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Qualifizierte Mitarbeiter und interessante Technologie: Was sich Santander von der Wirecard-Hinterlassenschaft sichert

Dass die spanische Großbank den Zuschlag im Insolvenzverfahren bekommt, ist keine allzu große Überraschung. Doch einen entscheidenden Teil des Wirecard-Konzerns kann Santander nicht gebrauchen - dessen Verwertung ist weiter offen.

Historischer Verwaltungssitz der spanischen Großbank Banco Santander in Santander Foto: picture alliance/imageBROKER

Banco Santander hat den Bieterwettbewerb um das Kerngeschäft des Wirecard Konzerns gewonnen. Doch was will die spanische Großbank eigentlich mit den Resten des insolventen Zahlungsdienstleisters?

In erster Linie dürften die Angestellten der Treiber für das Interesse gewesen sein. So schätzen es zumindest die Marktteilnehmer ein, mit denen FinanzBusiness über den gestern Abend verkündeten Deal sprach.

Wirecard Kerngeschäft geht an Banco Santander

Santander vollzieht seit Jahren eine Transformation - vor allem um von dem etwas angestaubten Image der Mitte des 19. Jahrhunderts gegründeten Universalbank wegzukommen.

Hunderte Techies für Santander

Insgesamt wechseln mehrere Hundert der zuletzt knapp über 500 verbliebenen Angestellte von Wirecard zu Santander. Der Rest wird für die Abwicklung der Wirecard Bank benötigt, die noch Jahre in Anspruch nehmen kann.

So gewinnt die seit rund 60 Jahren in Deutschland tätige Bank in Deutschland, wo sie bereits über eine ansehliche Präsenz mit über 200 Filialen und mehr als 3.000 Beschäftigten verfügt, mit einem Schlag weitere hochqualifizierte Mitarbeiter. Personal, das nicht all zu leicht zu kriegen ist. Vor allem ITler sind Mangelware am Arbeitsmarkt.

Santander zahlt für Wirecard-Kerngeschäft niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag

Und dann ist da der Hauptinhalt des Wirecard Konzerns: die Technologie. Santander übernimmt die Technologieplattform des Zahlungsdienstleisters in Europa sowie alle dafür notwendigen Vermögenswerte und kann diese nun in die eigenen bestehenden Systeme integrieren.

Dabei sei es die Großbank gewohnt, unterschiedlichste Systeme zu implementieren und an die eigenen anzudocken. Die Zusammenarbeit passiere dabei stets flexibel und offen, aber gut geordnet. So berichten es andere Kooperationspartner von Santander im Gespräch mit FinanzBusiness.

Banklizenz ging nicht an Santander

Damit steht Santander im Kontrast zu dem ebenfalls bis zum Schluss interessierten britischen Telekommunikationsanbieter Lycamobile. Bei dem 2006 gegründeten Unternehmen dürfte es sehr viel hemdsärmeliger zugehen als bei der Großbank.

"Santander war die naheliegende Wahl", sagen Marktbeobachter.

Und doch könnte für Lycamobile etwas entscheidendes weiterhin von Interesse sein: Die deutsche Banklizenz von Wirecard ist nach wie vor zu haben, denn Santander habe daran kein Interesse gezeigt, erfuhr FinanzBusiness aus informierten Kreisen. Ihre Verwertung gilt als ausgemachte Sache, dass Lycamobile sie sich sichern kann, aber nicht.

Einige Wirecard-Talente indes hatten nicht gewartet, bis ein Käufer gefunden war. Bereits Anfang September war bekannt geworden, dass Kilian Thalhammer, der beim Zahlungsdienstleister Wirecard AG zuvor das globale Produktmanagement aufgebaut hatte, bei der Deutschen Bank anheuert.

Kilian Thalhammer und sein Team sind wohl nicht die letzten Ex-Wirecard-Mitarbeiter, die bei der Deutschen Bank anheuern

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