Hedgefonds-Manager Hohn sieht keine Rettung für Wirecard

Der deutscher Finanzdienstleister hat keine einzigartige Technologie und das Vertrauen der Kunden verspielt, meint der Brite in einem Zeitungsinterview.
Der Unternehmenssitz von Wirecard in Aschheim bei München. | Foto: Wirecard
Der Unternehmenssitz von Wirecard in Aschheim bei München. | Foto: Wirecard

Nach Ansicht des britischen Hedgefonds-Managers Christopher Hohn ist der Internetkonzern Wirecard nicht zu retten. Er geht von mehreren Übeltätern aus und fordert im Skandal um den Finanzdienstleister ein schärferes Vorgehen der deutschen Aufseher.

"Ich frage mich, ob die deutschen Behörden der Firma nicht umgehend die Lizenz als Bank und Zahlungsdienstleister entziehen sollten", sagte Hohn am Donnerstag im Interview mit dem Handelsblatt.

"Sie können die Firma nicht einfach weitermachen lassen, sondern müssen die Wirecard-Kunden und das deutsche Bankensystem schützen."

Nach Ansicht von Hohn muss der Fall Wirecard umfassend aufgeklärt werden."Ein Bilanzskandal dieser Größenordnung kann nicht von ein oder zwei Leuten begangen worden sein. Die deutschen Behörden müssen alle Verantwortlichen ausfindig machen",  so Hohn.

Brite fordert Aufsichtsrat zur Veranwortung zu ziehen

Der Brite kritisiert auch die Haltung des Aufsichtsrates. Er "hat diese Machenschaften viel zu lange zugelassen. Der gesamte Aufsichtsrat hat versagt und sollte zur Verantwortung gezogen werden", sagte Hohn.

Seiner Meinung nach ist Wirecard weder zu retten noch ein Übernahmekandidat. Er begründet dies damit, dass Wirecard keine einzigartige Technologie besitze und es viele andere Wettbewerber gebe. "Wirecard hat in meinen Augen keine Assets, die als Übernahmekandidat attraktiv wären", sagte er. "Alle Kunden würden zu anderen Anbietern wechseln. "Zahlungsabwicklung ist ein Geschäft, das auf Vertrauen basiert. Und das Vertrauen ist unwiderruflich weg", so Hohn.

Behörden sollten Einstellung zu Leerverkäufern ändern

Hohn, der mit Leerverkäufen bei Wirecard den Angaben zufolge bereits mehr als 200 Mio. Dollar verdient hat, sieht durch den Skandal die Leerverkäufer rehabilitiert. "Shortseller spielen eine wichtige Rolle, um Betrug ans Licht zu bringen", sagte er.

Seiner Ansicht nach sollten die Behörden ihre Einstellung dazu ändern, statt sich auf die Seite des Vorstands zu schlagen und gegen Leerverkäufer vorzugehen. "Man sollte uns respektieren, statt auf uns herabzuschauen", so Hohn.

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