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US-Finanzinvestor Cerberus setzt Commerzbank-Spitze unter Druck

Der nach dem Bund zweitgrößte Aktionär macht Druck auf die Führung des Geldhauses. Das will die Nachrichtenagentur Bloomberg aus Kreisen erfahren haben.

Die Commerzbank-Zentrale in Frankfurt. Foto: picture alliance/dpa

Die seit der Finanzkrise teilverstaatlichte Commerzbank bekommt Insidern zufolge Ärger mit ihrem zweitgrößten Aktionär. Der seit Sommer 2017 an der Bank beteiligte US-Finanzinvestor Cerberus sei mit der Führung des Geldhauses sehr unzufrieden und wolle deshalb zwei Sitze im Aufsichtsrat, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Mittwoch unter Berufung auf einen am Dienstag verschickten Brief des Investors an das Aufsichtsgremium der Bank.

Aktionär zeigt sich alarmiert

Cerberus zeigt sich in dem Brief "alarmiert, weil Management und Aufsichtsrat den Ernst der Lage nicht erkennen wollen". Der Finanzinvestor schreibt von einem "jämmerlichen Versagen" der Führung, angemessene Schritte zu unternehmen, um die Lage zu ändern.

Die Commerzbank habe keine bedeutenden Initiativen mit Blick auf Geschäftsabläufe, Technologie oder Management ergriffen. Vorschläge von Investoren habe die Bank abgelehnt. Die Zeit, die Probleme anzugehen, gehe aber schnell zu Ende. Eine Commerzbank-Sprecherin wollte die Informationen nicht kommentieren.

Die Forderung des US-Investors könnte bereits bei der Aufsichtsratssitzung am kommenden Mittwoch Thema werden. Cerberus ist der Bloomberg-Datenbank zufolge mit rund 5 Prozent an der Commerzbank beteiligt und damit nach dem Staat, der knapp 16 Prozent hält, der zweitgrößte Aktionär.

Wunschkandidaten bleiben offen

Welche Vertreter Cerberus in den Aufsichtsrat der Bank entsenden will, blieb im Brief offen. Zwei jetzige Mitglieder müssten ihre Posten dafür räumen. Normalerweise werden Aufsichtsratsmitglieder von den Aktionären auf der Hauptversammlung gewählt. Die jüngste Veranstaltung dieser Art ist aber erst wenige Wochen her.

Nun erhöht Cerberus den Druck. Man wolle zwar am liebsten konstruktiv mit der Bank zusammenarbeiten. Allerdings würden andere Anleger Bemühungen um deutliche Veränderungen in Vorstand, Aufsichtsrat und der Strategie der Bank stark unterstützen.

Drastische Sparmaßnahmen

Commerzbank-Chef Martin Zielke hatte seine neue Strategie im September vorgestellt. Dabei wurde der Abbau weiterer 2300 Stellen und die Schließung von jeder fünften von rund 1000 Filialen angekündigt. Dabei weichte er die Ziele für die Kostenquote der Bank und die Eigenkapitalrendite auf. Die Bundesregierung als größter Anteilseigner gab daraufhin ein Gutachten bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) in Auftrag.

Bloomberg zufolge empfahl die BCG darin noch deutlich drastischere Sparmaßnahmen, darunter eine noch deutlichere Verkleinerung des Filialnetzes. Die Kostensenkung sollte dadurch doppelt oder dreimal so hoch ausfallen wie vom Management vorgesehen.

Im Februar kündigte Zielke an, die eigene Strategie noch einmal zu überarbeiten. Bei der Hauptversammlung Mitte Mai bekräftigte er, dass die Bank ihr "Kostenmanagement in diesem Jahr nochmals intensivieren" werde. Die Bank will am 5. August bei der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen Details zu den geplanten weiteren Sparmaßnahmen vorstellen.

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