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Fed-Chef Powell überrascht Märkte mit neuer geldpolitischer Strategie

Beobachter hatten keine offizielle Ankündigung der US-Notenbank beim jährlichen Symposium in Jackson Hole erwartet.

US-Notenbankchef Jerome Powell | Foto: picture alliance / AP Photo

Die US-Notenbank Fed hat am Donnerstag (27. August) zur Überraschung mancher Beobachter konkrete Details zu ihrem neuen geldpolitischen Rahmenwerk öffentlich gemacht. Wie die Federal Reserve in Washington mitteilte, soll sich ihr Inflationsziel künftig an Durchschnittswerten orientieren. Bisher stellt das Preisziel der Fed ein Punktziel dar, das sie möglichst exakt erreichen will. Auch das Beschäftigungsziel für den Arbeitsmarkt wurde leicht abgeändert.

Experten hatten zwar damit gerechnet, dass Fed-Chef Jerome Powell beim jährlichen Notenbankentreffen in Jackson Hole die neue Strategie thematisiert. Das tat er auch zeitgleich zur Veröffentlichung der Fed-Mitteilung. Eine offizielle Ankündigung der Zentralbank hatten aber die wenigsten Fachleute erwartet.

"Kurzfristig hat die Änderung der geldpolitischen Strategie keine unmittelbaren Konsequenzen. Längerfristig gilt: Die US-Geldpolitik wird zukünftig auch bei einer gut laufenden US-Wirtschaft lockerer bleiben können."

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt, VP Bank

"Kurzfristig hat die Änderung der geldpolitischen Strategie keine unmittelbaren Konsequenzen. Längerfristig gilt: Die US-Geldpolitik wird zukünftig auch bei einer gut laufenden US-Wirtschaft lockerer bleiben können", sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank in Vaduz, Liechtenstein.

Bei zuvoriger Zielverfehlung will Fed Inflation moderat über zwei Prozent anstreben

Wie die Fed mitteilte, wird sie künftig eine Inflation moderat über ihrem bisherigen Ziel von zwei Prozent anstreben, falls das Ziel zuvor verfehlt wurde. Fachleute sprechen auch von einem symmetrischen Inflationsziel. Die Fed stellte jedoch ebenso klar, dass sie ohne zu zögern gegen "exzessiven Inflationsdruck" vorgehen werde.

Für den Arbeitsmarkt stellte die Fed klar, dass aus ihrer Sicht eine robuste Entwicklung erreichbar sei, ohne dabei eine starke Inflation auszulösen. Die Einsicht folgt aus der Erfahrung der vergangenen Jahre, als die Arbeitslosigkeit in den USA stark gefallen war, die Inflation aber nicht anspringen wollte. Entsprechend hatte auch die Fed ihr Inflationsziel meist verfehlt.

Strategieüberprüfung künftig alle fünf Jahre

Die Änderungen sind Ergebnis einer umfassenden Strategieüberprüfung, die bereits Ende 2018 angekündigt worden war. Wegen der Corona-Pandemie hatte sich die Überprüfung verschoben. Eine solche Strategieüberprüfung will die Fed nun alle fünf Jahre durchführen, wie die Notenbank mitteilte.

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