Bei Banken sind die Zeiten abgedeckter Tattoos vorbei

Ein attraktives Gehalt allein reicht nicht mehr aus, um qualifizierte Mitarbeiter anzuwerben. Das wissen auch Banken, gerade wenn es um den heiß umkämpften Arbeitsmarkt in der IT-Branche geht. Style Guides regeln den individuellen Auftritt in einigen Häusern.

Tattoos im Büro sind nicht überall erwünscht. | Foto: Pressmaster

"Mir gegenüber saß grade ein Herr, tadellos gekleidet, sehr schicker Anzug, Krawatte farblich passend zum Einstecktuch in blau, elegantes Schuhwerk. Mit einem Wacken MNS (Anmerkung der Redaktion: Mund-Nasen-Schutz). Mein Bankberater rebelliert halt mit kleinen Gesten." So lautet der Tweet von Mrs. Penny auf Twitter. Doch wie sieht es insgesamt heute mit dem Dresscode Deutschlands Banken aus?

Foto: Twitter
Foto: Twitter

Anzug, Krawatte, polierte Schuhe und steifer Hemdkragen sorgen selten für einen Wohnfühlfaktor. Kaum verwunderlich also, dass der eine oder andere Bewerber sich vom klassischen Bankenimage abschrecken lässt. "Die Anforderungen an einen attraktiven Arbeitgeber haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert", sagt Désirée-Catrin Lang, verantwortlich für das Mitarbeiterbranding bei der ING. "Eine Kerngruppe bei uns ist zum Beispiel das hart umkämpfte IT-Umfeld."

Doch generell schätze die Bank an ihren Teams, dass sie vielfältig aufgestellt sind. "Jeder kann mitbringen, was ihn oder sie erfolgreich macht und auch die eigene Persönlichkeit zum Ausdruck bringen", sagt Lang. Natürlich sei auch im Kundenkontakt ein klassisches Auftreten erwünscht, aber Probleme mit Tattoos habe die ING nicht. "Wir haben keine festgeschriebenen No-Gos und setzen lieber auf Eigenverantwortung."

Jeder kann mitbringen, was ihn erfolgreich macht und auch seine Persönlichkeit zum Ausdruck bringen.

Désirée-Catrin Lang, verantwortlich für das Mitarbeiterbranding bei der ING

Kleiderordnung auch im Back Office

Anders ist es bei der Stadtsparkasse München (SSKM). Hier gibt es einen Style Guide für Mitarbeiter. Jeans und Sneaker sind laut Pressereferent Sebastian Sippel weiterhin tabu – auch im Back Office. Trotzdem sei das Haus lockerer geworden, weg von der Krawatte und hin zu Business Casual.

Aber die Änderung unseres Outfits ist nicht nur ein Entgegenkommen an die Generation Y und Z.

Sebastian Sippel, Sprecher, Stadtsparkasse München

"Gerade die jüngeren Kollegen leben das wirklich sehr gut, so ist mein persönlicher Eindruck. Aber die Änderung unseres Outfits ist nicht nur ein Entgegenkommen an die Generation Y und Z." Auch die Kunden hätten heute andere Erwartungen an ihre Banker als früher: "Nicht mehr ganz so formell und steif, sondern auch im Outfit mehr auf Augenhöhe mit unseren Kunden."

Die Zeiten, in denen die Finanzbranche als letzte Bastion der Schlipsträger galt, sind lange vorbei.

Wolfram Kaiser, Personalleiter, Hamburger Volksbank


Sneakers Friday und Eigenverantwortung

Wolfram Kaiser, Personalleiter der Hamburger Volksbank, stimmt ihm zu: "Die Zeiten, in denen die Finanzbranche als letzte Bastion der Schlipsträger galt, sind lange vorbei." Lockerungen in seinem Haus hätten mit einem Sneakers Friday, begonnen. Die gebrandeten Hamburger Volksbank Sneaker hätten die Mitarbeiter als Geschenk erhalten. "Ansonsten gilt, dass sich unsere Mitarbeiter:innen eigenverantwortlich je nach Anlass angemessen kleiden. Das klappt wunderbar."