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Verbandspräsident Boll spricht über die Sparkassen-Landschaft im Norden und widerspricht Fusionsgegnern

Die Privatisierungspläne der Förde Sparkasse aus Kiel sind bundesweit ein Streitthema. Reinhard Boll, Präsident des Sparkassen- und Giroverbands für Schleswig-Holstein, verteidigt sie - die Kritik daran hält er für überzogen.

Reinhard Boll, Präsident des Sparkassen-und Giroverbandes Schleswig-Holstein | Foto: picture alliance / dpa | Markus Scholz

Im September hat die Förde Sparkasse aus Kiel eine Fusion mit der Sparkasse Mittelholstein angekündigt, verbunden mit einer Umwandlung in einer Aktiengesellschaft. Die Nachricht war kaum draußen, wurde bereits über eine mögliche Abkehr von der Sparkassen-Idee gesprochen, bis hinauf zum Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) regte sich Widerstand.

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Widerstand gegen den Widerstand

Reinhard Boll, Präsident des Sparkassen-und Giroverbandes Schleswig-Holstein, stellt sich den Gegnern nun entgegen, verteidigt die Pläne der beiden Häuser: Er könne keine Gefahr in den Privatisierungsplänen erkennen, sagte er im Interview mit der Börsen-Zeitung.  

"Wir leben in Schleswig-Holstein schon seit langer Zeit mit Sparkassen, die Aktiengesellschaften sind", argumentiert er. Früher seien es vier gewesen, heute noch drei. "Es handelt sich um normale Sparkassen, die sich wie kommunale Sparkassen an ihren öffentlichen Auftrag und an Konventionen halten."

Auch juristisch gibt es Boll zufolge keinen Grund für Einwände. "Ich halte die Fusion einer öffentlich-rechtlichen und einer privatrechtlichen Sparkasse für rechtlich möglich", betont er - so sei es im Sparkassengesetz des Bundeslandes verankert. "Auf Basis dieses Gesetzes wurden in der Vergangenheit bereits zwei Fusionen öffentlich-rechtlicher und freier Sparkassen vollzogen, ohne dass sich Befürchtungen bewahrheitet hätten, wie sie jetzt im Zusammenhang mit den aktuellen Sondierungen geäußert werden. Diesen Fusionen hat im Übrigen auch die BaFin nicht widersprochen."

Steigende Insolvenzzahlen 2021

Die Lage für die Sparkassen in Schleswig-Holstein selbst betrachtet Boll derzeit als stabil, erwartet aufgrund der Corona-Krise aber bald erste Einschnitte.

"Im kommenden Jahr ist mit einer starken Zunahme an Firmeninsolvenzen zu rechnen. Das wird auch in den Bilanzen der Sparkassen in Schleswig-Holstein sichtbar werden", zitiert in die Börsen-Zeitung. Im Moment gelte es, bestehende Reserven zu nutzen.

"Neue Probleminstitute wird es aber in Schleswig-Holstein nicht geben", versprach er mit Blick auf einstige Stützungsfälle wie die Nord-Ostsee-Sparkasse und die Sparkasse Südholstein. "Dazu ist einfach zu gut gearbeitet worden in den vergangenen Jahren."

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