue Regelung betrifft 1025 Kunden.
  • Zinsergebnis sinkt weiter. Hier zeigt sich eine ähnliche Entwicklung wie bei anderen Banken auch: Der Zinsüberschuss ging um 5,9 Prozent auf 76,6 Mio. Euro zurück – aufgrund der Niedrigzinspolitik der EZB und infolge der, wie von der EZB dringend empfohlen, ausgesetzten Dividendenzahlung durch die DZ Bank an ihre Anteilseigner, darunter die Volksbank Köln Bonn. Das Provisionsergebnis lag dank des Wachstums im Wertpapiergeschäft um 1,7 Mio. Euro (plus 4,1 Prozent) über dem Vorjahresergebnis – bei 43,5 Mio. Euro.
  • Sparkurs. Das Institut ist nach wie vor dabei, seinen Kosten zu reduzieren, kam im vergangenen Jahr auf diesem Weg auch wieder einen Schritt weiter: Die Verwaltungsaufwendungen betrugen noch 87,3 Mio. Euro - gegenüber 91,8 Mio. Euro im Vorjahr (minus 4,9 Prozent). Personalkosten waren dabei allerdings nicht das große Thema: Lediglich vier Stellen sind im Lauf des Jahres entfallen, ermöglicht durch Fluktuation und Altersteilzeit. "Wir betreiben ein konsequentes und aktives Kostenmanagement, prüfen die Nachbesetzung offener Stellen und verfolgen Sachkostenziele", so Pütz auf Nachfrage.
  • Weniger Kunden, mehr Mitglieder. Mehr Kunden sind von der Volksbank so überzeugt, dass sie Mitglied werden, doch der Kundenkreis wird kleiner. 2020 zählte das Institut noch 201.733 Kunden – 2.600 Kunden weniger als im Jahr vorher. Dafür stieg die Zahl der Mitglieder und damit auch der Dividenden-Anwärter (111.998, plus 0,5 Prozent). Für 2020 plant die Volksbank Köln Bonn mit einer Dividende von zwei Prozent (Vorjahr: drei Prozent).

Im Sinne des genossenschaftlichen Gedankens, ist es hier sehr entscheidend, dass Kunden auch Mitglieder der Bank werden.

Jürgen Pütz, Vorstandsvorsitzender, Volksbank Köln Bonn

Marketing für junge Zielgruppen

Das Problem sinkender Kundenzahlen will der Vorstandsvorsitzende Jürgen Pütz verstärkt über Zielgruppenkonzepte lösen, wie er auf Nachfrage von FinanzBusiness erklärt. "Im Fokus steht vor allem die junge Zielgruppe", sagt er, dafür kooperiere die Bank mit Universitäten und Schulen, unterstütze Deutschlandstipendien und Schülergenossenschaften.

"Im Sinne des genossenschaftlichen Gedankens, ist es hier sehr entscheidend, dass Kunden auch Mitglieder der Bank werden. Das gelingt zunehmend und darauf wird weiter großen Wert gelegt", so Pütz zu FinanzBusiness.

Die Volksbank Köln Bonn entstand 2017 durch Fusion der Kölner Bank eG und der Volksbank Bonn Rhein-Sieg. Sie gehört heute zu den 25 größten genossenschaftlichen Instituten bundesweit.

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