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Vier von fünf Führungskräften im Finanzsektor rechnen in der Corona-Krise mit schwerwiegenderen Folgen als 2008

Die vom Center for Financial Studies (CFS) befragten Führungskräfte in der Finanzbranche lehnen mehrheitlich Corona-Bonds ab, sehen die Eurzone in Gefahr

CGI-Visualisierung Covid 19 | Foto: Picture-lliance / 360-Berlin

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise werden deutlich gravierender ausfallen als in der Finanzkrise 2008. Diese Ansicht äußern 78% der Führungskräfte aus der Finanzbranche, die an einer Umfrage des Center for Financial Studies (CFS) der Goethe-Universität Frankfurt teilgenommen haben.

Etwa ein Zehntel hält Hilfen für überzogen

Mehr als 60% der Umfrageteilnehmer halten die Maßnahmen der Bundesregierung für angemessen, weitere 24% der Befragten wünschen sich noch höhere Förderbeträge und lediglich 12% halten das gegenwärtige Hilfspaket für überzogen.

Die von der Bundesregierung beschlossenen Rettungsmaßnahmen im Umfang von derzeit ca. 750 Milliarden € bestehen überwiegend aus Sonderkrediten und Kreditgarantien.

Wunsch nach mehr Eigenkapitalinstrumenten

Gefragt, in welcher Form diese Hilfen erbracht werden sollen, würden es knapp 80% der Teilnehmer begrüßen, wenn zusätzlich zu den Kreditprogrammen mehr Eigenkapitalinstrumente genutzt würden, um die Verschuldung der Unternehmen nicht weiter ansteigen zu lassen. Nur 13% der Befragten lehnen Eigenkapitalmaßnahmen ab.

Die Akzeptanz von Hilfen in Form von Eigenkapital würde wohl seitens der Finanzindustrie starke Unterstützung finden – hier könnte ein Schlüssel zur Sicherung und Rückgewinnung der Finanzstabilität in Europa liegen.

Professor Jan P. Krahnen, wissenschaftlicher Direktor des Center for Financial Studies

„Die Akzeptanz von Hilfen in Form von Eigenkapital würde wohl seitens der Finanzindustrie starke Unterstützung finden – hier könnte ein Schlüssel zur Sicherung und Rückgewinnung der Finanzstabilität in Europa liegen“, erläutert Professor Dr. Jan P. Krahnen, wissenschaftlicher Direktor des Center for Financial Studies.

Einheitliche Standards umstritten

Umstritten ist unter den Befragten, ob die Hilfsgelder europaweit koordiniert, d.h. nach einheitlichen Standards vergeben werden sollten. Dies befürworten immerhin 54% der Befragten aus dem Finanzsektor, 41% lehnen dies ab.

Regionale Asymmetrie in Rettungsprogrammen für die Eurozone

Die Hauptgefahr für die Eurozone sehen die Befragten in der ungleichen Dimensionierung der Hilfsprogramme im Norden und im Süden Europas – 85% sehen hier Gefahren aufziehen.

„Da die ungleiche Dimensionierung viel stärker als Problem benannt wird, als die mangelnde internationale Koordinierung der Programme, liegt hier vielleicht eine wichtige Erkenntnis für die Politik: Es liegt im Eigeninteresse auch der Nordländer, der Asymmetrie in den Rettungsprogrammen auf europäischer Ebene entgegenzuwirken – egal ob koordiniert oder nicht“, erläutert Professor Dr. Jan P. Krahnen.

Sollten Gemeinschaftsanleihen in Form von Corona-Bonds, als Zeichen europäischer Solidarität, ausgegeben werden? | Foto: Quelle: Center for Financial Studies (CFS)
Sollten Gemeinschaftsanleihen in Form von Corona-Bonds, als Zeichen europäischer Solidarität, ausgegeben werden? | Foto: Quelle: Center for Financial Studies (CFS)
 

Etwa die Hälfte lehnt Corona Bonds ab

Der Finanzsektor sieht aufgrund der umfangreichen Hilfsprogramme auf Ebene der EU und den einzelnen Mitgliedstaaten ganz überwiegend (ca. 85%) das Risiko einer Gefährdung für die Stabilität der Europäischen Währungsunion. Die Einführung von Gemeinschaftsanleihen in Form von Corona Bonds lehnen ca. 48% der Teilnehmer ab, ca. 23% können sich diese jedoch vorstellen, ein auffallend hoher Anteil von ca. 30% hat dazu keine dezidierte Meinung.

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