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Quirin Privatbank CEO Schmidt: "Jede Krise hat ihren eigenen Charakter, es gibt keine Blaupausen"

Vorstandsvorsitzender setzt auf direkte Ansprache in wöchentlichem Podcast. Pläne für Neueinstellungen von Beratern liegen wegen Corona-Pandemie auf Eis.

Karl Matthäus Schmidt, Vorstandschef Quirin Privatbank Foto: Quirin Privatbank

Karl Matthäus Schmidt weiß, wie man Hügel erklimmt. Nicht nur mit dem Mountainbike, sondern auch beruflich. Mit 25 Jahren gründet er mit Mitstreitern den Online-Broker Consors, bringt ihn 1999 an die Börse, lässt die Bank und den Neuen Markt hinter sich und hebt 2006 die Quirin Privatbank aus der Taufe.

Dazu tauscht der gebürtige Franke Bayern gegen Berlin, Online-Wertpapierhandel gegen Honorarberatung für Vermögende und Mountainbiken in den Bergen gegen Sandpisten in der brandenburgischen Provinz.

Von dort leitet der Vorstandsvorsitzende die Quirin Privatbank AG seit der Corona-Pandemie aus dem Homeoffice heraus – statt wie sonst aus dem siebten Stock eines kleinen Bankenturms am Ende des Kurfürstendamms in Berlin.

Niederlassungen geschlossen

Die bundesweit 13 Niederlassungen der Bank sind zum Schutz der Mitarbeiter und der Kunden geschlossen. Die rund 235 Mitarbeiter kümmern sich per Telefon- und Videocalls um die Kunden. Ab 4. Mai sollen die Niederlassungen – Schmidt will an der Zahl festhalten und weder ausbauen noch reduzieren - wieder öffnen. Doch das Geschäft mit vermögenden Kunden – Mindestanlagesumme ist 100.000 Euro – geht weiter.

Zuflüsse überwiegen Abflüsse

Neun Mio. Euro an Zuflüssen stehen zwei Mio. Euro an Abfluss beim Kundenvermögen in der vergangenen Aprilwoche gegenüber, von Panikverkäufen durch die Pandemie merkt Schmidt bislang nichts.

Wir gewinnen unverändert stark neue Kundengelder hinzu – auch in der Krise.

Karl Matthäus Schmidt, Vorstandschef Quirin Privatbank

„Wir gewinnen unverändert stark neue Kundengelder hinzu – auch in der Krise.“ Im Schnitt sind das rund zehn Mio. Euro pro Woche – das war vor der Corona-Pandemie so und hat sich während der Krise nicht geändert. Einzige Ausnahme sei immer der Januar, der Spitzenmonat im Jahr. Allein in diesem Jahr haben die neuen Kundengelder im Januar bei 143 Mio. Euro gelegen. Ab Februar seien es monatlich zwischen 40 und 50 Mio. Euro. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019 beliefen sie sich auf rund 600 Mio. Euro.

Schmidt hält an Dividendenausschüttung fest

Stand heute hält Schmidt sowohl an der bisher vorgeschlagenen Dividendenerhöhung von 3 Cent auf 7 Cent je Aktie als auch an der Prognose für das laufende Jahr fest. Unter der Annahme, dass es keine stärkeren oder anhaltenden Verwerfungen an den Kapitalmärkten gibt, sieht er für den Einzelabschluss der Bank im Jahr 2020 ein positives Ergebnis nach Steuern in einer Bandbreite von 5,7 Mio. Euro bis 6,2 Mio. Euro. Da sei Corona nicht einkalkuliert. Man müsse sehen, wie der tatsächliche Verlauf sein wird.

2019 hatte die Bank einen Jahresüberschuss in Höhe von 5,9 Mio. Euro erzielt. Wegen der Corona-Pandemie werde Schmidt auch bezüglich der Neueinstellungen „auf Sicht“ fahren. Zehn Berater wollte er ursprünglich zusätzlich einstellen.

Grundsätzlich gibt es keine Blaupause für Krisen. Jede hat ihren eigenen Charakter

Karl Matthäus Schmidt, Vorstandschef Quirin Privatbank

„Grundsätzlich gibt es keine Blaupause für Krisen. Jede hat ihren eigenen Charakter“, erklärt Schmidt in seinem jüngsten Podcast. Der Podcast ist ein Kind der Corona-Pandemie. Auf diesem Kanal informiert der Vorstands-Chef seit Anfang April persönlich jeden Freitag.

„Wir klären die Kunden auf, dass Rückschläge zum Kapitalmarkt gehören und die Renditen mittel- und langfristig zu sehen sind“, sagt Schmidt im Gespräch mit FinanzBusiness. Rund 500 Abrufe wöchentlich seien bislang zu verzeichnen.

Bankierssohn glaubt an die Marktwirtschaft

Der Bankierssohn – seine Vorfahren gründeten 1828 die Schmidtbank, die sein Vater bis 2001 leitete - glaubt an die Marktwirtschaft.

„Unternehmen reagieren schneller als Staaten und passen sich an neue Gegebenheiten an“, sagt der 51-Jährige und nennt als Beispiel den schwäbischen Freizeit- und Freizeitbekleidungshersteller Trigema, der sofort in der Corona-Krise seine Produktion auf Gesichtsschutzmasken umgestellt hat. Und in Aktien anzulegen sei nichts anders als in Unternehmenswerte zu investieren.

„Die Deutschen vernichten Geld, wenn sie ihr Geld auf Giro- oder Tagesgeldkonten lassen und nicht die Kraft der weltweiten Kapitalmärkte nutzen“, sagt Schmidt. „Wer mindestens fünf Jahre anlegt, wird von den Marktchancen profitieren.“

Kunden-Kontaktfrequenz um 50% erhöht

Seit der Corona-Krise „gibt es eine große Unsicherheit und die Menschen sprechen mit uns über Themen, die über das angelegte Geld hinausgehen“, sagt er. Die Kontakthäufigkeit zwischen Berater und Bank habe sich seitdem um rund 50 Prozent erhöht.

„Wir haben zu jedem Kunden seit der Corona-Krise Kontakt gehabt“, schätzt Schmidt. 9.800 davon wurden zum Jahresende 2019 von der Quirin Privatbank betreut, etwa 14.400 von der digitalen Tochter quirion.

Durchschnittsalter 60 Jahre bei Privatbank-Kunden

„Bei quirion gibt es weiterhin viele Kontoeröffnungen“, beobachtet Schmidt. Offensichtlich nähmen die Anleger die Krise zum Anlass, zu günstigen Kursen in den Kapitalmarkt einzusteigen. Durchschnittlich 48 Jahre alt sei der quirion Kunde, bei der Quirin Privatbank 60 Jahre.

Die ursprünglich 10.000 Euro, die der Kunde bei quirion bislang als Minimum anlegen musste, wurde bereits 2019 auf 1.000 Euro Anfangsinvestition reduziert. Alternativ können Anleger ab 30 Euro monatlich sparen, ohne Einmalanlage. Längerfristig wolle er so auch jüngere Kunden erreichen. So könnten sie nach Ansicht von Schmidt etwas für die Rente vorsorgen.

„Man muss ans Alter denken und welche Sparform sich dafür eignet“, sagt er. Wenn es nach ihm ginge, könnten sie auch nur 50 Euro anlegen. Doch das sei derzeit in der Vermögensverwaltung mit einzelnen Wertpapieren nicht hinzubekommen.

Nachhaltige Anlagen waren vor der Krise stark gefragt

Insgesamt stelle Schmidt auch bei der Corona-Krise fest, dass der Kapitalmarkt weiter an Attraktivität gewonnen habe, und bei den Menschen der Wunsch nach einer klaren Anlage mit Transparenz ungebrochen sei. Ob sie allerdings weiterhin wie vor der Krise in Produkte mit Nachhaltigkeit investieren werden, bleibe spannend.

Das im Mai 2019 eingeführte Produkt Vermögensverwaltung Verantwortung, ein Produkt das in ein Portfolio investiert, in dem Unternehmen ethische, soziale und unternehmerische Kriterien berücksichtigen, sei das erfolgreichste Produkt überhaupt gewesen. In nur einem Jahr wurden knapp 900 Mandate für Privatkunden mit insgesamt rund 135 Mio. Euro eröffnet, im Schnitt wurden also pro Mandat etwa 150.000 Euro nachhaltig angelegt.

Schmidt jedenfalls will weiterhin seine Kreativität in neue Bankkonzepte stecken. Und in seiner Freizeit seine handwerklichen Ambitionen in sein Grundstück nördlich von Berlin. Dort lebt der fünffache Familienvater in zweiter Ehe mit Frau und einjähriger Tochter.

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