Wenn Grüner Wandel zu spät kommt: Kreditrisiko der Banken verdoppelt sich bis 2030

Investitionen in Höhe von drei Billionen Euro werden in den nächsten sieben Jahren benötigt, besagt eine neue Studie der EZB. Je langsamer der Green Deal, desto mehr Kosten und Risiken für die Banken.
Ohne den Grünen Wandel müssen sich auch die Banken Sorgen um ihre Zukunft machen, sagt die EZB. | Foto: picture alliance / Zoonar | Laurent Davoust
Ohne den Grünen Wandel müssen sich auch die Banken Sorgen um ihre Zukunft machen, sagt die EZB. | Foto: picture alliance / Zoonar | Laurent Davoust
Reuters, DPA

Eine Beschleunigung des Kampfes gegen den Klimawandel würde einer Untersuchung der Europäischen Zentralbank (EZB) zufolge sowohl Banken und Unternehmen als auch den Haushalten zugutekommen. Mit schnelleren Investitionen hin zu einer klimafreundlicheren Wirtschaft könnten mittelfristig Kosten und Risiken deutlich verringert werden, so die Notenbank. Sie hatte zum zweiten Mal seit 2021 größere Bereiche der Wirtschaft auf ihre Anfälligkeit für Klima-Risiken geprüft. Die Ergebnisse legten die Währungshüter jetzt in einer Studie vor.

”Wenn wir so weitermachen wie bisher, werden die Risiken und Kosten für die Wirtschaft und das Finanzsystem steigen”, warnte EZB-Vizepräsident Luis de Guindos. Die Schnellspur müsse genommen werden, bevor es zu spät sei. ”Wir brauchen eine entschlossenere Politik, um einen rascheren Übergang zu einer Netto-Null-Wirtschaft im Einklang mit den Zielen des Pariser Abkommens sicherzustellen,” forderte de Guindos. Diese sehen vor, die globale Erwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf deutlich unter zwei Grad einzudämmen und Anstrengungen zu unternehmen, um den Temperaturanstieg auf 1,5 Prozent zu begrenzen.

Drei Szenarien

Die EZB legte ihrer Untersuchung drei Szenarien zugrunde. Im ersten Szenario eines beschleunigten Wandels mit vorgezogenen Investitionen und einem erheblichen Anstieg der Energiepreise wurde eine Verringerung der Treibhausgas-Emmissionen bis 2030 im Einklang mit den Pariser Klimazielen angenommen. Im Szenario eines späten Wandels würde die grüne Transformation erst 2026 einsetzen, dann aber so stark verlaufen, dass die Klimaziele bis 2030 ebenfalls noch erreicht würden. Das dritte Szenario eines hinausgezögerten Wandels schließlich sah vor, dass dieser ebenso erst 2026 einsetzt, aber dann so schwach ausfällt, dass die Pariser Ziele bis 2030 verfehlt würden.

Drei Billionen Euro

Laut EZB müssten in den ersten beiden Szenarien Unternehmen und Haushalte von Anfang an erhebliche Mittel investieren, wobei sich die grünen Investitionen bis 2030 jeweils auf rund drei Billionen Euro summieren würden. Im dritten Szenario würden zwar weniger Finanzmittel benötigt. Dafür fiele aber die Treibhausgas-Verringerung geringer aus. Und dies sei langfristig mit einem erhöhten physischen Risiko verbunden sei, da die Ziele des Pariser Abkommens nicht erreicht würden. Zu solchen Risiken zählen etwa zunehmende Hitzewellen, Stürme und Überschwemmungen. ”Die Ergebnisse zeigen, dass Unternehmen und Haushalte eindeutig von einem schnelleren Übergang profitieren”, erklärte die EZB. Ein rascherer grüner Wandel sei zwar zunächst mit größeren Investitionen und höheren Energiekosten verbunden, dafür würden die finanziellen Risiken mittelfristig deutlich sinken.

Banken stehen im Feuer

Auf Banken käme laut EZB das größte Kreditrisiko dann zu, sollte der grüne Wandel hinausgezögert werden und dann überstürzt einsetzen. Denn dies würde beschleunigte Investitionen zu höheren Kosten nötig machen. Im Szenario eines späten Wandels würde sich der Studie zufolge das Kreditrisiko der Institute bis 2030 mehr als verdoppeln verglichen mit dem Jahr 2022. Dagegen würde bei einem beschleunigten Wandel das Kreditrisiko nur um 60 Prozent zunehmen. Ein Hinauszögern des Wandels oder gar nicht zu handeln führe langfristig sogar zu noch höheren Kosten und Risiken.

Im Pariser Klimaabkommen von 2015 ist das Ziel festgehalten, die Erderwärmung möglichst bei 1,5 Grad zu stoppen und damit die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu verhindern. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels fordern Umweltschützer und Wissenschaftler immer wieder größere Anstrengungen, um zum Beispiel den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) zu verringern.

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