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Coronakrise lässt Konsum 2020 absacken, Sparquote schnellt nach oben

Während der private Konsum auf Jahressicht in Deutschland so stark absackt wie zuletzt vor 50 Jahren, steigt die Sparquote nach vorläufigen Berechnungen im vierten Quartal 2020 auf 15,7 Prozent.

Krefelder Innenstadt im zweiten Lockdown | Foto: picture alliance / Rupert Oberhäuser

In der Corona-Krise ist der private Konsum in Deutschland so stark zurückgegangen wie seit 50 Jahren nicht mehr. Die Haushalte gaben im vergangenen Jahr für Waren und Dienstleistungen 4,6 Prozent weniger Geld aus als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Montag berichtete.

Die Zahlen der Wiesbadener Statistiker machen noch einmal klar, dass die deutsche Konjunktur mit der Lockerung der Corona-Beschränkungen steht und fällt.

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank

Der Online-Handel habe die Schließung der lokalen Geschäfte nicht vollständig ausgleichen können, sagt der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. Er verweist auf die Verantwortlichkeit der Politik: "Die Zahlen der Wiesbadener Statistiker machen noch einmal klar, dass die deutsche Konjunktur mit der Lockerung der Corona-Beschränkungen steht und fällt. Es wird darauf ankommen, wie die Politiker aus Bund und Ländern die zuletzt gestiegenen Infektionszahlen interpretieren."

Gänzlich anders als 2008/2009

Der Einbruch beim privaten Konsum war der stärkste Rückgang seit 1970 und unterscheidet sich fundamental vom Verbraucherverhalten in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Damals hatte der private Konsum die deutsche Volkswirtschaft gestützt und zur schnellen Erholung beigetragen.

Auffällig war die Entwicklung bei der Nachfrage nach langlebigen Konsumgütern, wie die Daten zeigen: Branchenübergreifend gingen die Konsumausgaben für langlebige Güter im 1. Halbjahr um 8,5 Prozent zurück, im 2. Halbjahr stiegen sie um 7,8 Prozent.

Entwicklung der Konsumausgaben | Foto: Quelle: Destatis
Entwicklung der Konsumausgaben | Foto: Quelle: Destatis

Die Vorsicht der Verbraucher setzt sich im neuen Jahr fort. Schufa-Daten zeigen, dass die Zahl der neu abgeschlossenen Ratenkreditverträge Anfang Februar 2021 um 33 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums lag.

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Sparquote gegenläufig

Die Geldvermögensbildung entwickelte sich indes gegenläufig. Nach Daten von Destatis erreichte die Sparquote nach vorläufigen Berechnungen im vierten Quartal 2020 15,7 Prozent.

Die DZ Bank geht  für das Jahr 2020 von einer Sparquote von 16 Prozent aus, der Bankenverband BVR hatte Anfang Dezember sogar einen Wert von rund 17 Prozent prognostiziert.

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