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Kreditgeschäft der Sparkassen wächst im ersten Halbjahr zweistellig

Firmen und Selbstständigen haben die Institute insgesamt 59,9 Mrd. Euro zugesagt - ein Plus von knapp einem Fünftel. Das Einlagengeschäft entwickelte sich hingegen unterdurchschnittlich.

Logo der Kreissparkasse Köln am Schloss Brühl (Symbolbild) | Foto: picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Seit der Analyse des Frankfurter BWL-Professor Ralf Jasny stehen die Sparkassen unter Beobachtung. ”Was die Sparkasse mit ihren Kundengeldern machen”, hatte der Ökonom darin beschrieben und im Fazit heftige Kritik am Kreditgeschäft der Institute geäußert, insbesondere an deren Anlagepolitik.

”Mit der Erfüllung des gesetzlich verankerten öffentlichen Auftrags der Versorgung der regionalen Wirtschaft mit Krediten hat diese Anlagepolitik nichts mehr zu tun”, so Jasny.

Jede fünfte Sparkasse hat 30 Prozent ihrer Aktiva in Wertpapieren angelegt

Nun legen die Sparkassen ihre Bilanz für das erste Halbjahr 2022 vor und entwerfen damit ein Gegenbild: Das Neugeschäft bei Krediten an Unternehmen und Selbständige wird nicht kleiner, es wächst.

In den ersten sechs Monaten des Jahres wurden an Unternehmen und wirtschaftlich Selbstständige Kredite in Höhe von 59,9 Mrd. Euro zugesagt.

DSGV in einem Statement

”In den ersten sechs Monaten des Jahres wurden an Unternehmen und wirtschaftlich Selbstständige Kredite in Höhe von 59,9 Mrd. Euro zugesagt“, teilt der Deutsche Giro- und Sparkassenverband (DSGV) mit. Das seien nochmals 9,7 Mrd. Euro bzw. 19,3 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres – ”womit ein neuer Bestwert für ein erstes Halbjahr erreicht wurde“.

Kreditvergabe an Unternehmen kurz vor EZB-Zinswende kräftig gestiegen

Inwiefern die Entwicklung auch eine Folge der Zinspolitik der EZB ist: Dazu äußert sich der Verband nicht, betont aber, dass der Einlagenzuwachs nahezu zum Stillstand kam – lediglich 0,6 Mrd. Euro seien von den Kunden der Institute im ersten Halbjahr neu angelegt worden, heißt es. Im Vergleich: 2021 waren es zum Ende des ersten Halbjahres bereits 25 Mrd. Euro, ein Jahr zuvor sogar 29,5 Mrd. Euro.

Wertpapiergeschäft verliert, doch der Nettoabsatz steigt

Einen Dämpfer gab es auch für das Wertpapiersparen. 2021 meldete der DSGV noch einen neuen Rekord, diesmal muss man einen Rückgang einräumen: Von Januar bis Juni wurden mit dem Wertpapiersparen Umsätze in Höhe von 76 Mrd. Euro getätigt, was im Vergleich zum ersten Halbjahr 2021 einem Minus von 13,5 Prozent entspricht. Verkäufe der Kundinnen und Kunden seien dabei deutlich stärker zurückgegangen als die Käufe.

Der Verband hält das angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen und der Tatsache, dass die ”Kunden sehr besonnen reagiert haben“, für ein gutes Ergebnis – noch nie habe der Nettoabsatz (Käufe minus Verkäufe) so hoch gelegen wie im ersten Halbjahr 2022.

Laut Mitteilung des Verbands lag er bei 16 Mrd. Euro und damit knapp ein Viertel über dem Vorjahreszeitraum. 9,4 Mrd. Euro entfielen auf Investmentfonds, 4,0 Mrd. Euro auf festverzinsliche Wertpapiere und 2,6 Mrd. Euro auf Aktien.

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