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Wiesbadener Volksbank verzeichnet bei Bilanzsumme in 2020 Rekord, doch die Erträge sinken

Für das laufende Jahr rechnet Vorstandschef Matthias Hildner erneut mit Wachstum, bleibt angesichts der Pandemie jedoch vorsichtig. Das Institut steuert auf eine Fusion zu.

Matthias Hildner, Vorstandsvorsitzender der Wiesbadener Volksbank | Foto: Wiesbadener Volksbank

(Update zur Dividende)

Das Coronajahr 2020 endete für die Wiesbadener Volksbank mit Einbußen. Zwar ist die Bilanzsumme erneut gestiegen, der Jahresüberschuss jedoch nicht: Er lag 4,5 Prozent unter dem Vorjahreswert bei 12,6 Mio. Euro.

Vor dem Hintergrund der zahlreichen Herausforderungen sind wir sehr zufrieden.

Matthias Hildner, Vorstandsvorsitzender, Wiesbadener Volksbank

"Vor dem Hintergrund der zahlreichen Herausforderungen sind wir sehr zufrieden", erklärte der Vorstandsvorsitzende Matthias Hildner im Rahmen der Bilanzpressekonferenz. "Das abgelaufene 160. Geschäftsjahr hat in vielerlei Hinsicht gezeigt, wie sehr sich unsere Mitglieder und Kunden auf die Wiesbadener Volksbank und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlassen können."

Entscheidung über Fusion im Mai

Für das laufende Jahr bleibt Hildner vorsichtig. Zwar rechnet er damit, dass das genossenschaftliche Institut auf Wachstumskurs bleibt, verweist jedoch zugleich auf die "vielen Unwägbarkeiten" im Umfeld der Pandemie.

An den Fusionsplänen hält er trotzdem unverändert fest. Wie berichtet, bereitet die Wiesbadener Volksbank derzeit ein Zusammengehen mit der VR Bank Untertaunus vor, über das die Vertreterversammlungen im Mai entscheiden sollen. Stimmen sie zu, könnte die Fusion rückwirkend zum 1. Januar 2021 greifen und damit ein neues Großinstitut in der Region entstehen: Gemeinsam kommen die beiden Häuser auf eine Bilanzsumme von deutlich mehr als sechs Mrd. Euro.

Wiesbadener Volksbank und VR-Bank Untertaunus streben Verschmelzung an

Kreditvolumen und Einlagen steigen

Die Bilanzsumme der Wiesbadener Volksbank erreichte mit 5,2 Mrd. Euro im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand - erstmals in der Geschichte der Bank lag das Kundenvolumen insgesamt oberhalb der 10-Milliarden-Euro-Grenze (10,1 Mrd. Euro, plus vier Prozent). Wie sich das Geschäft im Detail entwickelt hat, im Überblick:

  • Kundeneinlagen. Sie erhöhten sich um 133,9 Mio. Euro auf knapp 3,9 Mrd. Euro (plus 3,6 Prozent). Das Wachstum kam laut Mitteilung der Bank ausschließlich aus dem Bereich der liquiden Sichteinlagen. "Darin spiegelt sich auch das Bedürfnis der Anleger wider, angesichts der Pandemie, verstärkt Rücklagen für Unvorhergesehenes zu bilden", heißt es. 
  • Kreditgeschäft. Hier profitierte das Institut von einer weiter hohen Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen – privat und gewerblich. Die Kundenforderungen erhöhten sich um 188,7 Mio. Euro auf gut 3,8 Mrd. Euro. "Gute Kenntnisse der regionalen Gegebenheiten verbunden mit einer qualifizierten persönlichen Beratung machen uns auch hier zu einem leistungsstarken Partner", begründet Hildner den guten Geschäftsverlauf.
  • Zinsen und Provisionen. In beiden Feldern liegen die Kennzahlen unter dem Vorjahr. Trotz erhöhtem Kreditgeschäft sanken die Zinseinnahmen um 2,9 Prozent auf 84,7 Mio. Euro, im Provisionsgeschäft verlor die Bank 0,5 Prozent und kam auf Erträge von 27,8 Mio. Euro.     
  • Verwaltungsaufwendungen. Die Kosten stiegen 2020 um 1,5 Prozent auf 65,3 Mio. Euro, "erwartungsgemäß", wie die Bank sagt. Der Anstieg resultierte vor allem aus Tariferhöhungen, Mehraufwendungen aufgrund regulatorischer Vorgaben sowie gestiegenen Investitionen in die IT-Systeme. Dass sich damit auch die Cost-Income-Ratio erhöhte – auf 60,2 Prozent –, nimmt das Institut in Kauf, denn sie "fiel wesentlich besser aus als der Durchschnittswert vergleichbarer Banken".

Die Corona-Pandemie hat bislang zu keinen signifikanten Kreditausfällen geführt.

Matthias Hildner, Vorstandsvorsitzender, Wiesbadener Volksbank
  • Risikovorsorge. Die Aufwendungen für die Risikovorsorge (6,2 Mio. Euro) lagen höher als 2019, blieben aus Sicht des Instituts aber „auf einem moderaten Niveau“. Alle Forderungen seien vorsichtig bewertet und sämtliche erkennbaren Risiken durch Wertberichtigungen und Rückstellungen abgedeckt worden. Hildner betont: "Die Corona-Pandemie hat bislang zu keinen signifikanten Kreditausfällen geführt."

Die Dividende für 2020 wird sich aller Voraussicht nach auf dem Niveau des Vorjahres bewegen - bei drei Prozent.

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