Die Märkte unterschätzen die (mögliche) Zinserhöhung, sagt ein ranghoher Notenbanker

Die Spannung vor der Zinsentscheidung der EZB in der kommenden Woche wächst. Noch ist nicht ausgemacht, ob es weiter nach oben geht. 
Ungewöhnliche Perspektive(n): Die EZB in Frankfurt. | Foto: picture alliance/dpa | Andreas Arnold
Ungewöhnliche Perspektive(n): Die EZB in Frankfurt. | Foto: picture alliance/dpa | Andreas Arnold
Reuters

Die Finanzmärkte unterschätzen aus Sicht des niederländischen Notenbankchefs Klaas Knot womöglich die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung der EZB in der kommenden Woche. Zwar werde eine Konjunkturabschwächung die Nachfrage sicherlich bremsen, aber die zur Zinssitzung am 14. September vorliegenden neuen Inflationsprognosen der EZB-Volkswirte würden nur wenig von den Juni-Prognosen abweichen, sagte das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) der Nachrichtenagentur Bloomberg in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview. Ob ein derartiger Ausblick eine zehnte Zinserhöhung in Folge rechtfertige, sei eine ”enge Entscheidung”.

Die EZB hat seit Sommer 2022 die Zinsen bereits neun Mal in Folge angehoben, zuletzt im Juli um 0,25 Prozentpunkte. ”Die Märkte mühen sich ab”, sagte Knot. ”Sie machen wahrscheinlich einen ähnlichen Kampf durch, wie wir ihn nächste Woche durchmachen müssen. Aber ich kann Ihnen versichern, dass es am Ende dieses Ringens eine Entscheidung geben wird.” Aus den Kursen an den Terminmärkten geht derzeit hervor, dass Investoren die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung nächste Woche nur auf etwa 32 Prozent taxieren. ”Wir haben die Feinabstimmungsphase des Straffungszyklus erreicht”, sagte Knot. Eine weitere Anhebung sei immer noch eine Möglichkeit, aber keine sichere Sache.

Zwei Prozent Inflation bis Ende 2025?

”Ich bin nach wie vor der Auffassung, dass das Erreichen unseres Inflationsziels von zwei Prozent bis Ende 2025 das absolute Minimum ist, das wir schaffen müssen”, sagte Knot. In ihren Juni-Projektionen hatten die EZB-Volkswirte für 2025 noch einen Anstieg der der Verbraucherpreise von 2,2 Prozent vorausgesagt. Damit würde die Inflationsrate noch immer oberhalb des Stabilitätsziels von 2,0 Prozent liegen, das die EZB mittelfristig als optimales Niveau für den Währungsraum anstrebt. 

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