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Rücklagen für Corona-Risiken belasten Jahresergebnis der Stadtsparkasse München

Die Stadtsparkasse München (SSKM) konnte 2020 ihre Cost-Income-Ratio leicht verbessern und ihr Ergebnis vor Bewertung stabil halten. Doch hohe Vorsorgereserven lassen das Jahresergebnis um fast 15 Prozent sinken.

Verwaltungszentrum der Stadtsparkasse München | Foto: picture alliance / imageBROKER | Manfred Bail

Die Stadtsparkasse München steigerte 2020 leicht ihre Effizienz. Das Betriebsergebnis vor Bewertung bleibt stabil, doch hohe Vorsorgereserven lassen das Jahresergebnis der viertgrößten deutschen Sparkasse um fast 15 Prozent zurückgehen. Das geht aus einer Mitteilung des Instituts hervor.

Ihren Zinsüberschuss konnte die Stadtsparkasse München leicht steigern. Der Provisionsüberschuss stagnierte, die Kosten sanken leicht. Damit gelang es dem Institut, seine Cost-Income-Ratio leicht zu verbessern, von 64,5 auf 64,3 Prozent.

Dennoch ging das Jahresergebnis um sieben Mio. Euro zurück, Grund dafür sind hohe Vorsorgereserven, die unter anderem Kreditrisiken aus der Corona-Krise abfangen sollen.

Einlagen führen zu höherer Zinsbelastung

Doch neben der Pandemie birgt auch die Negativzinspolitik der EZB-Risiken. So stiegen die Kundeneinlagen um fast acht Prozent, der Anteil von täglich kündbaren Einlagen erreichte mit 81 Prozent einen Spitzenwert innerhalb der Stadtsparkasse.

"Dies ist einerseits ein großer Vertrauensbeweis, führt jedoch andererseits zu einer massiven eigenen Zinsbelastung der Bank aufgrund der anhaltenden Negativzinspolitik der EZB", heißt es in der Mitteilung.

Derzeit zahlen Firmenkunden der Bank ein Verwahrentgelt von 0,5 Prozent, der Freibetrag liegt seit Januar 2021 bei 100.000 Euro. Privatkunden, die vor Oktober 2019 ein Konto eröffnet haben, seien "nach aktueller rechtlicher Lage" von einem Verwahrentgelt ausgeschlossen, heißt es auf der Website der SSKM.  "Wenn ein Verwahrentgelt für Privatkunden käme, dann würde dies nur neue Kunden treffen", wird dort weiter ausgeführt.

3.500 neue Depots

Vor niedrigen Zinsen schützten sich Kunden der Stadtsparkasse auch durch die Investition in Wertpapieren: 3.500 neue Depots wurden bei der SSKM oder bei der Deka Bank, dem Wertpapierspezialisten der Sparkassen, eröffnet.

Jede Krise bietet auch Chancen, und diese erörtern wir proaktiv mit unseren Kunden: denn das niedrige Zinsniveau bietet Kunden gute Möglichkeiten Immobilieneigentum zu erwerben oder in Wertpapiere zu investieren

Ralf Fleischer, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse München

"Jede Krise bietet auch Chancen, und diese erörtern wir proaktiv mit unseren Kunden: denn das niedrige Zinsniveau bietet Kunden gute Möglichkeiten Immobilieneigentum zu erwerben oder in Wertpapiere zu investieren", wird Ralf Fleischer, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse München, in der Mitteilung zitiert.

Angesichts der Coronakrise beschleunigte sich auch der Trend zum kontaktlosen Zahlen. Die Anzahl kontaktloser Zahlungen verdoppelte sich von einer Mio. Transaktionen im Dezember 2019 auf zwei Mio. im Dezember 2020.

Konflikt um Prämiensparverträge

Anfang des Jahres geriet die Stadtsparkasse München in Konflikt mit Verbraucherschützern. Diese gehen mit einer Musterklage gegen das Institut vor. Es geht um langfristige Sparverträge, die aus Sicht der Verbraucherschützer nicht korrekt verzinst und zu unrecht gekündigt wurden. Kunden, die bei der Stadtsparkasse München einen Sparvertrag "Prämiensparen flexibel" abgeschlossen haben, können sich der Klage kostenfrei anschließen.

Ursprünglich waren die Verträge eher niedrig verzinst, aus heutiger Sicht bieten sie im Nullzins-Umfeld aber aufgrund der Prämien eine attraktive Rendite, weshalb Sparkassen - und zwar nicht nur in München - die für sie mittlerweile unattraktiven Verträge auch loswerden wollten.

Auch die Stadtsparkasse München bekommt wegen der Kündigung langfristiger Sparverträge Ärger

Die Stadtsparkasse München wehrte sich gegen die Vorwürfe und betonte, sie habe ihr ordentliches Kündigungsrecht genutzt.

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